Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 90 (18.11.1886)
- Date
- 1886-11-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Würde (!) und feierliche Weihe (!) nach Möglichkeit verschaffen (!!? V) sollen, gewisi auf's Angenelnuste überrascht werden wollen. besten'. - Ungar. Monarchie.. ^perie» (Cbcriniflarit,) n. 'JiDUcmbcr. In einer Ieik, da in Ungarn der Antiseuiilisnnls mit Bankett und Fackelzug flcfcien wird, da feem sewi-! »scheu 3taunne jede menschliche Rührung und jedes Mitgefühl für Andersgläubige abgcsprvcheu wird; der „Benjamin" dieser Partei sogar an das zartfühlende Geschlecht appcllirt, das; sie ihre Herzen, anstatt für den natürlichen Beruf des Mitleids von nun an dem Hasse eröffnen sollen, ist es sehr am Platze die edle Dhat eines jüdischen Philanthropen, einer christlichen Dame via-»-vis zu regt* striren. Wenn der Antisemitismus, dessen Devise Hatz und Zerstörung ist, den Dharen der jüdischen Ration nur halbwegs Gerechtigkeit widerfahren liehen, so wurde bald fein Berlaumdermnud verstummen. Aber freilich darf man von Leuten, denen Recht nnd Billigkeit schon längst abhanden gekommen ist, diese beiden Tugenden nicht erwarten. Umsomehr ist es von jedem rechtdeukenden Juden Pflicht, solche Tugenden an's Tageslicht zu fördern, die »ns so gerne abgesprochcn werden. Die Antisenn'tett var irren nrt das Thema über das unreelle Vorgehen des Juden gegenüber dem Richlinden. Möge daher hier eine cclatonter Fall vom Gegentheil folgen: In dem Städtchen Bart selb des Süroser Äomitatcs lebt eine Iran Maria Szeleezln (Christin), welche von ihrem Manne treulos verlassen wurde. Ilm ihr tägliches Brot aus rechtschaffener Art zu erwerben, erlernte sie die .Korbslechrerei, woraus sic ihr letzte Habe verwendete. Böller Hoffnung wendete sic sich mn eine Anstellung an das.Komitat, an die Regicrnng. Und als die Roth in der tranrigsrcn Gestalt sich bei ihr cinstellte, schrieb ne in ihrer Verzweiflung an eine hochgestellte Persönlichkeit, weiche im ganzen Lande für die Säule der nngarischen Industrie gilt: aber alles war vergebens. Das .Komitat veNrösictc sie mit schönen Hoffnungen. Die Regierung nun, die hat wahrscheiulich zu viel an dem ncucnldcckte»! Deficit zu tragen, als das; sic noch eine Industrie Lehrer irr mit Brot versorgen soll. Ter hohe „Beförderer" ungarischer Iudnsirie, hat warscheinlich einen grosien Papierkorb, wo ein Bittgesuch noch immer Platz findet. Gudlich gab turnt ihr den Rath, sich an Baron Hirsch zu wenden, der hinsichtlich der MildthäNgkeit keine»! llnterschied kennt zwischen Inden und Rlcht jnden. Gs vergingen keine >s Tage und der Jude Hirsch hat mit R)o sl. einer arrnen Christin das Glück erlauft. Mit dessen Mitteln versehen, ist sie jetzt in der Lage ein kleines Korbgeschäsr zu errichten. So geschehen in einer Zeit, da Ungarn sich noch immer nicht ernüchtern kann von dem Schwindel des Antisemitismus. Moritz Iler sch mann, Lehrer. R u m ä n i e u. Jassy. Der „Test. Wochenschrift" wird vorr hier geschrieben: Unser Schulinspektor hat an sämmtliche Schulleiter ein Zirkular versendet, das ich Ihnen in Nebersetzung zusende. Dasselbe lautet: „Meine Herren Direktoren und Frauen Direktricen! Der Herr Minister für Kultus und öffentlichen Unterricht hat perfügt, dass Sie alle israelitischen Schüler mit Zero (Rull) — (Zum Verständnis; des Zero (0) bemerke ich, dass in Rumänien die Zensuren tRoteu) von l—10 gehen. „Zehn" ist am besten (ausgezeichnet,) „Gins" am schlechtesten. Gin Rull ist also noch ärger als die schlechteste Zensur.) zensircu sollen, welche unter dem Vorwände (.'), daß ihnen ihre Religion nicht erlaube, am Sonnabend zu schreiben, sich an jenem Tage den Arbeiten und Hebungen, die sie in der Schule zu machen haben, entziehen. Gezeichnet: Der Revisor, „Giritza." Ich brauche »voh! nicht erst zn sagen, das; die Herren Lehrer und Lehrerinen in übereifriger Ausführung des ihnen von den Direktoren 2c zur Äenmnist gebrachten Rundschreibens, es als ihre wichtigste Aufgabe betrachten, darüber zu wachen, datz die israelitischen Kinder am Sonnabend und Festtag die schrisrlichen Grcrzitien in der Schule mitmachcn. Auch versteht cs sich von selbst, das; sic das wochenrägliche Verhören (Vorrufen) der israelitischen Schulkinder inst auf den Sonnabend verlegen und bei der Weigerung zu schreiben nächst den schon seit lange üblichen Schimpfnamen wie: Aussatz, Blutegel. schmutziger Jude, Parasit u. s. w., den armen jüdischen .Kindern die allerletzte, ministeriell verfügte Zensur appliziren. Wie die Lehrer noch sonst mir den israelitischen .Kindern verfahren, können Sie aus nachstehendem Verspiel ersehen. In Riams gab bei einer Prüfung der obersten .Klane der Gemeindeschule der Lehrer, Alcranhru Wassilin. einem israelitischen Schüler folgende drei Sätze zum Analysiren: l ) „Die „Inden", welche wie Blutegels sind, saugen uns aus, wo immer sie sich niederlanen. 2) Die „Juden" stürzen sich in Schlägereien, wie die Ära-