Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 91 (22.11.1886)
- Date
- 1886-11-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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15 Vollständig überraschen mufi es. uu'im der Vers, behauptet, das; die Inden wohl viel Bewunderung und-Anhänglichkeit für die deutsche Kultur, „aber wenig Sympathien für das deutsche Volk" besäneu. Hiermit begibt sich der Vers, auf den sehr schlüpfrigen Bvdeu der Gedankenlese, denn Handlungen der Juden aufzuweisen, die auf den Manges tum Sympathie für das „deutsche Volk" schlichen liehen, würde dem Verfasser sehr schwer fallen. Ueberhaupt nehmen sich derartige (>haraktcrzcichnuugen eines Volksstammes, die nicht durch statistisches Material begründet werden und auch nicht zu begründen sind, höchst eigenthümlkch aus. Wiffciffchafllichcn Werth haben sie gar nicht, sie können höchstens dazu dienen, falschen Vorstellungen Nahrung zu geben und einer gewisten Sorte von Verleumdern ihr trauriges Geschäft erleichtern helfen, die an der Hand dieses Luches dann behaupten: „Dies und dies lehrt die Statistik" weil es in einem der Statistik dienenden Buche steht, wenn es auch nur eine aus der Luft gegriffene Behauptung ohne statistische Unterlage ist. Das oft und mit Zahlen widerlegte Märchen, daß die Juden fast die Alleinherrschaft in der Presse hätten, hatte der Verf. nicht wieder von neuem auftischeu sollen, wenn er auch im Stande ist. Schäsfle für seine Behauptung als Gewährsmann anzuführen. Giirzeliie sonstige Nngenauigkeiten übergehen wir; es kam uns ja nicht darauf an, splitterrichtlich an der sonst verdienstlichen Arbeit zu mäkeln, sondern Urtheilen eutgcgeuzutreteu, die grundfalsch sind, aber durch ihre Umgebung, in der sie sich befinden, den Schein erwecken könnten, als bauten sie sich auf dem gediegenen Fundamente wissenschaftlicher Forschung aus. Zcitnugsnachrichten und Correspondenzcn. Den t s ch l a n d. Seligenstadt, 16. Nov. In unserer Nachbargemeinde Klein-Krotzenburg entstanden vor etwa 3 Wochen' zwischen zwei dortigen Israeliten nach Schluß des Synagogen-Gottesdiennes einige, unbedeutende Neckereien. Die 70jährige Mutter des einen Bcrhciligten, die an derartigen Spässen keinen Gefallen finden konnte, wollte zum Abbrechcu der Tiscussion mahnen, wurde aber von ihrem ebenfalls herzugckommenen älteren Sohne davon abgehalicn, indem sie dieser bei Seite zu schieben versuchte. Tie alte Wirtwe gerieft) dabei zu Fall, wurde besinnungslos vom Platze getragen und starb am lev- 7 t tou Montage, ohne daß man indess.a t-.'e Todesursache in jenem Sturze uenimtlu’te. Der mt den Neckerei» betheiligte Sohn erhob jedoch von dem Vorsalle Anzeige beim hiesigen Amtsgerichte, woraus dieses durch die Bürgermeisterei die ans Mittwoch anberaumte Beerdigung untersagte und damit die Untersuchung gegen den Bruder des Denunzianten einleitete. Die durch den Kreisarzt ans Offenbach in Anwesenheit des Staatsanwaltes aus Tarmstadt vollzogene Secirnng des Leichnams hat nunmehr einen durch den Fall veranlaßten Rippcnbrnch als Todesursache constatirt und dadurch den friedliebenden Sohn der Verstorbenen in eine äußerst prekäre Situation versetzt. Das Weitere wird die gerichtliche Untersuchung ergeben. Kiiuzelsau. (Württemberg.) Am vergangenen rreic 7w o"n"n nrir lieh ein hiesiger Handelsmann seine Pferde feinem Nachbar. Kaum 10 Minuten von der Stadt entfernt, hörte das edle Pferd zu schnaufen auf und verendete. Die jüdischen College» des Herleihers, welche schon manchmal Aehnliches verübt, haben sich vorgenommerr, nie mehr eine nenz am nssr 2'"i außer ihren nrjn zu geben, was, wenn es sich bewährt, sehr zu loben wäre. Ans dem Hohenlohischen. In O ehr in gen war am jüngsten 2"' ein dortiger Kaufmann nTDn, welcher 2'"i n2V K'Drrsü ist, da derselbe sein Geschäft offen hat. Trotzdem, daß der dortige Lehrer und Vorsänger dagegen war, und sogar eine Anfrage an das betreffende Bezirks-Rabbinat Hcilbronn machte, welches erklärte, daß man um diesem rtt'Dn nicht fei, ließ verselbe doch seine holde Stimme hören, weil es der Vorstand für angemeffen hielt. — Frankfurt a. M. Zu den ältesten wohlthätigen israelitischen Stiftungen hiesiger Stadt zählt der Verein zur Unterstützung unbemittelter israelitischer Wöchnerinnen und zur Uebernahme von Gevatterschaften. Nach einem mehr als hundertjährigem Bestehen wurde derselbe km Jahre 1835 durch den sel. Herrn Israel Wallach reorganinrt. wobei zugleich die Statuten des Vereins entsprechend^ erneuert wurden. Seit jener Zeit leitete der sel. Herr Benjamin Niederhofheim denselben bis an sein Ende während fünfzigjähriger unerniüdlicher Hingebung. Im Laufe der Zeit hat cs sich in mehrfacher Beziehung als unabweisbares Bedürfnis; heransgestellt, die seitherigen Staturen einer Revision zu unterziehen. Tie noch unter Mitwirkung des fcl> X 1