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Der Israelit · 1886-11-22 · Heft 91 (22.11.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 91 (22.11.1886)
Date
1886-11-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ir»7;i tueiftmacn nicht nnterdnickeu zu folfni mib iiluTfcnbe den Artikel ganz so, wie er ursprünglich geschrieben war, in der Hossnnng, daß die Red. denseldeu anfnchrnen wird, wenn es auch sonst nicht üblich ist, einem Buche zwei Besprechungen zu widme«. * * _* Die in der ttcberschrkfl genannte Broschüre, verdient die Aufmerksamkeit des Publikums. Wie schon der Titel sagt, will der Berf. keine eigentliche Statistik uns bieten, Materialien will er liefern, welche dem Statistiker bei seinen Forschungen und Arbeiten als willkommenes Hilfsmittel dienen können, die aber auch, weil ste nicht zu sehr in das Einzelne gehen, auch dem Laien einen oricntirendcn Ueberblick über die Statistik der Juden gestatten. Mit vielen Folgerungen und Schläuen aus den Zahlen ist das Buch nicht überlastet, wie auch nicht mit Gründen, die sich für das statistische Resultat mancher Vcrhältnipe angeben ließen: doch versäumt cs der Berf. nicht, auf Einzelnes hinznweiscn, wo die Gelegenheit cs einem Forscher, der sich nicht allein damit begnügt, objektiv sondern auch menschlich sein zu wollen, nahe legt, offenbares Dorurthcil und unzweifelhafte Verleumdung zu widerlegen. Daher kommt cs, daß bei den sich wiederholenden Erscheinungen der günstigeren Slerblichkeits- und Geburrsverhältnisse der Inden in den verschiedensten Ländern mit Ausnahme von Galizien und Bukowina auf die Nüchternheit und Keuschheit der Inden hingewicseu, daß.die geringere Prozentzahl der Inden auf den Berbrechertabellen ins rechte Licht gerückt und der Bildungstrieb derselben hervorgehobcn wird. Zeigt sich so der gerechte Sinn des Berf. in seinen llrrhcilen, so ist cs sicher anch'nrcht Voreingenommenheit oder gar Gehässigkeit, sondern subjektiv ernste llebcrzcugung, wenn der Berf. Manches behauptet, was an Acußerungcn jndenfeindlichcr Sozialpolitik anklingt. Darum ist cs aber gerade nölhig, diese Punkte hervorzuhcben, weil bei einem Berf. wie dem des vorliegenden Buches die Kritik dieser Anstauungen nicht auf vorurthcilsvollen ungünstigen Boden fallen wird. Bekanntlich stellen die Juden nur einen sehr kleinen Bruchrheil zum Berbrcchercontingcnte, und { selbst die bei ihnen häufigeren, nichtcriminellen Veri gehen erreichen noch nicht die procentnale Höbe der- 1 selben bei andern Eonressionen. Dieses günstige j Zcugniß für die Moralität der Inden begleitet der j Berf. mit folgender Bemerkung: j „Wir bemerken jedoch, daß diese nach Außen f hin ersichtlichen Kennzeichen des Moralitätzustaudes j von nicht ganz analogen Erscheinungen nach Innen hin begleitet werden; so wird z. B. ln Handelssachen. insbesondere wegen absichtlichen Bankerous Bernrtheilter bei Juden manchmal ebenso wenig als moralisch kompromiltirt betrachtet, wie sonst ein politischer Verbrecher." Ja, „manchmal!"'hier spricht der Berf. ein llrtheil ans, das allgemeine Geltung haben sollte und dann durch das „manchmal" wieder eingeschränkt wird. Der Leser wird das Allgemeine herauslesen, während der Berf. sich salvirt bat, der Makel aber bleibt hangen. Der absichtliche Bankerott wird „manchmal" wohl überall Kreise finden, christliche und jüdische, in denen er keine Erregung oder sittliche Entrüstung hervorruft, sowie es Kreise gibt, in denen ein gut gezielter Dolchstich als ein prächtiges Kunststück bewundert und gnlgeheißen wird. Lassen wir aber das zweifelhafte und doppelsinnige „Manchmal" weg, so ist das Urtheil des Lerf. durchaus unrichtig. Der absichtliche Bankerott wird von den Inden nicht minder scharf vcrnrtheilt als von den Ehristcn, ja vielleicht noch schärfer, denn die unsittliche Handlung, die bei beiden die gleiche Entrüstung hervorruft, wird in den Augen der Juden noch vcrabschcnungswnrdiger, als man wohl weiß, das; für sie die Schlechtigkeit des Einzelnen zum Vorwurf der Gesammthcit wird. .___ Gleicherweise begreifen. wir nicht folgende Eharakterzeichmmg: „Der deutsche Jude n>cift als cigenthümliche Züge großen Fleiß, aber wenig Originalität, Ausdauer, Selbstgefühl, oft Arroganz auf; ist nach außen hin barmherzig, besitzt aber wenig Herzensgute." Wir verlangen nicht, daß man den Inden als makellosen Tngeudipiegel zeichne, beanspruchen auch nicht eine unfehlbare und über alle erhabene geistige lleberlegcnhcit und nehmen es niemanden übel, wenn er uns unsere Fehler nennt: darum wollen wir nicht darüber streiten, ob der Jude viel oder wenig Originalität besitze, wenn auch ein so allgemein ausgesprochenes Unheil, das von all den Verhältnissen, in denen Originalität sich zeigen kann, absieht, immerhin befremden mm;; wir, geben ferner dem Berf. den Vorwurf der zuweilen anftrctcndcu Arroganz,zu, die Inden sind eben auch Menschen: welche Anhaltspunkte der Vers, aber hat, daß er den Juden wenig Herzensgute zuschreibt, das.können wir beim besten Willen nicht errathen. Sollte vielleicht der geringe Grad von Herzensgute darin zu finden sein, daß wo und wann ein Aufruf an das milde Herz der Menschen ergeht, die, Juden an Zahl und Zahlen nicht den kleinster!' Theil der Spendenden ausmachen, gleichgilrig, ob cs gilt Juden oder Ehriften zu helfend

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