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Der Israelit · 1886-11-11 · Heft 88 (11.11.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 88 (11.11.1886)
Date
1886-11-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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If» brr ÜL'o!l’,i'i!e \Hx. :r nu jnu'iu Abende auf dem Slephansplatze betteln ftcn'ijc» mild in dem er bfl$ Individuum zu cifemu’ii glaubte, welchem einige Tage vorder bei ihm einen niedrigen Filzlmt sieben ein Darlehen von achtzig Brennern .verpfändet Halle. Von anderer Seite wird über das Weftiinönm des.Thätcrs Folgendes gemeldet: In dem ersten Verhöre, welchem Kreittcr gestern Nachmittags im Sicherheits-Bureau der Polizci-Tireetivn unterzöge» worden war, -leugnete er entschieden, die Thal verübt zu haben, trotzdem das; das mittlerweile gegen ihn gesammelte Bewcismatenal ein erdrückendes gewesen war. Regierungsrath Lreitenfeld verfügte daher, den Verhafteten vorläufig abznführen, der daun auch, wohl bewacht, mit trotziger Miene das Zimmer verließ. Kaum jedoch hatte .Kreitler die Zelle, in die er gebracht worden war, erreicht, als er das Verlangen stellte, noch einmal dem Rcgiernngsrathc Vreitcnfeld vorgeführr zu werden, da er demselben eine wichtige Mittheilnng zu machen habe. Diesem Ansuchen wurde denn auch sofort Folge gegeben. Kreitter wurde wieder in das Bureau' des Regierungsrathes Breitenfeld zurückgeführt, llnd dort erklärte er mit einer gewissen Niedergeschlagenheit und mit Thränen in den Augen: ,,Jch hab's gemacht; ich Hab' ihn gestochen, aber ich Hab' ihn nicht nmbringen wollen." Kreitter erzählte hierauf, das; er sein Opfer bereits in der Rothenrhurmstraßc angebcttclt und das (Ersuchen einige Male wiederholt habe; er sei jedoch jedesmal barsch abgcwkesen worden. In der Wollzeile habe er noch einmal ein Almosen verlangt, worauf Schloßberg gegen ihn den Stock erhoben habe. (Einer airbcrtt Meldung zufolge behauptet Kreitter, das; Schlvßbcrg ihn mir dem Stocke geschlagen habe.) Hierüber wäre er derart in Zorn gcrathen, das; er sein Messer aus der Tasche zog. um den verhängnißvollen <5tich anszuführcn. Ans dem kurzen Verhöre, dein Kreitter gestern, nachdem er das Geständnis; abgelegt hatte, unterzogen wurde, geht zweifellos, hervor, daß dieser Strolch, der, wie die Mehrzahl feiner Genopen, mit dem Strafgesetze wohl vertrant zu. fein scheint, um im vorhinein einen Mildernngsgmnv zu schassen, zu seiner Verthcidignug einen Streit vorschützen will, in welchem er mit scinern Opfer vor der Ausführung'des Attentats gcrathen fei. Tie heute Mittags fortgesetzte Untersuchung und Zeugen-Einvernahmc werden recht bald zeigen, wie weil die Angaben Kreittcr's der Wahrheit entsprechen. Bisher har kein Zeuge der nächtlichen Scene den Schloßberg einen Stock anfhcden ichcu.! Ans die Frage, was Krciuer unnlkttelbar nach I x Allsinhrnng des Attentats unternommen, erzählte er, daß er durch die Mariengasse und Rothgaffe auf den FranZ'Iofcphs .Kal gelaufen, von hier längs des Ufers nach der Roßanerläude und dann durch die Berggasse in die Währinget strafte geeilt fei, von tvo er sich nach dem Rathhauspark wendete, lieber seinen Aufenthalt während der erste» Nacht und der darauf folgenden Zeit bis zu seiner Verhaftung machte er unbestimmte und widersprechende Angaben. Feuilleton. Michael. Slrählung von L..Kohn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Der Kalligraph.war noch der harmloseste von Loren,zen's Lehrer, der beschäftigte ihn nur während der Lektion, die er ihm drcinnck der Woche erthcttte, und da harte Lorenz nichts anderes zu thnu, als die Buchstaben nach der Borschrift, die er ihm vorlegte, so gut oder so schlecht als er eben konnte oder auch nur wollte, nachzumalen. Ter Schreiblehrer, der vom Major gut honorirt wurde, hielt cs auch nicht für zweckmäßig, sich in seiner Unterweisung zu übereilen, lobte seinen Zögling über alle Maßen und belästigte ihn in keiner Weise. Dagegen stellte der Franzose mehr Ansprüche, die Lorenz unbillig erschienen und denen nachznkommcn ilnn inr Traume nicht einsicl. Der zudringliche Mensch verlangte, daß Lorenz Declinationen, Eonjngationcn, Worte auswendig lerne, schriftliche Aufgaben, Uebersetzungen mache, lauter Dinge, zu denen er nickt die mindeste Lust verspürte, und es mußte min ein Mittel ersonnen werden, sich beit lästigen Menschen vom Halse zu schassen. Er hatte von seiner Mutter gehört, daß ihre ältere Schwester Mathilde, so hieß die Baronin, in ihrem elterlichen Haufe in ihr Jugend von ihrer Gouvernante auch im Französischen unterrichtet worden war, allerdings, ohne in der Thar etwas Rechtes gelernt zu haben. Auf die schrankenlose Eitelkeit feiner Tante bauend, bar er diese mit schmeichlerifchc» Worten, ihm die große Liebe zu erweisen, ihn im Französischen, das sie. wie feine Mmrer versichere, perfekt spreche, selbst zu uurerrichreu. Unter ihrer Leitung werde er viel einiger und mir besserem Erfolge als bei dem alten, langweiligen Franzosen lernen, der keine Methode besitze und ihn nur ganz überflüssigen Dingen plage. I „Tie gnädige Tanre" war Närrin genug, sich I von den plumpen Schmeicheleien ihres Neuen de-

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