Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 93 (29.11.1886)
- Date
- 1886-11-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1011 (herhob noch ein zweitenmal den Stock wider ihn; inzwischen war jedoch auf den Nus den Angegriffenen ein Sicherheitswachmann herbeigckoinnlen, u»clchcr Namen, Staad und Adresse den Exeedentcn verzcichncte nnd ihn hieraus anwies, seinen Weg -ruhig fortznscyen. Allein Tenbner begehrte, das; die Sache „sogleich ansgctragcn" werde. In Folge beite» forderte der Wachmann Tenbner auf, ihm zum Polizci-Eommiffuriat zu folgen. Doch auch dies schien nicht nach dem Gcschmacke den Kaufmannes zu sein. Er fas;te den Wachmann an der Blonse, schlug in gleichfalls mit dem Stocke nnd kratzte ihn. Nunmehr wurde Tenbner als arrctirt erklärt und unter Assistenz eines zweiten Wachmannes zum Polizei-Eommissariatc gebracht. Allein noch im Polizei-Gebäude stellte er dem crstcren Wachmanne ein Bein, um ihn zu Falle zu bringen. Heute war Dcubuer vor einem Erkeuntnißscuate unter Vorsitz des Landcsgerichrs rarhc« Holzinger des Verbrechens der öffentlichen Gcwaltthätigkeit, sowie der Hcbcrlretung der körperlichen Verletzung angeklagt. Er versickerte, daß er vollrrunken gewesen sei; in der Untersuchung hatte er hervor gebob-.n, daß er das Unglück habe, auch bei vollkommener Berauschtheir anscheinend vernünftig zu sprechen. Allein diese Erfahrung, die Herr Tenbner an sich gemacht, kennte den Gerichtshof nicht bestimmen, an seine Unzurechnungsfähigkeit in jener Nacht zu glauben, wenn auch sein angeheiterter Zustand außer Frage stand. Herr Popper hatte sich damals in Gesellschaft zweier Freunde befunden. Ter Vorsitzende betonte mm, daß Teubncr sich mit dem Ausrufe: „Wieder ein Iüd!" gerade an Popper, den einzigen unter den Dreien, gewendet habe, obwohl dessen Züge nicht einmal so prononcirt semitisch seien; daraus gehe hervor, daß er keineswegs stark betrunken gewesen sein könne. Ter Angeklagte, welchen Tr. Sieger vertheidigte, wurde übrigens nur der thätlichen Wachebcleidigung und leichten körperlichen Verletzung schuldig erklärt und zu sechs Wochen Arrests verurtheit. Wien. Tic isr. Eultusgcmcinde errheilte der in kümmerlichen Berhältninen zurückgebliebenen Familie des aus offener Straße crniordclen Jakob Schloßberger eine Unterstützung von 1000 fl. Italien. Aus Florenz wird der Wiener „Allg. Ztg." geschrieben: „König Hnmbert, der mit der Königin in den jüngsten Tagen in unserer Stadt weilte, sprach letzthin den Wunsch aus, das historische Ghetto von Florenz, von denen Absonderlichkeiten er so viel gehört habe, zu besichtigen. Ter König, nur vonr Adjutanten General Baff begleitet, wurde aut Eingänge in das alte, flüstere Ghetto, das zum Niederreißen bestimmt, uon seinen bisherigen Bewohnern schon säst ganz verlassen ist, vom Bürgermeister empfangen, dein der.König sagte: „Zeigen Sie mir nun das Häßlichste und Abstoßendste; ich will Alles ans eigener Anschauung kennen lernen." Ter König besichtigte nun eingehend das Winkelwerk von schmutzigen Gassen nnd Gäßchcn nnd drat hie und da in ein besonderes armselig anssehendes Häuschen ein, Alles mit größtem Interesse besichtigend. Des Königs Miene wurde, je weiter er kam, desto ernster. „ES ist unglaublich," sagte er zu den Begleitenden, „das; hier in diesen übelriechenden Löchern Jahrhunderte lang Menschen leben konnten. Es war Zeit, daß die neuen Ideen diesem menschenunwürdigen Dasein ein Ende machten," und,, auf den bevörfiehenden Umbau des Stadtthcilcs anspielend, äußerte der König: „Möge mit diesem elenden Gemäuer auch die Erinnerung an die Schmach vergangener Jahrhunderte fallen!" Des Königs Besuch im Ghetto währte anderthalb Stunden, worauf derselbe, sich verabschiedend, zum Bürgermeister sagte: ,/Nehmen Sie meinen besten Dank entgegen, das soeben Gesehene hat mich im höchsten Maße interessirt und betrübt zugleich. Ich habe nur einmal im Leben schrecklichere Menschenwohnungen gesehen — die „Fondaci" in Neapel, die ich zur Zeit der Cholera- Epidemie besichtigte. Mailand, 18. Nov. Kommenden Donnerstag, 25. d., werden die wissenschaftlichen und Gelchrtenkrcise unserer Stadt, zumal unsere Aecatlemia Sdentilico-LitttTa»**';., ein Fest begehen, depen Mittelpunkt ein Jude, d. h. ein jüdischer Gelehrter, bildet. An diesem Tage werden es nämlich fünfundzwanzig Jahre sein, daß Proscstor Graziado Isaia Äs coli zum Lehrer der vergleichenden Sprachforschung an die genannte Akademie berufen worden ist. Professor Äscoli ist von Geburt ein Oesterreicher und zwar ftamuri er ans Görz, wo er am 16. Juli 1829 das Licht der Welc erblickte. Seine Eltern, reiche Kaufleute, wollten ihn dem Geschäfte widmen; er aber sehnte sich nach dem Nuhmeskranze eines Gelehrten nnd Forschers und weihete sich daher gänzlich den Wissenschaften.- Schon mit 15 Jahren veröffentlichte er ein Werkchcn, in dem er aus die nahe Verwandtschaft des frinlanischen Tialectes mit dem Rumänischen hinwies. Zehn Jahre nachher veröffentlichte erhier in Mailand ein neues Werk: „Suuli «rientali elinguistiei (Orientalische nnd linguistische Studien)", das ihm den Nus eines tüchtige» Oriemalisten einbrachte. Er versuchte auch altindische Hymnen ins Italienische