Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-11-25 · Heft 92 (25.11.1886) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 92 (25.11.1886)
Date
1886-11-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449686--25390-2515223
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

i r»u:i- Verdienste um den Staat envorben, daß ca das Mitlur - Tuch für sämmtlichc böhmisch-Nlähristljeschlesische Iusallteriercgimenter um süunuidachzignmsend Gulden billiger und dabei schöner und dauerhafter als das frühere Eonsortinm geliefert hatte. Scheinbar ahne Zusammenhang mit dieser Äitlheilung hatte Michael wenige Minuten darauf aufmerksam gemacht, das; die Regierung jetzt, wo der Ausbruch des Krieges jeden Moment zu gewärtigen, eine Tuchliefcrung zur Bekleidung der deutschen Kavallerie') ausgeschrieben, und es dem Vater,— dem er stets die Leitung des Geschäftes überlchsen — zur Erwägung anheim gegeben, ob es für sie nicht augezeigt wäre, sich um diese Lieferung zu bewerben. Brack blickteverwundert auf. Das von Michael proponirte Geschäft überstieg bei Weitem die mäßigen Mittel, die ihnen zur Verfügung standen. Er erkannte sofort das letzte Ziel, das Michael zu erreichen stabte und erwiderte traurig: _ „Mein lieber Lohn, ein solches Geschäft können nur so reiche Leute wie Zacharias Wancfried und Sohn übernehmen. Hierzu ist ein so großes Kapital erforderlich, daß nufer unbedeutendes Vermögen demselben gegenüber verschwindend erscheint. Wir sind gewiß nicht in der Lage mit Zacharias Wancfried und Sohn zu concurriren." „Ich habe mich in Brünn eingehend und an der besten Quelle über diese Angelegenheit erkundigt," erwiderte Michael. „Ich bin dort am Markte einem alten Bekannten, Simon Pollak, der zur Zeit als ich in Nikolsburg war, dort den Schinr besuchte, begegnet. Er ist, wie ich, zum Handclsstande übergegangen und ist jetzt erster Buchhalter bei Zacharias Wancfticd und Sohn. Er beging keinen Verlraueusbruch, als er mir die in Proßnitz allgemein bekannte Thatsache mittheilte, sein Hans werde sich nicht mehr um eine ärarische Lieferung bewerben. Es hat bei der ersten nichts gewonnen und wie mir Simon Pollak versicherte, nichts zu gewinnen beabsichtigt und harte in der Thar sehr niedrige Preise gestellt. Seine Eoncurrenz haben wir nicht zu fürchten." „Selbst wenn wir auch eine andere Eoncurrenz nicht zu befürchten hätten, wären wir nickt in der Lage ein so großes, umfangreiches Geschäft zu 1) To wurden damals m Oesterreich die Küraniere. isbcvaurlegers und Dragoner :ur Gegensätze zu den Humren und Manen dezeicönel. weit die ersteren stch aus den dern'L-stavnchen Provinzen rckrnrirrcn. während die Husaren ungarische, die Mauen polnische Regimenrer waren. übernehme», ein solches erfordert ein namhaftes Kapital, das wir nicht besitzen. Ich will Dir ein* räumen, daß böhmische und mährische Fabrikanten, die uns gerne unseren mäßigen Bedarf an ihren Erzeugnissen borgen, wenn sie wissen, daß wir sichere und gesicherte Absatzquellen für ihre Artikel gefunden, auch große Quantitäten anvertranen würden, aber das allein genügt noch lange nicht. Ter Staat fordert eine Eantion von mindestens zehn Procent des Werthes der zu liefernden Waaren, diese allein übersteigt schon bei Weitem unser ganzes kleines Vermögen; ferner müßten wir den Fabrikanten, die ja wissen, daß wir gezwungen sind, ihren Ercdit in Anspruch zu nehmen, so hohe Preise zahlen, daß wir nicht billig liefern und trotzdem unsere Rechnung nicht dabei finden könnten. Man muß, um bei diesem Geschäfte günstige Resultate zu erzielen, mit baarem Gelde einkaufen, um zur billigsten Quelle zu gelangen. Auch müßten wir uns den Fabrikanten gegenüber zu festen Zahlungsterminen verpflichten, die wir nicht immer einhalren könnten. Der Staat ist ein sicherer, aber ein sehr anspruchsvoller Kunde. Man kann von demselben keine fixe Uebernahmsfristen erlangen; die er selbst nach seinen Bedürfnissen, oft auch nur nach der Bequemlichkeit der betreffenden Monturskommission, ganz ohne Rücksicht auf den Lieferanten bestimmt. Bei einer ärarischen Lieferung ist es nicht wie bei einem andern Geschäfte, wo Käufer und Verkäufer gleichberechtigt erscheinen; da muß man sich dem unberechenbaren und unbezwingbaren Willen Anderer blindlings unterwerfen. Wir könnten, fast inöchte ich sagen, wir müßten in Zahlungsverlcgenhciten gcrathcn, wir würden unser» ehrlichen Namen verlieren. Zu dem Geschäfte genügt auch ein unumschränkter Waarcn-Eredit nicht, dieses erfordert ein großes Kapital, das erst nach vollständiger langwieriger Abwicklung zurückgezahlt werden kann." „Ich war derselben Ansicht, noch bevor Du sie ausgesprochen," erwiderte Michael. „Ich habe eben unter Deiner Leitung eine gute Schule gehabt. Ich wagte Dir's nicht eher zu sagen, allein jetzt da ich zu erkennen glaube, daß Tu unter günstigen Umständeu nicht abgeneigt wärst, das große Geschäft zu übernehmen, will ich Dir's gestehen. Ich habe in Brünn mit drei reichen Männern, Red Koppel Bärmaun aus Nausnitz. Rcb Susman Tauber ans Holleschau, und Reb Resoel Kohn aus Kremsier gesprochen. Diese Männer kennen Dich persönlich, sind von Deiner Niedlichkeit und kaufmännischen Umsicht überzeugt, und sind bereit, mit Dir einen Gescllschaftsverirag über das Liefcrungsgeschäsr abzuschließen. Sie stellen Dir das nöthige Kapital

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.