Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 89 (15.11.1886)
- Date
- 1886-11-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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durch frei gewordene dazu beuüueu wollte, seine äusterst trockenen Augen mit seinem Tnschenlnche zu reiben - „aber es üoljt einmal iml)t aiilu'iö!" „Warmn, weshalb V" schrie der Major zornig. „Acustert Euch siaudlzaft darüber, warum, es cinina! nicht anders gehl'^" „Bor allen Dingen," erwiderte (Notzinger in sanftesten Mtcntöueu, „weil Ihr meinen Lorenz durch Eure i'iüie verzieht. OJoit hat (yucl) reich mit irdischen Gaden beschenkt, Ihr lebt eben nur Eurem Vermögen und Eurem Staude gemäst, — aber wenn Lorenz an dieses herrschaftliche Vcbcu gewöhnt, wieder in sein bescheidenes Vaterhaus heimkehrt, wird er sich an dieses nicht mehr gcwöhneu können, und sich" — Golzingers Stinnne schien ins Schwanken zu gcrathen — „unglücklich fühlen." Die Baronin unterbrach ihn. „Schwager, ich verstehe Sie nicht. Sie müssen ja wenigstens eben so reich sein als wir. Meine Schwester Sophie har nicht nur einen Pfennig weniger Erbschaft nach unseren gottseligen Eltern erhalten als ich. Was ich bei Lebzeiten meines Vaters mehr an Heirathsgut als Sophie erhalten, wurde mir bei der Erbseintheilnng abgezogen, und Sie haben ein einträgliches Amr. während mein Mann stets nur ein »lästiges Gehalt und seit langer Zerr eine noch massigere Pension bezieht. Rittmeister Baron Ebrenbruirn, der einige Zeit in W. lag, har mich versichert, er wipe aus sicherer Queue, da?; Ihre Rebeneinkünfte in einem Jahre mehr betragen als ein Oberstgehalt." - „Rittmeister Ehrenbruun ist ein miserabler Ehrabschneifuhr Golzingcr entrüstet ans, aber er fürchtete durch seinen Zorn mehr zu verrarheu, als die Majorin ahnen mochte, er schnitt daher den Schnei—der in zwei Hälfte und lies; die zweite unausgesprochen und fuhr, sich rasch moderirend, fort: „Rittmeister von Ehrenbrunn ist über meine Berhältnmc schlecht unterrichtet," Golzingcr schüttelte melancholisch den Äops und segle mit leicht verschleierter Stimme in düsterer Molltonart fort: „Ich bin nicht so reich als Ihr und die Welt glaubt . . . Golzingcr stockte, das Gespräch harte plötzlich eine für ihn unsngeuebmc Wendung genommen, und er bemühte sich rasch eine plausible Erklärung für seine nicht nur unwahre, sondern auch unwahrscheinliche Behauptung zu ersinnen, aber zu seinem Glücke brach der Major, der sich schon durch mehrere Sekunden uuternchulend die Enden des Schnurrbartes cmporgewirbrlr Hane, jetzt los: „Was schwätzt Ihr Schwager da ftir mise-! radlcs ztraut und Rüben untereinander? Meiner Seele, eine solche Eselei, wie ich sie da von Euch höre, ist mir mein Lebtag noch nicht vorgelommen! Zehtttauftnd Donnerwetter hinein, jem nachdem wir Euren Jungen ans dein Aergsten . . . herausgearbeitet und einen Mordkerl ans ihm gemacht haben, wollt Ihr ihn wieder in Euer verfl..... Rest nach W. nehmen und ihn in Grund und Boden hinein verderben! Ho, ho! so haben wir nicht miteinander gewettet! Und was meint Ihr denn, Schwager, mit unserem Reichthnm? Meint Ihr denn wirklich, das; wenn wir, ich und meine gute, treue Mathilde (wenn der Major in der Vcrsöhnuugs-Acra von seinem Vermögen, das aber eigentlich seiner Frau gehörte, sprach, lobte er diese vorsichtshalber) sterben, wir unser Hab' und Gut mit in die Gruft nehmen werdend" Golzingcr that als ob er überrascht anfblicktc. Der kluge Mann wollte das Eisen schmieden, jo lange cs Heist war, er ergriff wieder des Majors und der Majori» Hand, drückte jene, das; sie knackte, führte diese ehrerbietig an die Lippen, und schrie als wenn ihm der iniscrabclste Zahnbrechcr drei Ücrnzähne sammt den dazu gehörigen .ttiesernnterlagen heransgerissen -hätte. „Wie soll ich Eure Worte, liebe, verehrte Freunde, deuten! Zollte ich Euch recht verstanden habend Ihr wolltet lvirklich meinen Lorenz, der Euch freilich mehr als seine leiblichen Eltern liebt, zu Eurem Universalerben einsetzen? Weis; Gort, der Gedanke wäre mir früher auch im Traume nicht eingefallen; — Ihr seid halt doch in einem Finger klüger als ich mir Leib und Seel' und habt das Richtige getroffen, und ich Hanptescl, der ich bin, hatte von Euren edlen, gorrgesegneten Absichten nicht die leiseste Spur! — Ihr seid halt brave und grnndgcscheidte Leute; — was solltet Ihr denn eigentlich mit Eurem Gelde anders machend Gnädige Frau Schwägerin, der Lorenz ist ja doch Ihr Fleisch und Blut, und, so wahr mir Gott helfe, Ihnen ganz wie ans dem Gesichte geschnitten, und was der aus Sie hält, das ist mir noch in meinem ganzen Leben nicht vorgelommen! Wiffen Sie, was der unschuldige dumme Bub', der Malefizkerl heut Vormittag zu mir gesagt hat? — Barer, wenn ich es einmal durch die Gnade und Protektion meines gnädigen Oheims zum Rittmeister gebracht habe, must ich heirarhcn, und weißt Tu wie meine Braut anssehen muß? Genau so grost, so schön und stark wie die gnädige Tante, so gefällt mir doch kein zweites Frauenzimmer ans der Wett" — die Majorin lächelte verschämt, schlug die Augen zu Boden und stüsterre etwas von einem kindischen, dum-