Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 89 (15.11.1886)
- Date
- 1886-11-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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ir>no lofiilteit in Wiiljrcuy .OiinptiliiM, in 'Muni gervlNhschaslet, UH’ldjco bis zum Vuiljvc -is den Inden ucr* fvliloffcu war. Zuerst wurde der Gottesdienst so ziemlich in althergebrachter Weise e'mgerrichtel, mau und sich dru Anschein in allem und jedem OH'icO und .verkommen zu befragen. Später draußen einzelne Resormen durch, worunter die vom Publikum am schwersten empfundene, dasslürzen des.Gebetes am Verföhnnngstage ist, was eine mehrstündige Panse bedingt und intvlge dessen für einen großen Thcil des Publikums die Cinladung bedeutete, an gemeinsamer Tafel sich zu vergnügen und, in die Synagoge, znrückgekehrt, die bei Tische verrichteten Heldentaten rühmend verkündigen zn können. Nur die Cinsnhrung der Orgel bildere noch einen strittigen Punkt, indem sie von einem Theil des Vorstandes verlangt, von einem anderen Thcile mit Unterstützung des Rabbiners bekämpft wurde. Vor etwa einem Jahre nun fand man, das; der Synagogcnchor den künsttcrifchen Anforderungen nicht mehr recht genüge. Das Losungswort von der Rothwendigkeit der Instrumentalmusik, welche einzig und allein geeignet fei, den Gemeindegcfang zu ermöglichen und uns von dem Chor, der aus unwürdigen Elementen zusammengesetzt sei, zu;befreien, wurde ansgegeben und von vielen Seiten sympathisch begrüßt. Ter Rabbiner, um seine Meinung befragt, gab die Antwort: Ich bin wohl kein. Freund der Orgel, aber ich erkenne sie mirer den gegebenen Umständen als Rorhwcndigkcit an." (Gleichzeitig spielte ein weiteres wichtiges Moment mit. Cs handelte sich um den Jugend- Gottesdienst. Derselbe ist nach dem österreichischen Schulgesetze obligat, d. h. die jüdischen Schüler der höheren Schulen sind gezwungen am Sabbat den Gottesdienst.zu besuchen, und da der.vanptgotresdienst mir den Schulstunden collidirt, ist der Religionslehrcr verpflichtet, einen besonderen Gottesdienst mit einer religiösen Ansprache verbnnden^abznhalteri. Cs trat denrnach an den hiesigen Religionslehrcr für die Mittelschulen die Frage nach -seinem Verhalten in dieser Richtung heran. Derselbe, welcher lladj hiesigen Begriffen als. onhodor gilt, erklärte, bei dem Mangel, an Bekannlschast mit dem praktischen Ritus inner der Schuljugend sei es von großem Vortsteil, wenn dieselbe sich durch die Orgel an die üblichen Rewousorien als Acdnschah u. vgl. zu gewöhnen lerne. Nachdem so von keiner Seite ein Widerspruch erhoben war und bei dem Anwachsen der Gemeinde eine Vergrößerung der Synagoge uvthwendig erschien, wurde vcschlomn, gleichzeitig mit dem Umbau eine neue Orgel anfznstellen, die am Rösch - Haichanah zum erstenmal functioiurcit sollte. Inzwischen holte einer der Vorsteher die Crsindnng geillacht, es würde sich sehr schön ansnehmen, wenn über der heiligen Lade die Worte angebracht wären: „Liebe deinen Rächsren wie Dich selbst/' Cr that es, nachdem der Rabbiner seine Zustimmung gegeben hatte, und der Crfolg war eilte heftige Gegenströmung. Der Moravcik regle sich doch und fand, das; mau Gott doch nicht alles bieten dürfe. Man wendete ein, das; ein solcher Spruch, wenn er auch zu den Grmldwahrheiten unserer Religion gehört, welche tu ihm die von Gott gegebene, ans das Heil der Welt gerichtete Offenbarung erkennt, dock nicht geeignet fei, die Andachtsstimmnng zn wecken, wie das sonst übliche Ten 'n Tnu*. Mau sah ferner ein, das; ein groster Theil der Gemeinde seaudalisirt werde durch die ihrem Gewissen und Geschmack zngefügte Brutalität, die in der Thalsache einer deutschen Ueberschrist über der heiligen Lade liegt. Das ist eben der. richtige Moravcik, der nicht so sehr danach fragt, was geschrieben steht als danach, was seiner Gewohnheit znwiderlänft oder ihr widerspricht. Endlich fand man, daß in den riesenhaften Lettern, auch eine rohe Geschmacksvcrletzuug liegt, wie eine solche merkwürdiger Weise oft genug von-Seite derjenigen begangen wird, die für den Salonwn im Gottcshanse stimmen. Als mm der Lärm groß geworden war, fand der Rabbiner einen Vermittlungs- Weg. Man ließ die bisherige Aufschrift entfernen und setzte an ihre Stelle den nirgends in der Bibel, nach einer unverbürgten Rachricht aber in einem Cvangclium vorkommeudcn Ausspruch „Liebe Gott über alles, deinen Nächsten wie dich selbst." Das ist ein Stück der echt mährischen Vermittlungstheologie, zu gm Deutsch des Prinzips: Wasch' mir den Pelz und mach' mir ihn nicht naß oder des talnmdischen v rx rvzn -rr. Der erste Tag des Roschhaschanahfeftes brachte den Faiseuren der Reform eine arge Enttäuschung. Die Stinmttmg der großen Mehrzahl in der Gemeinde war gegen diese Reform. Der Rabbiner hielt eine Rede, die anknüpfend an den Ausspruch Iesaias Z'.pm -2 den Gcdarrken variirre, das; alle Künste der Renerungssnchr nicht im Stande sein werden, das gesunkene religiöse Bewußtsein zu heben, dabei jedoch nickt die Mistbitligung der Neuerung anssprach, so das; formell beiden Richtungen Genüge gethan ward. Run will man, um wieder alle Welt zu gut Freund zn staben, eine neue 'Anordnung durchführen, man will den Gemcindegotrcsdienst nieder hergebrachten Weite ohne Orgel bestehen lauen und die Reform nur für die Erziehung des zukünftigen Indenthums im Schulgorresdienste