Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 89 (15.11.1886)
- Date
- 1886-11-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Zcirnrigsiiachvichler» und <vvrrespvlkd-ou.;o»r. D e n t s ch! a u b. <Äitfrc», i_. Nov. (endlich mul) lautem Mampfe ift toit'crf vollbracht, (v<? Dil bet fiel) i» OJ i e fj en eine o r 11) o d o y c 2 c p a r a t- W c m e i li b e. (yiii großer Thcil der hier wohnhaften Juden hat bereits ihren Austritt aus der .Ncligionsgemeindc erklärt und haben sich der neuen NcligionSgesellschast alle diejenigen angeschlossen, die Herz und Sinn für die alren Traditionen des Indcnthnins und für deren heilige Interessen bewahrt haben. Die Veranlassung zn dieser Trennung wurde durch zwei Ursachen begründet. Erstens sind von den Leitern der alten Gemeinde unsere religiösen Bedürfnisse total vernachlässigt worden; so isi z. B. in der großen Gemeinde, die ans I-Iü Mitgliedern besieht, für keinenReligionsunterricht gesorgt worden. Wem die Mittel fehlten, seinen Mindern Privatunterricht errheilen zn lassen, was doch mit schweren Mosten verknüpft war, dem sind sie groß geworden und ausgewachsen iuie die Heiden, und leider ist hier eine ziemliche Anzahl von jungen Leuten - vorhanden-^- die nicht hebräisch lesen können. Zweitens dadurch, daß eine große Anzahl der hier wohnenden Juden, weil sie das hohe Ern.zngsgeld, das ihnen abgefordert wurde, nicht bezahlen konnten — nicht stimmberechtigt waren, also zu den fremden gezahlt wurden — die kein Recht haben, ihre Wünsche zum Ausdruck zu bringen — war die Leitung der Gemeinde solchen Männern anvertrank, die wohl im allgemeinen Verkehr für ehrenhaft gelten, aber für die heiligen Pflichten des Jndentbnms wenig übrig hatten. — Möge es der jungen Gemeinde gelingen, die hohen Motten, die nun entstanden, anfzubringen. |*nr p nrr p — px Berlin, 1!. November. In der Mcibdftraf?c Nr. io wohnte in bcu denkbar dürftigsten Verhältnipen die jüdische Familie Marz, bestehend aus Manu, Frau und adit unmündigen .Mindern. Tie gräßliche Noth wird gesteigert durch eine unheilvolle Mraukheft, an welcher die Frau siech darniederliegt, und wiederholte erfolglose Operationen machten das - Maas; dcS Elends voll, unter dem die unglückliche Familie zu verkommen drohte. Ta sollte ihnen! eine Helferin crtteden, und zwar in der Gattin Sr. Excellcnz des Multusminiftcrs v. Goßlcr. Mamn hatte die edle Frau durch ihren Hausarzt, einen gefeierten Operateur, der auch jene -Schwei kranke in der Miuiif behandelte, von dem (* Unt> und der Würdigleil der Familie Man vernomnren, als sic persönlich eine Eingabe an die Armeu- Eommission der Indischen Gemeinde richtete, in der sie eine Nntcrsiüvmig für die Hartgeprüften erbat. Selbstverständlich wurde dieselbe sofort bewilligt; aber diese Summe konnte natürlich nur für wenige Wochen Nolh und Elend bannett. Hiervon unterrichtet, fuhr die Fron Minister mit ihrem Gemahl an einem der lernen Tage des Lanbhütteiifestes nach dem Gemcinde- Bureau (Rosensir. 2), um bei dem Vorsitzenden der Armen-Eommission ihren ganzen persönlichen Einfluß für ihre Schutzbefohlenen cinzusepen. Ta daS Bureau des Feiertags halber geschlossen war, begaben sich der Herr Minister nebtt Gattin sofort werter nach der Meibelsiraßo in das traurige Heim der Unglücklichen, um sich über die Verhältnisse derselben persönlich zu informiren. Darauf richtete die Frau Minister abermals ein Gesuch an die Armen- Eommission, in welchem sie eine dauernde Unterst üizmig für die Armen bat, und natürlich wurde sofort eine monatliche Subvention bewilligt. Aber wer die ungeheuren'Ansprüche kennt, die jahraus, jahrein an die Armen-Eommission gestellt werden, wird begreifen, das; auch diese Subvention unmöglich ansreicht, um der Roth abzuhelfen. Zinn, wir hoffen .zuversichtlich, das; das rührende Beispiel wahrer Menschenliebe, wie es der zarlsinnige Edelmnth der Frau Minister von Goß! er gegeben, in den weitesten Mreifen nicht nur freudige Genugthnung, sondern auch doppelt kräftige Nachahmung lveckeu wird. Ist doch dicS der schönste Lohn, welchen Hoheprießerinnen der Wohlthätigkeit, wie die edle Frau von Goßlcr, für ihr menschenbcglnckendes Thun ersehnen.' (Ind. Presse.) Berlin, 11. November. Dieser Tage verschied hicrselbsi der Sanitätsrath Tr. Löwenthal, einer der Begründer des Evlbcrgcr Mnrhospitals. Ter Verstorbene ordnete an, das; seine Leiche in Gotha verbrannt und dann die Asche auf dem Friedhöfe in 31'ciüciifcc beigcscm werde. Dr. M a.tzb a nm entumdete mit den Fenerwortcn seiner ftainmcndcn.Rede die Trauerversammlung, nachdem Tr. ttngerlcibcr seine geistliche Mitwirkung verweigert hatte. Tie Aschcnüberresre wurden heute gemäß cincm früheren Beschlune des Vorstandes hier beigesevl und ein eigens verfaßtes Gebet bei der „Beisetzung" gesprochen. Ten evangelischen Geistlichen ist bekanntlich dieTheiluahme an derartigen Feierlichkeiten untersagt, und auch das Haupt der katholischen Ehrisienheir hat in der letzten Woche ein gleichlautendes Verbot an sämmtliche Bischöfe Europa's ge-