Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 89 (15.11.1886)
- Date
- 1886-11-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVlk. Jahrgang. Beilage zn Ar. 89 i>es Zseaelit. Leitender Artikel. Z u r Statistik der Inden in Srankn'ich*). In ganz Frankreich wohnen nicht mehr als ungefähr Sf>,ooo Jsracliien, von denen etwa 50,000 auf den Consiftorkalbezirk von Paris kommen, während die übrigen sich auf die (5onsistorialbczirkc von Bayonue, Besan«-on, Bordeaux, Lille, Lnon, Marseille Nancy und Besoul vcrthcilcn. Tic ökonomische Lage der jüdischen Bevölkerung von Frankreich ist sehr günstig. Dieselbe zählt' eine Schaar bedeutender Kapitalisten. Das jüdische Proletariat hingegen ist kaum bemerkbar. Nach den Berufsklasscn sind die Juden hauptsächlich im Handel und in der Industrie vertreten (Tuch-, Galanteriewaaren-, Juwelier- und Modegeschaste: (in der Provinz hauptsächlich im Fabrikwesen); dann in den freien Berufsarten (hauptsächlich in der Medizin, weniger in der Advokatur und dem Ingenkenrfach), in den Staatsämtern, in der Armee, in der Literatur und der Prepe. Die Ungleichheiten der (5'inkommcnverthcilung werden auch hier durch eine ausgiebige Wohlthätigkeitsorganisation in ihren fühlbarsten Theilen beseitigt. Die Juden sammeln sich hauptsächlich in Städten an; im Heirathsalter unterscheiden sie sich nicht von der übrigen Bevölkerung. Nach einer Zeitungsnotiz aus dem Jahre 1880 zählt Frankreich 171 Gemeinden; das Jahrbuch der „Archive* IsraeliTes*1 giebt die Zahl derselben aus 145 an — beide Quellen scheiden jedoch die iu den französischen Besitzungen gelegenen Gemeinden nicht aus. Was das Associalionswesen anbelangt, so ist hier, ähnlich wie in Guglaud, vor Allem auf die zahlreichen Sohlthärigkcitsvereine, aus die ..Alliance Israelite universelle* mit vorwiegend Humanitären Zwecken hiuzuweisen. Als eine der hervorragenderen jüdischen Associationen ist noch die -SueietS des etudes juives” zum Zwecke der Herausgabe von jüdisch-wissenschaftlichen Werken zu nennen. Bon jüdisch - nationalen Vereinen ist in Frankreich nur der Studcmenvercm rJehml.-i haaizciii“ (das ewige Juda) in Paris zu verzeichnen. Was die gesellschaftliche Gliederung anbelangt, so *7 Nach dcrn von uns bereirs besprochenen Buche von Älsreb Nofsig. sindcu wir, das; in Frankreich anher den Nabbinernnud Gelehrtcuuachlommen, die Plntokratie und die Familien höherer Staatsbeamte ans der Gesammthcit heransragen: diese Klasse hat das Ander der jüdischen Interessen in der Hand und findet willigen Gehorsam. Die Wohlthätigkeitsorganifation steht bei den Juden Frantreichs ans hoher Stufe; Paris allein zählt lloMänner- und Franenvereinc für gegenseitige Hilfeleistung. Wir nennen als die hervorragendsten: das aus 39 Mitgliedern bestehende Comite de hientaisance und die in jüngster Zeit gegründeten „TjTnioii israelit6‘; und L'Union (lcs Dames israelite*. Ansterdcui sind die zahlreichen Wohlthätigkeitsanstalten zu erwähnen, welche tnusterhaft eingerichtet sind. Die Inden Frankreichs sind durchaus moderuisirt und nehmen an dem nationalen und internationalen geistigen Leben regen Antheil. Ter Lehrer- und Lireralenstand ist bei ihnen stark vertreten; fast an jedem Lyceurn und an jeder' höheren Lehranstalt finden sich jüdische Lehrkräfte, Die Berichte der Lehranstalten beweisen die Fähigkeiten und den Fleiß der jüdischen Stlidenten, da dieselben fast überall die ersten Preise erhalten. In der Wissenschaft sind die Inden Frankreichs hauptsächlich als Medkciner ersten Nanges vertreten (See, Mauer, Hanem, Straus;, lllma, Leven, Bernheim). Für die Wissenschaft und die Interessen des Jndenlhnrns winden Bibliotheken und Organe gegründet. Die bedeutendsten jüdischen Bibliotheken sind die der „All. ttniv. Jsr." mit 10,5-15 Nummern und 6o,oou Fr. Kapital, die der „Suciete des etudes*4 und die des Barons v. Günzbnrg (welche 9oo seltene hebräische Handschriften zählt.) Die jüdische Presse bilden fünf, iu franzönschcr Sprache erscheinenden Zeitschriften. Die jüdische Bücherlirerarur (von, über und für Juden vroduzirt) ist besonders im Traktaten- und Broschürenfache überaus zahlreich,, jedoch nicht immer gründlich vertreten. Hauptsächlich werden Geschichte und Dcmogravbie des Jndcnrlmms in französischer Sprache betrieben. Die jüdische Literatur wird stark gefördert durch die „Alliance Israelite Universelle", welche Werke verlegt und subventionirt, ebenso durch die „S'.'cktc des etndes jtiives4* und durch reiche Privatmänner (gewöhnlich durch Ankauf und Abonnement eine größere Anzahl von Gremvlaren der Werke und Zeitschriften.) Die Organisation des Kulms besteht in der Ginrrchmng von.Konsistorien