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Der Israelit · 1886-11-15 · Heft 89 (15.11.1886) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 89 (15.11.1886)
Date
1886-11-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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7ft(l()(i Wenige Tage tun’ her .'Ziehung hatte cv mib dcr Buchhalter desselben HandltingsHanses, der auch ein «Mit ■i'oo» besag, die Vereinbarung getroffen, dag jeder von ihnen ans beide Loose spiele. Als dcr Commis die Nachricht vorn hohen Treffer erhalten, ging er zn seinem (sollegen, noch che er seinen Angehörigen die freudige Nachricht nberbrachk, und gab ihm eine schriftliche Grklärung, wonach er den Gewinn mit ihm ihcilen werde, was auch inzwischen geschehen ist. A f r i k a. Tanger. Das .(kaiserthuur Marokko hat einen großen Verlust erlitten, dcr auch von den Inden dieses Reiches verspürt werden wird. Unser langjähriger Minister des Auswärtigen, Sid Mnhamed Largasch, dcr hier in unserer Stadt seinen Amtssitz hatte und zn dessen Pflichten cs auch gehörte, alte von den marokkanischen Machthabern an den Jude?' verübten Gewaltthaien bei den hier residircndrn Vertretern der europäischen Mächte zu entschuldigen oder gar in Abrede zu stellen, ist nun in einem sehr vorgerückten Alter gestorben. Der Lebenslauf dieses Staatsmannes war ein höchst merkwürdiger und ist er nur noch in den halbcivilistrtcn Staaten, wie cs leider Marokko noch immer ist, möglich. In seiner Jugend ein Talmid theologischer Sluden:) besuchte "cr—als^ solcher' die Medrcffchs (Hochschulen) von Fez und Mckincz, wo er es dann bis zum Grade eines Ta'ib (Wisscns- . forscher», Doctors) brachte. Später entsagte er jedoch den theologischen Studien und ward plötzlich ein Lcdcrhändlcr oder vielmehr Gerber. Als solcher kam er dann oft auch nach Gibraltar hinüber, wo er nun Gelegenheit hatte, europäische (5ultur und Civilisation durch den Augenschein kennen zu lernen. Bei diesen seinen fleißigen Besuchen pflegte er dann oft auch verschiedene (Einkäufe für den hiesigen Gouverneur, dann für den Grogvezicr in Fez, und schließlich sogar auch für den Hof des Sultans zu besorget'.. (5r wurde so plötzlich ein Hofmann, und als der Sultan dann eines Tages einen Mann .. juchte, dcr im Stande sei, mir den europäischen Diplomaten zn verkehren, da fiel fein Blick auf den . vielgcrcisrcu Mohamed Vargasch und derselbe ward obgleich er nicht das geringste weltliche Wineu besaß und auch keine ^europäische Sprache kannre, Minister de« Auswärtigen. Als solcher änderte er gar nichts in seiner bisherigen Lebensweise und Tracht und blieb noch weiter ein glaubcuseifriger Moslim. Die einzige I5oncesffon, die er dcr abendländischen Tracht machte, war, daß er ein Paar große, in Geld gefaßte Augengläser trug, die ihm j von der Ferne das Aussehen eines wandernden Thnrmes mit zwei Feusterchen an der Spitze verliehen. Als sanalischer Moslim mochte er auch die Juden nicht leiden, war jedoch als Minister des Auswärtigen gezwungen, hie und da deren Fürsprecher bei den Ministern in Fez und beim Sultan zu sein. Nuu ist er gestorben, nachdem er noch vor einigen Wochen den.stummer erlebt hatte, seinen Sohn, den er selbst in die diplomatische barriöre eingcsührt und von dem er gehofft, daß er einst sein Amtsnachfolger sein werde, in's Grab sinken zu sehen. Wie nun verlautet, wird der Gouverneur von «skah, ftnio Mohamed Dürre, das Portefeuille des Auswärtigen erhalten. Der Mann soll an Judenhaß seinen verstorbenen Vorgänger noch bei weitem nbcnrcffen und so bewahrheitet sich hier wieder der Spruch unserer Weisen: nren b rN~i nzy'j Seit Haman sind schon zahllose Judenfeinde Minister geworden und wir haben sie alle überdauert und so werden wir auch die Amtsthätigkcir eines Mohamed Turre überstchen. Ans dem Innern des marrokauischen Reiches ist nur wenig Erfreuliches für ein jüdisches Herz zu melden, da unsere Glaubensgenossen daselbst noch immer im Galnth (Geile) sind und wie die Sklaven behandelt werden. Vor einigen Wochen ritt Sultan - Sidi VI n l a v H a) s a n in dcr Stadt Mare ko sch (Marokko) durch die dortigen Straßen, als er plötzlich einer Schaar Juden, unter denen auch einige Greise mit schneeweißen Bärten lvaren, begegnete, die eben ans dcr Synagoge kamen und nun nach unseren schönen <!) Landcssittcn barfuß auf dem von der afrikanischen Sonne glühendheiß gemachten Straßenpstaster eiuhcrschritren, während sie ihre Schuhe in den Händen trugen. Sidi Mulen Hassan blieb für einen Augenblick stehen und betrachtete aufmerksam, diese interessante Gruppe. Tie Umgebung des Herrschers mußte wahrscheinlich schon gefürchtet haben, derselbe werde plötzlich ein menschliches Gefühl verspüren und diesen Unglücklichen gestatten, ihre Schuhe auzulogcn. Diese Befürchtung wäre iudcß hier nicht am Platze gewesen, denn dcr Sultan gab feinem Pferde schnell die Sporen und ritt von dannen. -- Die Nachricht einiger deutscher Blätter, Ataifcr Wilhelm habe dem Oberrabbiner von Marokko, der als deutscher General-Konsul fuugire, eine vollständige Talmudansgabe im Prachlbande zum.Gcschenke gemacht, hat hier nicht geringe Heiterkeit hervorgerufen.*) Der jetzige Oberrabbiner von Marekesch *» Änrrr. der Oieb.: Im .Israetirisar nicör bebaurret, fccK der tttr. 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