Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 89 (15.11.1886)
- Date
- 1886-11-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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l!)!N me» Juugeu, „und", fuhr Wol.ww in feiner Rede fort. „nuV er Sie Schwager Büro» liebt," - er verfiel vor ftifer förmlich tu Enase - „to aucjubnufeu ist die reichste Sprache zu arm, die lebendigste Sprache zu tobt .... Heule Vormittag, wie ich eine Stunde mit Lorenz allein war, frug ich ihn, „sag' mir aufrichtig, hast Tu nicht den Onkel lieber als mich?" Ter Junge ficht mich grast an, die Thränen traten ihm in die Augen, er füllt mir um den Hals und sagt: ..Vater! Tn weistl, lügen kann ich nicht" — (das ist wahr, das kann ich ihm bezeugen), ich Hab Dich lieb, sehr lieb, ich möcht gleich mein Leben für Deines geben: aber was wahr ist, bleibt doch wahr, und sei mir drum nicht böse, den lieben Onkel und die gnädige Tante Hab' ich doch noch Lieber!" — Ja, das sch' ich, weist Gott, selbst ein, Ihr könnt in der That nichts Gescheidteres und Besseres thnn als meinen, — eigentlich ist er mehr Euer — Lorenz zu Eurem Universalerben zu ernennen. Nein, wie sich meine Frau, meine liebe Sophie, mit diesem Beweise, Eurer edlert, herzlichen Derwandtenliebe freuen wird! .... Ich lasse auch desthalb sofort eine copivi adamata von Eurem letzten Willen anfertigen, damit ich es meiner lieben Ehehälfte schwarz ans Weist vorweisen kann, — und es ist auch recht vernünftig, wertste Freunde und hochverehrte Verwandten,'das; Ihr Euch entschlossen habt, Euren letzten Willen uiederzuschrciben, und wisst Ihr warum? Damit nicht Menschen, die sich nie um Euch gekümmert, die Eure Seclcngröste nicht anfzufassen vermochten, die Euch gekrankt, wenn sie es vermocht, Euch herabgesetzt hätten; — einmal wenn Ihr einst in späten Tagen in die Gruft Eurer Ahnen gesenkt werdet, wie raubgierige Geier über Euer Gut herfallen, und Ihr nicht nur lachende, sondern sogar hohnlachende Erben hättet! .... Ja, weil wir gerade darüber sprechen", fuhr GoLziuger wie ein reifjeuber Stnrzbach in seine Rede fort, „die Urkunde mnsr von einem tüchtigen Juristen verfasst werden, damit Eure Verwandten, die Slrastenränber, Strauchdiebe, Wegelagerer und Erzgauner, die Euch Euer Vermögen bei Lebzeiten nicht gegönnt, sich nicht nach Eurem Tode, den Gott noch lange ferne halten möge" — Golzinger erhob den Blick zur Decke, das; nur das Weiße des Anges sichtbar blieb, linb rieb sich eifrig die Backen, als gälte es einen ganzen Thränensce trocken zu legen — „sich nicht an dem Glaube mästen und ihre edlen Verwandten noch im Grabe verhöhnen. Ich möchte daher ganz unvorgreistich und unmatzgebUch ergebenst Vorschlägen, die Urkunde noch während meiner Anwesenheit in Wien, etwa durch meinen ehemaligen Stndiengenossen den Advokaten Tr. Bolbrecht entwerfen zu lassen. Ich btu ja Jurist und könnte auch darauf achten, dast kein Fehler unterlaufe. „Vielleicht", meinte Golzinger lauernd, „geben wir dem Testament die Form einer Schenkung auf den Todesfall, diese föuute von dem Galgengelichter in keinem Falle augefochten werden. — Wenn es nicht wegen Eurer niederträchtigen Verwandten wäre, brauchtet Ihr Euch mit dem Testamente oder der Schenkungsurkunde nicht zu übereilen, wenn ein Kavalier und Offizier wie Baron Horneck etwas ausspricht, so ists verbrieft und gesiegelt; aber — Ihr wollt doch nicht, das; Eure Verwandten. Euer Vermögen durch gemeine Kniffe und Ränke an sich reisten?" Als Golzinger nur eine längere Pause machte, und dem Baron und der Baronin starr ins Gesicht sah, waren sie moralisch gezwungen zu erwidern: „Nein, das wollen wir nicht!" (Fortsetzung folgt.) .Ter ISraelit' erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgang? für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs Mark. für? ilus'cKD 16 Reichs-Mark. Man abonnier ganzjährig. halbjährig oder vierteljährig, etile Buchhandlungen und Bonämtcr nehmen Bestellungen an. — Durch den Kuchhaudel ju-btjitJjen bei Q:. F. ‘iteinadur. jTcijjjig. Jtaftplah 16. — In'rrate 25 Pfennige die vreigefvallene Perirzeile oder deren Raum. — Oeirerreichische Bauknoren laut CourS. — Xhecte »z-ranconnendung unter Lrreiiband vro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reich? Mark oder S st. Ssterr.. für'? Ausland 16 ReichS-Mark an die t?rpedilion franco einzusenden. Inhalt (Hauptdlatt): Leitender Arnkel: Oarab. — Zeimngsnachrichten und (.»orre'ponderrzen: x-mschland: Dienen. 2mal Berlin. — Oestcrr-Ung. Monarchie: Aus Srebendürge». — England: London.— Rustland. — Afrika: langer. — Feuilleton: Michael. — Inhalt -er Beilage: Leitender Artikel: Zur Statistik der Juden in Frankreich. — ZeinargsnaLrichlen und Korrespondenzen: Deutschland: Speyer. Berlin. — Cefterr.-Ungar. Monarchie: An» Mähren. — Berarrrwonliche Redacrio«: vr. Lehmann in Mainz. — Spedition große Bleiche Skr. 45. Druck undBerlag von OScar Lehmann in Main;. (Hierzu eine Beilage.)