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Der Israelit · 1886-11-25 · Heft 92 (25.11.1886) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 92 (25.11.1886)
Date
1886-11-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1500 noch so umudN* hiesige Gemeinde-Mitglied „rechtzeitig" mif>Hfliucn. Einiges doch allzu Bume und wirklich louttl Gehörte möchien wir jedoch heute schon kurz cmuiliucu. Mit tvelchen rressenden, unzweidentigen Ausdrücken gebührte das Auftreten dieses Mannes gekennzeichnet zu werden, als er vor drei Jahren am Neujahrsfeste, nachdem erst einige Schofar-Töne geblasen worden waren, dem sein Amt zur allgemeinsten Zufriedenheit schon eine lange Reihe von Jahren versehenden pp-n^'2 infolge eines vorgckommenen unbedeutenden Zwischenfalles plötzlich in kaum erhörter und fast unglaublicher Weise, inmitten des Schofarblaseps, dessen Fortsetzung zu untersagen sich nicht — scheute und in Folge dessen, trotz der erregtesten Proteste des yp*n 7>'2, um seiner Meinung über eine s olchc Handlungsweise kräftigen Ausdruck zu geben — die jüdische Gemeinde Speyer das ganze Neujahrsfest über keinen weiteren Schofar- Ton zu hören bekamt Würde Jemand vor einem halben Jahrhundert seiner Meinung dahin Ausdruck zu geben sich angemaßt haben, das; nach Verlauf von kaum fünf Jahrzehnten es leider bereits hier schon soweit gekommen wäre, daß man eine so unendlich heilige göttliche Vorschrift, wie die des Schofar-Blasens am Neujahrsfeste, auch schon nicht mehr heilig zu halten sich nicht — gelinde ausgedrückt — scheuen würde — für's Tollhans wäre er reif erklärt worden. Desgleichen, wen» Icniand damals zu behaupten gewagt hätte, daß nur nahezu fünf Jahrzehnte später ein junger Mann, der sich ans außerordentlich zu entschuldigenden Gründen keinen Syuagogen-Platz gemiethet, am 5k 0l - N i d r e - A b c n d aus dem Gotteshause, gleichsam zum Hohne der an dessen Giugangs - Tbüre prangenden Worte: „Bethaus für alle Völker," — aus gewiesen würde. Diese wenigen Auseinandersetzungen beweisen schon genügsam auf die grellste Art,' wie es ungefähr hier zugeht und wie sehr wir im Rechte, wenn wir mit allen Kräften und Mitteln, um eine Spaltung der Gemeinde zu verhüten, darnach streben, das; demnächst eine nur einigermaßen noch religiöse Persönlichkeit an die Spitze der hiesigen jüdischen Gemeinde-Vertretung kömmt, die keineswegs den Heldenmut!) besitzt, zu befehlen, sich zu — getrauen , das; Jahrtausende hindurch in hiesiger Gemeinde hoch und heilig gehaltene Rcligions - Bor-- schrifren nicht mehr beobachtet werden — dürfen! Aus Lachsen Weimar. Worte der Doleranz, wenn sie ans dem Munde hochsicbender Personen ’S kommen und gesprochen worden sind zur Beachtung für weitere Preise, verdienen immer von jüdischer Seile verzeichnet zu werden. Darum möge Folgendes in beu Spalten der „Israelit" eine Stelle finden. Prinzessin (Elisabeth von Sachsen-Weimar, die jüngste Tochter des Grtßherzogs, welche sich am«, d. M. in'Weimar mit dem Herzog Johann ALbreän von Mecklenburg-Schwerin vermählt, ausgezeichnet durch iS»tUc, Leutseligkeit und hohe Bildung, wurde in allen Bolkskreisen des Wcimarischen Landes geliebt und verehrt. Es zeigte sich dies in außergewöhnlicher Weise anläßlich ihrer Vermählung. Die Stadt Eisenach verleiht einer zu erbauenden protestantischen Schule den Namen der Prinzessin. In der Urkunde, durch welche die Prinzessin ihre Einwilligung hiezu ertheilt, spricht sie die Hoffnung ans, daß in dieser Schule die Jugend im. evangelischen Geiste auf das Eine, was noch rhue, hingeleiret werde. 'An: 10. d. fand unter Betbcllignng der Prinzessin die feierliche Grundsteinlegung starr. Rach Beendigung der Feier, welche uoÄ als ein Festakt der Sradt zur Vermählung gelten sollte, sprach die hohe Frau zum Oberbürgermeister Herrn Dr. Eucken — jedenfalls zur Erläuterung jener Worte in der Urkunde —: Ich vertraue, bar» Sie diese Schule im evangelische Geiste leiten werden. das heißt, mit Doleranz gegenAndersgläubige und mit Strenge gegen uns selb st. An demselben Tage, cs war der Tag, an welchem die Prinzessin au der Seite ihres herzoglichen Gemahls ihr Heimarhland verlassen, richtete sie an Herrn LandrabbinerDr.Salzerfür die von demselben dargebrachtcn Glückwünsche ein herzliches Dankschreiben, das gleichfalls von dem freundlichen und humanen Sinne der hohen Frau Zeugmß ableat. Wir glauben, auch dieses Schreiben hier veröffentlichen zn dürfen. Es lautet: Eisenach, 10. November 1586. An den Großherzoglichcn Landrabbiner Herrn Dr. Salzer. Ihre so freundlichen Glückwünsche zu Meine'.'.: Hochzeitstage baden mich wahrhaft erfreut, und danke ich Ihnen zugleich auch im Namen des Herzogs auf das Herzlichste für dieselben. Ich' bitte Sie. mich und den Herzog auch fernerhin anr unsrem Lebenswege mir Ihren Gebaren zu begleiten. Eli fader h, Herzogin von Mecklenburg. Prinzeß von Sachsen - Weimar-

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