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Der Israelit · 1886-11-25 · Heft 92 (25.11.1886) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 92 (25.11.1886)
Date
1886-11-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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591 Oesterr. - Ungar. Monarchie. Triest, 1-1. November. Heute endlich wurde das hundertjährige Gründungsfest unserer Talmud- Thoraschule, das eigentlich schon am 2.1. September hätte begangen werden sollen, damals aber, der Eholera halber vertagt werden mußte, unter lebhafter Betheiligung unserer Gemeiudemitgliedcr gefeiert und nahmen au demselben auch Stanbaltcreirath Ritter v. Rinaldiui, dann unser verehrter Bürgermeister Dr. Dazzoni und zahlreiche andere Honoratioren des Staates und der Stadt, des .Hausmanns- und des Lchrstaudcs, Theil. Oberrabbincr Melli hielt dabei die Festrede, in der er daraus hinwics, welche ehrenvolle Stellung die Juden Triests schon vor hundert Jahren unter der glorreichen Regierung der Kaiserin Maria Theresia und ihres toleranten Sohnes, Josef'» II. cingeuommcu haben, wodurch cs ihnen möglich wurde, eine Lehranstalt zu gründen, die dieser Gemeinde stets zum Ruhme gereichte und ihr auch großen Nutzen brachte und die noch heute besteht. Hieraus trat unser Rosch-Hakahal, Eav. Salem, hervor und enthüllte die auf die Tagesseier bezügliche Gedenktafel, welche man vor einigen Tagen in die Wand des Schulgebäudes eingesetzt hatte. Es wurde dann die österreichische Natioal-Hymue abgesuugeu, worauf unser verehrter Oderrabbiner vor geöffneter Buudcslade ein warmempfnndenes Gebet für unfern glorreich regierenden Kaiser Franz Josef I., fein Hans und seine Regierung sprach. Es dürfte nun hier am Platze sein, zugleich einige Taten über die Geschichte der Triestcr Judcngemeinde anzufüyren. Unsere beiden schon verewigten Sladthistoriker, Scupa und Kandier, nehmen allgcnicin au, das; schon 65 vor der allgemeinen Zeitrechnung Juden in Triest gelebt haben, die von den Römern als Sklaven hicher sind gebracht worden. Juden, da cs von den Aposteln bekannt ist, das; sie am allerliebsten dorthin das Evangelium predigen gingen, wo schon Judengcmeindcn bestanden, so muß in Agnileja, denen Ruinen nur einige Stunden von lu'er entfernt liegen, das unter den späiern römischen Kaisern als zweite Stadr des römischen Reiches betrachtet wurde und wo Marens, der Schüler des Stifters der christlichen Religion die Lehren seines Meisters verkündet hat, schon nm die Zeit der Zerstörung des zweiten Tempels eine ansehnliche Judcngemeinde bestanden haben,deren Mitglieder oft auch nach Triest kamen, das schon unter den Römern eine beträchtliche Seestadt war. Tie erste verläßliche Nachricht über das Vorhandensein einer jüdischen Gemeinde hier findet sich jedoch erst im Jahre l2:io vor, beim * ein noch vorhandener Grabstein aus diesem Jahre spricht von einem „David ilidmuMis du liorizio.“ Ans dem Jahre DtfO findet sich ein (Grabstein vor, auf dem schon von einem hiesigen Rabbiner ebenso auch von einem jüdischen Arzte hier die Rede ist. Das im Jahre i:i5() entworfene Gememdestatut von Trieft erwähnt schon lobend der hiesigen Juden und das aus dem Jahre 12.95 stammende Gemeindestatut erwähnt schon einiger Vorrechte der Juden, aber auch nicht einer einzigen Einschränkung derselben, ja nicht einmal in Betreff des Eides. Ter Gerichtsschwur der Triesrer Inden bestand überhaupt damals nur darin, daß sie ihre Rechte auf die Feder des Gcrichtsschreibers legten. Damals wohnten die Juden hier fast ausschließlich in der Riborgogasse, ans der unser späteres Ghetto hervorgegangcn ist, nur einer derselben, der der Bankier der Stadt war, wohnte auf dem Hauptplatze. Tie Umgangssprachen der Juden hier waren damals das Lateinische und das Italienische, welche beide Sprachen sie mit hebräischen Lettern schrieben. 1468 wurden die Juden hier verdächtigt, an einem Aufstande der Bevölkerung gegen das Municivium theilgenommen zu haben und mußten sie als Strafe dafür von nun an ein schwarztuchenes O auf ihren Kleidern tragen. Gegen das Jahr 1500 erhielten sie die Erlaubniß, sich hier eine Synagoge zu erbauen, von der indeß heute nur noch geringe Spuren vorhanden sind. Sie leisteten später Kaiser Friedrich III. ebenso auch seinen Nagfolger» Maximilian l. Earl V. und Ferdinand I. nicht unwesentliche Dienste und erhielten sie dafür von allen diesen Kaisern ihre Privilegien bestätigt. 1558 sollten hier zwei Juden, David und Leon, eines unbekannten Verbrechens halber verhaftet und deren Häuser seguestrirt werden. Die Stadt leistete jedoch Bürgschaft für sie mib so ließ man sie wieder frei. 1592 wollte der Herzog von Steiermark, unter dem damals Triest stand, die Rechte der hiesigen Juden einschränken , die Stadt protefrirte jedoch dagegen und schickte sogar einen Juden, Aron Parente, als ihren Anwalt an den herzoglichen Hof nach Graz. Kaiser Ferdinand II. bestätigte mit Diplomen von 1624 und 1660 die Rechte der hiesigen Inden, was auch dessen Sohn, Kaiser Ferdinand III. mir Diplom von 1647 that. Kaiser Leopold I. wies jedoch die Juden in das Ghetto, in dem sie bis zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia bleiben mußten. 1548 fand , hier die erste Zählung der Juden statt und lebten deren damals hier 221, heme dagegen schon über 5000, von denen die meisten eine geachtete Stellung in der Handclswclt einnehmen. Ümer Napoleon 1.

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