Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 91 (22.11.1886)
- Date
- 1886-11-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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schüft übertragen werde; — und so war Lorenz M,;iiiflcr Plötzlich ein reicher Erbe und österreichischer Freiherr geivorden. Baron Horncck, der sich schon ans Ehrgeiz in der That lebhaft für seinen Adoptivsohn imeressirte, liest Lorenz, als er achtzehn Jahr, geworden, als Kadct in das Uhlanenregiment, dem er einst selbst angehört hatte, mtö dessen Offiziere sich ans den ersten und ältesten Adelsgeschlechtern des grasten Kaisersiaates rcerntirtcn, eintrcten. — Trotzdem der Major seinem Neffen den Dienst eingehend und ausführlich geschildert — seit Jahren hatten sich ihre Gespräche fast ausschlicßend mit diesem Thema beschäftigt — fand sich dieser, doch in allen Richtungen enttäuscht. Baron Horneck-Golzinger, wie er jetzt genannt wurde, war ein Mensch/ der ohne jede Berechtigung hierzu, die höchsten Ansprüche an das Leben stellte, und je mehr er unverdient erreicht hatte, desto höher seine weitere Forderungen spannte. (5t hatte bisher nie etwas gelernt, nichts gethan, nichts gewirkt und war doch vom Glücke tu außerordentlichster Weise begünstigt worden. Schon, das; er einen so schlauen und energischen Vater besäst, hätte er bei richtiger Auffüllung der Sachlage als ein hohes Glück betrachten müssen; aber trotzdem auch Lorenz ein kluger Mensch war, war er doch von den Erfolgen, die er ohne jede Anstrengung erlangt hatte, so verblendet, daß er diese nur als ein Resultat seiner eigenen Genialität betrachtete, lieber nichts auf Erden kann sich ein Mensch leichter täuschen als über sich selbst. Lorenz glaubte für den Soldatenftand große Talente zu besitzen, und es schmerzte ihn doppelt diese nicht anerkannt zu sehen. — Die Tisciplin in der österreichischen Armee war stets eine musterhafte:, und jeder Rekrut ohne Ausnahme mußte das Excercircn gründlich erlernen. — Lorenz war schon als junger Bursche ein sogenannter Naturreiter gewesen, hatte, nachdem sein Oheim vom Podogra genesen und ein Pferd besteigen konnte, von diesem auch regelrechten Unterricht irn Reiten erhalten, und hatte gehofft, von diesem nun befreit zu sein, rasch die Unteross:- .ziersgrade dnrchzmnachcn, schon in kurzer Zeit zum Fähnrich zu avanciren, hierdurch in den Kreis der hochadeligeu Offiziere zu treten, in diesem ein prächtiges, -lustiges Leben zu führen. Zu seiner unangenehmsten Überraschung sah er sich in allen seinen Erwartungen bitter entränschr. Er mußte, wie alle anderen Rekruten, Renen, Fechten, Schießen, Excercircn lernen, und da er sich gegen die ihnl Vorgesetzten Unteroffiziere hochmürhig benabm, sich der strengen Subordination nicht fügen wollte, harte er viele Unannehmlichkeiten, zuweilen sogar Strafen zu erleiden, und er fand, daß er eigentlich ein höchst langweiliges, unangenehmes Leben führe. Er hätte.jetzt sehr gerne der militärischen Laufbahn entsagt, und sich am liebsten dein ihm am meisten zusagenden Stande des reichen Müssiggängers zngclvcndet, aber das war jetzt absolut unmöglich. Es war daher nicht zu verwundern, daß er erst nach vier ein halb Jahren, — unter seinen Verhältnissen und für seine Ungeduld eine sehr lange Zeit — znm Wachtmeister avancirte. Als Unterossicier zeichnete er sich nur durch eine rohe, unmenschliche Behandlung der Mannschaft ans, was ihm ebenso strenge Rügen seitens seines Vorgesetzten zuzog, als den Haß seiner Untergebenen herausforderte. Der Zug, den er einzucxcercircn hatte, kam trotz der zahllosen Püffe und Hiebe mit der flachen Säbelklinge, die er den Rekruten in verschwenderischster Weise und vorzüglichster Qualität spendete, nicht vorwärts; und so gelangte er, gegen sein Erwarten, erst nach sechsjähriger Dienstzeit, und nur in Folge der großen Anstrengungen seines Qnkels dazu, zum Fähnrich zu avanciren. Nun hoffte Lorenz endlich sein Leben voll zu genießen, aber auch jetzt gingen seine Wünsche nicht in Erfüllung. Gerade die Offiziere dieses Regimentes, gehörten ausschließlich den ältesten und vornehmsten Aamilien des Staates an, und schon ihre Väter Mlnd Vorfahren halten in demselben ihre militärische Laufbahn begonnen. Sie betrachteten, wie sie sich scherzhaft ausdrückren, ihre Osfizierspatente als einen erblichen, sideicommiffarischen Besitz, in der That aber ernstlich, jeden Andern, der als Offizier znm Regimcnte kam, als einen Eindringling. Um so weniger mochten sie sich entschließen, Lorenz als einen der ihrigen zu betrachten. Sie wollten nicht einmal seinen Adel gelten lassen. In ihren Augen war er noch immer der „bürgerliche Patron," der nur „die Kniffe seines plebejischen Vaters" in die Adelskreise „geschmuggelt" worden war. Uebcrdies war ihnen Lorenz, der je ablehnender man sich gegen ihn verhielt, desto zudringlicher wurde, auch persönlich antipathisch. Man konnte und wollte ihm nicht verbieten, die Lokale zu besuchen, in welchem sich die Ossiziere des Regimentes zu versammeln pflegten: wenn er sich im Eafö oder im Gasthaufe an den Ossiziersrisch setzte, wies man ihn nicht weg; jeder Offizier, den.er ansprach, antwortete ihm, ja sogar überaus höflich, aber Lorenz hatte etwas weniger Höflichkeit aus dem Grunde vorgezogen; weil dies kameradschaftlicher gewesen wäre. Er war nicht im Stande, mir den Offizieren ein Längeres Gespräch sonzuspinnen, cs riß sofort