Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 91 (22.11.1886)
- Date
- 1886-11-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1578 ab. ätteim ein ariderer eine Anekdote oder ein Bonmot Zinn Vesten gab, brach die qan.',e Tafelrunde tu ein stürmisches Gelächter aus, wenn aber Lorenz Horueck, die besten 'Witze, die schlüpfrigsten Anektoden, die sonst besonders ansprachen, .nun Besten gab, wurden sie vom ganzen Kreise mit lautlosem, unheimlichen Schweigen ausgenommen. — Er erfuhr nicht die geringste, nachweisbare, positive Beleidigung, aber eine endlose Reihe negativer, er wurde von tausend unsichtbaren Radeln gestochen. Er fühlte sich durch seine schiefe Stellung um so bedrückter, als er sich seinen Verdruß nicht vom Herzen sprechen konnte. Am allerwenigsten mochte er aus begreiflicher Scham seine Zurücksetzung seinem Oheim mittheilen und in seinen lügenstrotzeudeu Briefen an diesem, wußte er nicht genug von den Liebenswürdigkeiten, mit welchen er von seinen Waffengefährten überhäuft wurde, zn erzählen. Auch seinen! Vater hatte er lange Zeit ans seiner mißlichen Situation ein tiefes Geheimniß gemacht. Sein Hochmnth und seine Niedertracht, hatten ihn auch seinen eigenen Eltern entfremdet. In seinem verblendeten Egoismus hatte Lorenz vergessen, daß er seine Standeserhöhung und. Stellung nur seinem Vater zu danken habe. Er hatte sich rasch in den Gedanken hlnci'ngelcbt, als Baron ein Wesen höherer Gattung zu sein, seinem Vater weit voranzustehen, und war frech genug dieser Anschauung Ausdruck zu verleihen. Das mußte Golzinger trotz seiner Affenliebe doch im hohen Grade erbittern, und es war zwischen Vater und Sohn eine Spannung eingetreten. Allein, das hatte diesen endlich, als seine Lage eine zu peinliche geworden, doch nicht verhindert, dies seinem Vater zn gestehen und ihn dringend zu bitten. Alles aufznbietcn, daß er zum Lieutenant avancire und hierbei in ein anderes Kavallerieregiment übersetzt werde. Ein schwaches r. Elternherz läßt sich auch von den Wünschen eines nngeratheuen Sohnes bestimmen. Als Golzingcr und seine Frau den von Jeremiaden überströrrmlden Brief ihres Sohnes erhielten, war ihr gerechter Groll gegen diesen verschwunden, sie zerflossen in Mitleid, und wollten Alles daran setzen, den Wunsch ihres einzigen Kindes zn befriedigen. Geld und Protektion waren von jeher mächtige Faktoren und diese war durch jenes zu erlangen. Lorenz hatte seinen Vater gebeten , dem Onkel Horncck nichts von der gerlugschätzcudcn Behandlung, die er im Negimente erfahre, mitzutheilen. Golzinger war ein kluger, energischer, zäher Mann. Er fuhr nach Wien und besprach die Angelegenheit mit seinem Schwager. Er wollte zwar auch dessen Einfluß in dieser Angelegenheit benützen, aber hauptsächlich war cs ihm darum zu thun, sich von Horneck die Persönlichkeiten angeben zu lassen, welche ki den Offiziersbesorderungen entscheidend waren. Golzinger stellte sich diesen vor, bot alle seine Ueberredungskunst auf, und unterstützte diese da, wo es möglich und angänglich war, durch große Geldgeschenke und empfing dafür Versprechungen, die aber längere Zeit unerfüllt blieben. Schon fürchtete er die große Blühe und die Kosten vergeblich aufgwendet zu haben; als er plötzlich von Lorenz die Glücksborschaft empfing, er sei zum Lieutenant avancirt, und was ihm fast noch lieber sei, zu einem Dra- . gonerregimente übersetzt worden. Dieses würde ' nach Mähren marschiren und in einigen Dagen in W. eintrcffen. Golzinger und seine Frau waren vor Entzücken außer sich, sie hatten Lorenz schon einige Jahre nicht gesehen und konnten es vor Sehnsucht und Eitelkeit nicht erwarten, ihren geliebten Sohn in der schmucken Uniform eines DragonerUenrenanLs in W. einreiten zu sehen. (Fortsetzung folgt.) * »Ter ISraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgang? für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt gan-- jährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellunaen an. — Durch ürn Duchhanstrt j» btjttijtn bei <£. 5. Strinndter. Leipzig . Zloßplah Iß. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut EourS. — Directe Francozufendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 ft. östrrr.. für» Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitende Artikel: Iiichak. — Roch einmal Rosstgs Materialen;Nr Statistik des jüdischen : Stammes. — Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzen: Deutschland: Seligenstadt, Ltümelsau. Aus dem Hohenlohischen. Frankv furt a. M. Aus Westpreußen. Bonn. — Frankreich: Parts. Reims. — Rußland: Petersburg. — Feuilleton: Michael. — » Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrefvondenzen: Deutschland: Sulzburg. — Oefterr-Nng. Monarchie: i Wien. — England: London. Portsea. — Rußland: Wilna. — Persien: Teheran. — I Verantwortliche Redaktion: Br. Lehmann in Matn^. — Expedition große Bleiche Rr. 4L. f Truck und Verlag von OScar Lehmann inMainz. (Hierzu eine Beilage.) r t