Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 92 (25.11.1886)
- Date
- 1886-11-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1l> crfoliikv die gänzliche der hiesigen ^ubcii. VC u ft v a l i c h. Sydney. Herr Julian E. Salomons wurde zum Lbergerlchtsrath ernannt. Ter neue Richter, der der erste Israelit ist, der in einer englischen Kolonie eine so hohe richterliche Stellung einninnnl, ist in Liverpool geboren und 50 Jahre alt. Feuilleton. Wichaek. Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Achtzehntes Kapitel. "Im Laufe der letzten Jahre hatten sich die Verhältnisse in Bracks Hause, wenn auch äußerlich nicht erkennbar, doch eigcnthüiulich verändert. Michael Klein war jetzt ein dreiundzwanzigjähriger Mann von ungewöhnlicher (Kräfte, Stärke und Schönheit. Sara war zu einem Mädchen von wunderbarer Herrlichkeit emporgeblüht. Michael und Sara hatten einander — buchstäblich — so lange sie sich kannten, wie zwei zärtliche Geschwister geliebt, sie hätten sich gegenseitig die größten Opfer gebracht, Einer hätte für den Andern das Leben hingegcben. Nun waren Beide in jenes Alter getreten, wo sich zu dem Gefühle inniger gegenseitiger Anhänglichkeit jenes plötzlich in der Menschenbrust aufflanttnende, zugesellt, welches den Mann mir ' unwiderstehlicher, elementarer Gewalt zu dem Weibe reißt, an dem er nach dem Bibelworte hangen soll, um dessemvillen er Vater, Mutter, Geschwister verlassen soll; jenes übermächtige Gefühl, welches das Weib mit unzerreißbaren Banden an den Mann ihrer Wahl kettet, jener reinen und doch heißen, jener edlen und doch gluthvollcn Liebe, wie sie der größte aller Dichter, der weiseste aller Menschen, wie sie .König Salomo in wenigen, aber nnübcrtrefftichcn Worten geschildert: „Mächtiger als.der Tod ist die Liebe!" und „Auch die wildeste Wasscrsluth „Löscht nicht der Liebe Feuerglnth!" Brack hatte in geradezu beispielloser Weise seine Tochter förmlich mit Michael verlobt, als dieser ein kleiner Knabe, jene ein Kind war: seine 112 Hoffnung die Beiden einst vereinigt zu sehen, ward ln dem Momente vernichtet, wo er plötzlich ein erwerbsunfähiger Krüppel geworden und Michael gezwungen war, in sein Handlnngsgefchäft eiriprtrelen. Eine eheliche Verbindung zwischen Michael und Sara iväre nur dann denkbar gewesen, wenn es jenem gelang, etwa in einem fernen, fremden Lande, ivo mildere Gesetze für die Juden bestanden, sein Brod zu sinden und dann Sara als Hausfrau in seine neue Heimath zu holen. Aber abgesehen davon, daß cs unmöglich schien, daß ein Mensch, ganz besonders aber ein Jude sich ohne jed. cde Legitimation, anderwärts seßlmsr machen könne, konnten ja weder Michael und «sara den hilflosen Vater verlassen, noch konnte ihnen dieser in weite Fernen folgen. Brack betrachtete sich als ein Hindcrniß, das sich dem Glücke seiner Kinder entgegenftemmte, und das erfüllte die Seele des armen gequälten Mannes mit tiefer Bitterkeit. Die rührende Resignation, mit welcher Sara und Michael ihr Mißgeschick ertrugen, verstärkte noch feinen Schmerz. Glicht die lciscste Klage über ihr hartes, unverdientes Schicksal, sprach sich in ihren Mienen, noch weniger in ihren Worten ans. Im Gegcntheil, sie suchten Brack, so weil es in ihrer Macht stand, zn zerstreuen, zn erheitern. Auch in jeder andern Beziehung war ihr Benehmen ein musterhaftes. Tie beidcn nngewöhnlich schönen, von frühester Jugend für einander bestimmten Menschen, die enge nebeneinander lebten, hatten sich ihre ideale, sittliche Reinheit vollständig bewahrt, cs siel nicht das Allermindeste vor, was das 'Auge einer sorgsam wachenden Mutter zn scheuen gehabt hätte. Jeder der drei Menschen war — ohne dies dem andern mitznthcilen. in seinen Gedanken unaufhörlich damit beschäftigt, ein Mittel zn ersinnen, die Vereinigung der Liebenden zu ermöglichen. Einen Tag bevor das Tragonerregiment m W. cinrückeu sollte, war Michael Klein vom Brunner Markte heimgekommen, und am Abende beim Nachtmahle theilte er seinem Pflegevater und seiner Verlobten eine Neuigkeit mit, die in den Kreisen der zur Mene reisenden Juden großes und angenehmes Aussehen erregt harte. Dem reichen Vroßnixer Wolle- und Tuchhändler, Zacharias Wanesried, war es gelungen, /ur seinen zweiten Sohn Moses, im Wege der kaiserlichen Gnade die Ehcbcwillrgnng zn erlangen. Zacharias Wanesried harre nämlich seinen Sohn Mores zu seinem Eomvagnon gemacht efeiu erstgeborener batte sich als Leoerhändler ctablirt) und nachgewiesen, daß sich sein Handlungshaus dadurch große