Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 92 (25.11.1886)
- Date
- 1886-11-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Gemeinde beabsichtigt uumucfjv, den Wcbmirni des großhet.zigen ,ytv yiiKMiilmuifl .w bringen 1111b die letzterwähnte Anstalt iii*3 l'ciu’ii zu rufen. Da aber das zur Disposition stehende Kapital selbstverständlich nicht hinreicht, so hat der Vorstand an die Glaubensgenossen der Stadt und Provinz Posen die Aufforderung gerichtet, durch fernere Beiträge das Werk zu ermöglichen. Hoffen wir, das; dieser Aufruf zur Förderung eines so edlen Zweckes nicht fruchtlos verhalten wird. Es scheint, das; eine Einbrechcrbande sich als Spezialität auf Erbrechung und Beraubung der in den Synagogen angebrachten Almofeukaften verlegt hat. Innerhalb der lebten Wochen sind in drei Städten der Provinz, Bromberg, Wreschcn und in der hicstgen alten und neuen-Bctschule die Lasten erbrochen und geleert worden. In allen drei Fällen sind die Thätcr unentdeckt geblieben. Witten, 21. Nov. Herr Stöcker hat hier eine Hetzrede gehalten, welche in den anständigen Kreisen der Bürgerschaft allgemeine Entrüstung hcrvorgcruscn hat. Tic angesehensten Bürger haben beschlossen, gegen die Wittener Jndenhetze in einer ad lioc zu berufenden Versammlung Protest einzulcgcn. Frankreich. Paris, 20. November. Der schlaue Spekulant Drumont hat ein neues Machwerk?La France juive devant l’opinion“. (Das jüdische Frankreich vor der öffentlichen Meinung) unter seiner Schecre. Drumont ist der erste Glncksvogel, dem sein antisemitssches Gewerbe einen guten Verdienst abwlrft, hoffentlich wird er seinen germanischen Brüdern, die mit weniger Gluck „arbeiten", in ihrer verhängnisvollen Noth ein wenig unter die Arme greisen. Rumänien. I)r. C. Bukarest, 17. November. Die Iassyer Zeitung „Libcralul", ein von der Negierung subvenrionirtcS Organ, widmet unter der Uebeschrift „Tie Fleischangelegenheit" dev Sachen der .israelitischen Gemeinde in Jayy einen langen Artikel. In welchem Geleise sich dieser bewegt, brauche ich nicht besonders zu sagen, cs genügt die Bemerkung, dass er von einer rumänischen und, dasi er von einer Regierungszeitung geschrieben is.. deren Gesinnungen für die Israeliten ja hinlänglich bekannt sind. „Tie Wahrheit über die „Fleischtheuerung" ist das „Schächrcrmonopol", sagt der „Liberalnl" und stellt die Behauptungen aus, daß die „Ehachami" (Schächter) durch eine Verslnchnug des Rabbiners Faiwele in Jassy gebunden seien, keine anderen Schächter zur Ausübung ihres „Gewerbes" in Jassy znznlassen. Darum seien die Flcischhacker genpthigt (V), angeblich den Schächtern die Summe von i;o,0O0 Francs jährlich als ungesetzliche Taxe zu zahlen und dadurch werde auch das christliche Fleisch verthcucrt, da auch dies das Schächtmcsscr passiren müsse." Natürlich ist an alledem kein Wort wahr und der „Libcralul" bezweckt damit nur, in der landesüblichen brutalen Form gegen d a s Schächte n zu agitiren, wie es im Auslande in etwas gebildeterer Weife,- nämlich unter billigen Vorwänden, die Thierschntzvercine besorgen. Der Schlußrefrain des „Libcralul" lautet denn auch aus in der Aufforderung an den Stadtmagistrat „gegen das „Monopol" der Schächter strenge und schleunige Maßregeln zu ergreifen, um es auszurolien." Um die neueste Hetze der erwähnten Regierungszeitung zu verstehen und auf ihren Werth würdigen zu können, sei bemerkt, daß die „Fleischtare" oder wie sie im unteren Rumänien heißt, die „Gabelle" das einzige Hilfsmittel ist zur Erhaltung der israelitischen Institutionen in unserem Lande. Direkte Stcuerbeiträge, mittelst welcher man die Ausgaben für Rabbiner, Schächter, Krankcnnnd Schnlhäuser, Lehrer, Wittwen, verschämte Arme u. s. w. bestreiten könnte, sind hier unbekannt und statt derselben ist seit undenklichen Zeiten ein Ausschlag von einigen Pfennigen ans das Kilo Fleisch in Hebung, welcher wohl geeignet, ist die direkten Beiträge zu ersetzen. Bis zum Jahre 1866/7 hat man sich auch dabei sehr wohl gesuhlt, allein damals entzog die Regierung sümmtlichcn israelitischen Angelegenheiten den ihnen bis dahin gewährten amtlichen Schutz und seitdem ist das israelitische Gcmciudeleben ein Spielball in den Händen der „Kazapen" d. h. der Engros- und der Detailsleischhacker. Denn während bis 1866 die „Taxe" von der israelitischen „Epitropie" (Gemeindeverwaltung) ans amtlicher Machtvollkommenheit eingehoben wurde, ist sie seitdem eine freiwillige Abgabe, die leider nur zu sehr von der Willkühr der „Häcker", sie zu erheben, gerade so abhängig ist, wie von der wechselnden Lust der Uebelwollendcn innerhalb der Gemeinden, sie zu geben. Es geschieht darum mehr als oft, das; die „Häcker" entweder sich zur Erhebung der Flcischtare gar nicht verstehen wollen oder die Tare an die jeweilige Verwaltung nicht ablicsern, obwohl sie das Fleisch zu erhöhtenr Preise verkaufen. Es geschieht ferner ebenso oft, daß einige Ehrgeizige oder niedrige „Geschäftemacher", — deren Bildung, wie die der Fleischhacker, aus so tiefem