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Der Israelit · 1886-11-11 · Heft 88 (11.11.1886) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 88 (11.11.1886)
Date
1886-11-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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J.W» eines ftilfocoiiiil* u und gab somit das Beistucl zur Abhilfe und Linderung. H. d"r war fuiv ein eifriges Mitglied vieler WohllhätigkeilsBerelne nicht mir hier, sondern auch auswärts; die Alliaiic Jsraölitc fand in ihm einen würdigen Vertreter au hiesigem Platze. Und diesen Geist der Frömmigkeit und Wohilhätigkeit suchte cr auch in seinem Hause und in seiner Familie vorherrschen zu lassen. Sein Streben in dieser Hinsicht war von schönstem Erfolge gekrönt, cr hatte die Freude in seinen Söhnen diese seine edle Thärigkeit fortgesetzt und durch Berheirathnug seiner Töchter sich mir gleichgesinnten in religiöser und humaner Beziehung crcellicrcndcn Familien verwandtschaftlich verbunden zu sehen. Mögen die trauernden Hinterbliebenen hierin, sowie andrerseits in der Verehrung, die sie dem Lheucren Dahingeschiedenen gezollt, und in der aufopfernden Liebe, mir welcher sie ihn während der laugen Krankheit gepflegt, Beruhigung und Trost finden. Sein Geist wird fortlcbcn nw tt*? pns und er wird in dem Jenseits, für das er gelebt und gestrebt, den reichsten Lohn genießen. Auch in der Gemeinde, die durch zahlreiche Bcthcillguug an dem Lcicheubegäugnif; ihre-Anerkennung .zollte, wird das Andenken Simon Emannel Lppcnheilner's stets ein gesegnetes sein, seine Wohlthateu bei allen Anstalten in dankbarer Erinnerung bleiben. Diesen Gefühlen gab auch Herr Rabbiner Bamberger unter Hervorhebung der großen Verdienste des Verstorbenen und mit dem Wunsche der Nachahmung desselben in der Grabrede lebhaften Ausdruck. Möge in die entstandene Lücke Ersatz treten und der Tod unsere Besten verschonen. men jp- Bom Nordsccstrande. Seit Jahren lese ich in Ihrem werthe» Blatte, Mittel auf Mittel, wie dem religiösen Jndiffercmismus bei unfern Glaubcnsbrüdern zu begegnen sei, bade aber eins bis jetzt vermißt, das sehr nahe lieg!, und das ich im Folgenden erwähnen möchte. Wer weiß, wie sehr ein Beispiel, ein Borbild wirkt, wird häufig mit Bedauern auf unsre Vorbilder, auf unsere Spitzen im Gemenidelebcu blicken und denken. Wie kann dort ein religiöses Leben blühen und gedeihen, wo solche Herren die Führer und Leiter, und unwillkürlich fällt einem der Satz ans Jesaias ein: „Ihre Führer sind ihre Verführer". Ich habe mir zu diesem Zwecke ein Eollcetancurn von Gemcindevorständen angelegt, das ich in Ihrem wenhen Blatte um Ihrer gütigen Erlaubnis; verössentlichen möchte, um den Gemeinden einen Spiegel vor die Angen zu Hallen, indem sie sieh erkennen, vor sich erschrecken, und das nächste Mal bei der Wahl ihrer Vorstände vorsichtiger zu Werke gehen und nicht blos die am meisten Bemittelten oder die im bürgerlichen Leben sich Hervorlhnenden zu ihren Vorständen wählen, sondern den, der sich als Jude stets gezeigt und bewiesen, daß in seinem Innern ein jüdisches Herz schlägt, das für jüdische Angelegenheiten sich iutcrcffirt und mit Wärme für Erhaltung des wahrhaft jüdischen Lebens eintrirt. Ich will heute mit einer größeren Gemeinde ans hiesiger liegend den Anfang machen. Der erste Vorsteher dieser Gemeinde verheirarhct seine Tochter an einen Christen, raucht am Schabbos öffentlich seine lange Pfeift, und läuft dann, nachdem der Blitz in seines Nachbars Hans eingeschlagen, zur Synagoge, um dort „Gaumcl zu benschen!" Derselbe speist auch im christlichen Restaurant und geht dann Hoschano Nabbo Nacht zum „Lernen". Ist das nicht eine lächerliche Gestalt, die der auf sie sehenden Gemeinde, auch die religiösen Gebräuche lächerlich macht? Ebenbürtig stehen diesem Herrn seine beiden Eollcgen im Borstande zur Seite, zwei Herren, welche kaum Hebräisch lesen können, die am Schabbos hinter der Gardine verkaufen, und sich nicht scheuen, selbst am schabbos Morgen von hier, fort-" zufahren und Nachmittag wieder zu kommen,- oder ihre Söhne ain Schabbos und Jomrow von hier fortschicke», damit sie zur rechten Zeit in N. aukommen, wo Montag Morgen der Viebmarkt beginnt. Dafür lauen die Herren — gleichsam zum Ersatz für ihre Fehler. — in der Synagoge den „Parneß" deutlich hervortreteu, wenn es gilt, die Ehren desselben zu beanspruchen. — Born Ausschnß-Eollegimn derselben Gemeinde will ich nur erwähnen, daß in demselben zwei Herren sitzen, die das ganze Jahr hindurch nicht zur Synagoge kommen, trcifene Küche halten, vor Ehristcn sich schämen Juden zu sein — und da nur einer von diesen Beiden Kinder hat — auch nur einer seine Kinder bat lauten laffeu können. Bon den anderen sechs Herren im Ausschuß kan» ich Ihnen jedoch erzählen, daß sic sich sämnnlich von den Herren Vorstehern in einer derart abhängigen Stellung befinden, daß ne mir ihnen bei allen Beschlüssen durch „Dick und Dünn" gehen. — Dock genug von diesem wohllöblichen Gemeindevoruand — ich habe noch schönere Gattungen in meinem.Kaffen. Diese will ich mi: Ihrer werthen Erlaubnis; das nächste Mal Ihren Lesern zur Schau geben. Ein Reifender.

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