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Der Israelit · 1886-11-11 · Heft 88 (11.11.1886) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 88 (11.11.1886)
Date
1886-11-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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2ÜUcu quer über die .'Kolbeiitbunuftvofie iu bas schmale finstere Manengästchen. Die Hosstädter, die ihm folgte, sab ihn das Nolhgästchen tihrab gegen den '^ranzJoscphs..stai lausen, konnte ihn aber nicht mehr erreichen, da er in ftolflc seines Neimens einen zu großen Vorsprung batte. Matbaviun Hofstädter wurde nach der Einbringung des Mörders in das Gebäude der Polizei-Direktion bel'chieden. Sie erklärte nach vollster Sicherheit, dast der ihr vorgefnhnc Gerhardus Mreitter jener Bursche sei, den sie, als Herr Schlostbcrg tödtlich verletzt an der iviTc der Wollzeiie zusamlnengebrochen war, davoneilen gesehen. Trotz dieser gravirenden. Anssage leugnete mreitter anfangs, der Mörder Schlostberg's zu fern. Aber abgesehen davon, das; die .Hofstädter den .Häftling mit aller Bestimmtheit wieder erkannte, wurde 5t reitter auch noch von . verschiedenen anderen Seiten der Thälerschast vollkommen uberwiesen. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, so wäre dies durch die Aussagen des Professors Tr. Eduard Hofmann und des Poli;ei-Be;t r f Sarztes Tr. Joseph Markbreiter geschehen. Beide Aerzte waren ersucht worden, im Polizei-DirektionS-Gebäude zu eiicheinen, um die Wunde .Sireitter'S zu untersuchen und ihr Gutachten abzugeben. Prosepor Tr. Eduard Hofmann^ welcher "am-Samstag im pathologischen Institute des allgemeinen Krankenhauses die Dbduction der Leiche Schlostberg's vorgenommen hatte, gab die Erklärung ab, das; die Jorm und Beschaffenheit der Wunde am Daumen der rechten .Hand t>treitter's von jenem schneidigen Instrumente herrühre, mit welchem auch dem Vuchdrnckcrei-Besitzcr Schlostbcrg der tödliche Stich in die linke Seite des Halses veigebracht worden ist. In später Abendstunde sollte Mreitter in das Polizei - Gefangenhans in der Theobaldgasse escortit werdet!.- er verlangte aber nochmals dem Negierungsrathe Breitenfeld vorgeführt zu werden, und als dies geschehen war. legte er ein umfassendes Geständnis; der That ab. Wcsthalb er aber dem Buchdrnckcrei - Besitzer den rodtbringenden Stich verletzt hat, blieb vorderhand noch ein Geheimnis;. Man wird nicht Tcbla.elicii, wenn man annimmt, das; 5? reiner von Säilostberg ein Almosen, um das er gebettelt, nicht erhalten hat und an-"- .diesem Grunde die blutige Thal verübte. Sb ein Wonstreil dem Verbrechen vorausgegangen, ob sich Schlostberg den gefährlichcn Burschen vom Leibe zu ballen versucht haue, wird erst die im Zuge benudliche llmersnchnug ergeben. Gerhardns M reiner ist gebürtiger Wiener und auch nach Wien zuständig. Sei» vor einigen Jahren verstorbener Vater war Diurnist, hatte mit Entbehrungen aller Art zu kämpfen und konnte seinen sechs Söhnen nichts zurncklassen. Gerliardiis mied die Arbeit und verkehrte am liebsten mit an rnchigen Individuen in berüchtigten Spelunken. Seine Geschwister gaben in Jolge des liederlichen Lebenswandes des Bruders jeden Verkehr mit ihm auf. Er sank immer tiefer und tiefer, wurde einmal wegen Diebstahls, ein andersmal wegen öffentlicher Gewaltthäligkeit zu sechs Monaten schweren Kerkers, dann wegen Beitelns und Vagabondage wiederholt, abgestrafl. Er bettelte und vertrank da» erhaltene Almosen. .Stimm hatte er das zwanzigste Lebensjahr überschritten, mnstte er wegen seiner viclfachctt Abstrafungen und wegen seiner notorischen Scheu vor Arbeit in der ZwangSarbeitSanstalt in Weinyans internirr werden. Als er wieder in Freiheit gesetzt wurde, führte er das frühere Leben fort. Mit dem Beginne des Heurigen Jahres ist er wieder in die Zwangsarbeilsanstalt abgegeben worden, und diesmal wurde er dort fast zehn Monate angehalien. Erst am ni. v. M., vier Tage vor dem Morde, wurde er aus dem Eorreclioushause entlassen. Bon der Leitung der Anstalt halte er einen „lleberverdienst" von etwa 7 fl. und ein Paar neue Stiesel erhalten, gleichsam als Belohnung für die zufriedenstellende Änfsührung während seiner unfreiwilligen Jnternirnng im Zwangshanse. Die ersten Tage trieb sich .sircitter in Branntweinkneipen und .stassceschänken umher, verbrauchte rasch die wenigen er-, sparten Gulden, mn sich dann wieder aufs Betteln zu verlegen. Der Stephansplatz und die Umgebung desselben waren des Abends die Drte, wo er sich umhertrieb. Einige Nächte vor dem Morde brachte er iu Masseuquarliercu zu, die Nächte nach den» Morde trieb er sich nmerstaudslos in den Straßen Wiens umher. Er getraute sich nicht mehr, ein Lokal zu betreten, da er fürchten mnstte, erkannt und verhaftet zu werden. ES läßt sich auch mit vieler Wahrscheinlichkeit behaupten, bas; .Streiner mit jenem Burschen identisch ist, welcher am Donnerstag auch einen im Stadtbezirke wohnhaften Schneidermeister an der Einplänknng des Erereirplatzes vor der Iran;- Josephs-.>rascrnc überfallen und ihm den llebcniclicr am linken Aerniel mit einem scharsgeschlifsenen Mencr durchschnitten Hane. Er ist auch identisch mit jenem zudringlichen Bettler, der sich Donnerstag Abends in der Umgebung des StephausplatzcS mnhergctrieben und Von sowie in der Nothenlhnrmstraste in frecher Weise von den Passanten Almosen verlangt Hane. Er ist auch mit jenem Burschen identisch, den der Hausbesorger >tarl Zollingcr aus

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