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Der Israelit · 1886-11-15 · Heft 89 (15.11.1886) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 89 (15.11.1886)
Date
1886-11-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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If.l'.l Beziehung soivohl in der hiesigen, als auch fit ciucni Kör aras.cn Xluilc der jüdischen (Gemeinden der Rhcinpfalz in den lemen Jahrzehnten leider bcrrschenden Zustände sind nach in diesen Bläuern .',n wiederholten Malen schon in kaum glaubliche!', aber rrovdein streng wahrheitsactrcncr Weise hinlänglich gcschitdcrr und beleuchtet worden, bei allen ausrichiiij religiösen Glaubensgenossen hohes Befremden und tiefstes Bedauern erregend, Z:oeck unserer heutigen Zeilen ist einer der jüdischen Gesinnung-?- und Tenkungsweife des hiesigen Gemeinde - Borstandes hinreichend kennzeichnenden allernenestcn Versügnug desselben kurz Erwähnung zu Ltzuu, wonach aus Gründen, ans deren Wiedergabe wir getrost zn verzichten können glauben, seit einigen Monaten bereits von allen größeren Haphthora's nur noch Bruchstücke vorgctragcn werden dürfen. Mit dieser Verordnung waren denn doch G. s. T. noch eine ganz stattlichc Anzahl von Genleindemirgliedern nicht weniger als einverstanden und wandten sich deren :>o beschwerdefnhrend 011 den Gemeinde-Vorstand, denselben ans's dringendste ersuchend diese Berfügnng sofort wieder zurückzuzichcn. Ob nun diesem gerechten Ersuchen in Güte stattgegeben wird oder erst ein Einschreiten des Vorgesetzten Bezirks-Rabbiners Herrn Tr. A. Salvendi, Türlhcim, behufs Wieder- Abschaffung dieser, nebenbei bemerkt unendlich sinnreichen (!) sogenannten „Verbesserung" veranlaßt werden mutz, darüber werden wir demnächst berichten. Bcriin. W. Tie am Sonntag ftattgchabtc Sitzung der Repräsentanten der hiesigen jüdischen Gemeinde im großen Saale der Reuen Synagoge in der Oramenbnrgerstraßc, war für die. jüdische lGemeinde Berlins, von antzcrordenrlich großer Wichtigkeit. Ter Vorstand der Gemeinde beantragte bei den Repräsentanten, die Errichtung zweier neuer Synagogen im. Wetten und Südwesren unserer Stadt, begründete seinen Antrag durch das Anwachsen der Bevölkerung, welches auch viele Glaubensgenossen nach hier gebracht, somit ein Mangel an Synagogen cingetreteu sei, dem abzuhelfcn eine dringende Pflicht geworden ist. Tie Versammlung wählte in den Herren: Sanitärralh Tr. Ma rcn se, Prof. L ä z a r u s, Baumeister Frän k e!, .ttausteurcn Friedländer, Löwenberger und Fried- Heim, eine Lromission, welche die Finaneirnngsfrage, Größe, Styl u. s. w. n. s. w. dieser Renbamcn vorberatheu soll, lieber die Annahme der Bibliothek des verstorbenen Tr. Z lt n r. welche der Gemeinde seitens der Erbin des Entschlafenen zum Geschenk gemacht wurde, erhob sich eine längere, höchst interessante Tebarte. Tie Bibliothek anzunehmen, welche wissenschaftlich als von unermeßlichem Werth, vom Vorstände der Gmeiude den Reprüsenfiuiti'it entpsohlen lvnrde, tvnrde durch den Vorsinciibcn der Repräsentanten Herrn Instizralh M a - ko wer bekämpft, der befürchtete, das; dieselbe der Gemeinde viele Unkosten verursachen würde n. s. w. li. s. tv. Ter Vorstand der Gemeinde beseitigte die Befürchtungen damit, daß es der Würde der jüdischen Gemeinde Berlins entspreche, gleich der Breslauer-Gemeinde , wie der zn Frankfurt a. M., für die Wissenschaft des Jndettthnms,.eine eigene Bibliothek zn haben, wozu die Znnz'fchc Bibliothek als Grundstock gedacht ist, und zn welcher weitere größere Schenkungen der hiesigen jüdischen Gemeinde schon in Aussicht gestellt sind. Auch habe der Vorstand in der Person des Herrn Tr. Hirstein schon einen Bibtiotheker in Aussicht genommen. Die Unkosten und Lasten werden alljährlich nicht von Bedentnng sein. Auch Herr Prof. Lazarus betonte, das; eine so große jüdische Gemeinde wie Berlin, nicht länger ohne eigene öffentliche Bibliothek bestehen solle n. s. w. Beschlossen wurde in dieser Angelegenheit die weiteren Beschlüsse des Vorstandes abznwanen. Ein Lorstandsmirgtied der jüdischen. Gemeinde Herr Int. I. Mayer hat derselben an seinem 70 jährigen Geburtstage, welcher vor wenigen Tagen ftattfaub, 41500. M. für wohtthülige Stiftungcu übermittelt. Ocsterr. - Ungar. Monarchie. Ans Mahren. Wenn der Pole Moravcik sagt, so verbindet er damit den Begriff, den der geschulte Theologe mit dem Worte Rationalist bezeichnet, welcher hentyrrage ans den engen Grenzen herausgerrclen ist, die ihm im vorigen Jahrhundert gesteckt waren und der der verächtliche Ausdruck für die Halbheit auf religiösem Gebiete geworden ist. So ist der Moravcik für den Polen der Typus eines Inden, der seinen Gott einen guten Mann sein läßt und von ihm anuimmr, unser Herrgott nähme es nicht so genau mit einer religiösen Vorschrift. Tas classische Beispiel ist ihm der Moravcik, der während eines Gervirrcrs Tresor ißt und im Augenblick, wo es donnert, seinen Hut anfsetzr, um die Baracha zu sagen. So ist es' gekommen, daß in unserem engeren Baterlanoe die Reform üch in planlosester Weise und ohne erheblichen Widerstand Balm brechen konnte und niemand an eine schroffe Opposition dachte oder, die Bildung einer entschieden orlhodoren Partei in Angriff nabm. Wir können von uns wie die Bibel von den Samaritanern sagen, daß wir unseren Gott fürchteten und Fremden dienren. Am wüstesten har diese Prinzipien-

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