Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 89 (15.11.1886)
- Date
- 1886-11-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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I.Y richtet. . Doch die Nesormjiidcn sind „tolerant" und der Jude wird verbrannt! Tie Agitation für die vVcncrbi'i'iatumti nimmt in jüdischen (?) Kreisen immer größere Dimensionen an. Ocsterr.-Ungar. Monarchie. And Siebenbürgen, 12. November. Vor vier Jahren verirrte sich ein siebenjähriger jüdischer Knabe von lllosawölkn im Marinaroscher komitctte aus seinem Geburtsorte. Leine armen Eltern suchten ihn vergebens. Drei Jahre .brachte der Knabe bei einem nichtjüdifchrn Tischler in Raßod zn, ohne daß seine Ettern von ihm etwas wußten. Vor einem Jahre kam der Knabe nach Borgo, und ein rumänischer Bauer nahm ihn zu sich inS Haus. Dort ward ans dem Knaben ein ganzer Bauernjunge. Die Inden im Orte sahen ihn täglich mit der Morgenrörhe das Vieh aufs Feld treiben und am späten Abend nach Hanse führen. Trotzdem seine Sprache und seine zerfetzte Kleidung ganz denen eines armen Banernjungen glich, verriet!) sein Acußeres doch etwas Jüdisches. Ost versuchten die Dorfs.indcn ihn 'über seine Herkunft zu befragen, er vermied es aber absichtlich jüdisch zu sprechen und .Auskunft zu ertheileu. Nach vielen Anstrengungen gelang cS einem jüdischen Nachbar des Bauern, diesen ansznforschcn, und so erhielt man Anhaltspunkte über den Geburtsort des Knaben. Inzwischen gelangte die Kunde auch in die Gemeinde Rosawölky und gerade zu der Zeit, als der Barer dieses Knaben starb. Man ließ die schwergeprüfte Mutter nicht einmal die sieben Trauertage sitzen; sie machte sich auf den Weg und kam nach Liftritz, wo der Sitz des Stuhlrichteramtes von Borga ist. Die arme Frau ging zum Herrn Rabbiner Horowitz und erzählte ihr Unglück mir der Bemerkung, das; auf das Verlangen der Borgoer isr. Gemeinde der Bauer keine Rücksicht nehme. Herr Rabbiner Horowitz ging sofort zum Stnhlrichter, welcher die Sache ganz ernst nahm- und auch dem Herrn Rabbiner versprach, alles Mögliche auf.zubiete» und strenge Gerechtigkeit walten zu lallen. Inzwischen aber hatte Hcrr Rabb. Horowitz sich eines anderen besonnen. Er schickte die unglückliche Mutter nach Borgo mir einen Brief an den dortigen Rabbiner: Derselbe solle nämlich trachten, daß der Knabe mir seiner Mutter in irgend einer Weise sich von Angesicht zn Angesicht sehen sollten; vielleicht würde es der Mnrrer gelingen, auch ohne behördliches Einschreiten ihr Kind wieder zu erlangen. Schon nach drei Tagen kehrte die Mutter mir ihrem Sohne, ihrem einzigen K in de. zurück, und ging wieder zum Herrn Rabbiner Horowitz, um ihren Dank für seine Verwen- «2 düng abznstatten. Es war rührend zu höre», wie der Knabe.von seinem Ansenthalte im Banernhanse erzählte. Rührender aber war es, als Rabbiner Horowitz den Knaben ermahnte zu lernen, ein Jude zu fein und wie der Knabe unter heftigem Schluchze» versprach, fromm zu werde». Schon am selben Tage wollte er nicht frühstücken, ohne vorher gebetet zn haben. Tie arme Frau, die nichts har als diesen einzigen Sohn, ist heute vielleicht die glücklichste ihres Geschlechtes. I. Klein. E n g I a li d. Ans London meldet uns der Telegraph die Traueruachricht, daß Herr I e ch i e l B r i l (genannt Zechicl LeeP), der Redacteur der hebräischen Zeitschrift „Libanon" und der Jargon-Zeitung „Sulamith" Plötzlich in der Llürhe seiner Jahre ans diesem Leben ist abgerufeu worden. Herr Bril rry war ein tüchtiger Talmndgelehrter, ein Meister des ncnhebräischen Stnlcs, ein weitgereister und vielcrfahrener Mann. In Briiifch-Ottindien geboren, in Rußland erzogen, wanderte er mir seinem Barer in jungen Jahren nach der heiligen Stadt, wo er den „Libanon" gründete, dessen Erscheinen jedoch nach wenigen Jahren von der türkischen Regierung verboten wurde. Rach langen Irrfahrten ließ er seine über Alles von ihm geliebte Zeitschrift i» Paris wieder erstehen, bis die Ealamiräten des deutschfranzösischen Krieges ihn zwangen, wiederum seinen Wohnsitz zu wechseln. Er siedelte nach Mainz über, wo der „Libanon" als „Hebräische Ausgabe des Israelit" länger als ein Jahrzehnt erschien. Da das Hanptabsatzgebier des „Libanon" das russische Reich war, so verlor derselbe nach Ausbruch des oriencalischen Krieges den größten Thcil seiner Abonnenten. Bril begab sich nach London, wo unter der zahlreich dort angesicdelteu polnisch-jüdischen Bevölkerung seine „Snlamith" reüssirtc. Erst vor wenigen Monaten gelang es B. den „Libanon" unter großen Opfern wieder erscheinen zu lagen: allein die jüngste Nummer der Sulaumh von Freitag. 12. Nov., mußte das vorläufige Eingehen des „Libanon" anzcigen. Das scheint dem Herausgeber das Herz gebrochen zu haben: gleichzeitig mir der Veröffentlichung dieser Anzeige, creilre ihn der Tod. Hoffentlich werden unsere wohlrhärigen Glaubensgenossen in London für die Wirtwc und die unmündigen Kinder Sorg*tragen. Rußland. Ans Rußland. In der letzten Ziehung der russischen 1864a.- Loose gewann ein jüdischer Handlungsgehilfe in Düuabnrg den Hauprrrener von