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Der Israelit · 1886-11-11 · Heft 88 (11.11.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 88 (11.11.1886)
Date
1886-11-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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irren und Detijören zu lassen, und erklärte dem unangenehm überraschle» Sprachlehrer, der wume, das; sie auch nicht den einfachsten, französischen 2.U* zu constrnircn vermöge; sie würde den Unterricht Lorenzens selbst übernehmen. Ta „die gnädige Frau Tante" selbst gar nichts wußte, konnte sie sclbftrcdcud auch nichts unterrichten. Sie las mit ihrem Schüler die ersten leichten Aufgaben aus einer altersgrauen dnuiimahe. aus welcher sie in ihrer Jugend hätte lernen sollen, aber nichts gelernt hatte: daun sprach die Baronin ihrem ungelehrigen Schüler einige ihr geläufigen AUerweltsphrasen vor, und als m einigen wenigen Lektionen ihr äußerst spärliches Wissen bis auf den letzten Tropfen versiegt war, brach sie diese, unter dem Vorwände, sie sei vorläufig von den Haushaltungsgeschäften zu sehr in Anspruch genommen, ab, und verschob deren Wiederbeginn ad ealendas graecas. Von diesem ersten Erfolge anfgemuutert machte Lorenz ein nicht minder gelungenes Experiment in nahezu gleicher Weife. Er bat nämlich auch den Cnfd, da er ein so tüchtiger Mathematiker sei (Lorenz wählte, wenn er etwas von ihm erlangen wollte, die glänzendesten Bezeichnungen) möge er „die Gnade haben" ihn selbst im Rechnen zu unterrichten. Er habe, das sei schon in seinem ganzen Wesen erkennbar, eine viel bessere Methode als sein Lehrer und cr-Lorenznän:lich — würde die^ Sache bei seiner Unterweisung viel besser anffapen. Ter Major griff mit Vergnügen zu. Er war noch immer durch das „nichtswürdige" Podogra an den „vermaledeiten" Lehnsessel gefesselt, und hatte außer zu essen, zu trinken und zu schlafen, eigentlich gar nichts Vernünftiges zu thun, und da er wohl die Rekruten im Veiten, Fechten Schießen und Exrerckren unterwiesen, sonst aber, so lange er diesem irdischen Jammenhale als Weltbürger angehöne, noch kein menschliches Wesen in wincuschaftlichen Gegenständen nnterrichrel hatte, erschien ihm dies als eine reizvolle Abwechslung und der eitle Mamt, dem plötzlich ein ihm bislang selbst vollkommen unbekanntes Talent angeschmeichelt worden war, wollte versuchsweise sein ('knie, das wie er glaubte, als Siriegciimmt lange nicht zur vollen Entwickelung aufgerollt worden war, als Rechenlehrer leuchten lanen. — Baron Horneck haue nicht nur nie etwas gelehn, sondern auch sein volles Leben lang nichts Rechtes gelernt, und da ihm pädagogisches Talent nicht als Wicgengeschenk bcscheerr worden war, mußte er bald inne werden, daß sein können weit Himer seinen! Wollen zurncküehe. Er wußte sich nicht anders zu Ijelfen, als ^aß er, wie er sich ansdrückle, „die Sache am richtigen Zipfe! ausaßte, daß er praktisch vorging" und nur solche Rechenerempel wählte, u»ic sie iljm als Eskadronlommandaulen vo.gekommen waren. Fn der ersten Lektion gab er seinem Ressen und Schüler zu berechnen, wie viel (^eld er als Eskadronchef jeden fünften Tag zur Auszahlung für 12«) Mann, sieben Grenzer per Mann und Tag, bedürfte. Run eunuiifeüe Lorenz eine außerordentliche Wißbcgierde, die sich aber seinem gewählten Berufe entsprechend, mehr ans militärische Angelegenheiten als auf das Rechnen bezog. Er erkundigte sich nämlich wie viel Mann eine Eskadron, wie viel Eskadrone ein Bataillon, wie viel Bataillone ein Regiment, wie viel Regimenter eine Brigade bilden. Bei dieser passenden Gelegenheit erbat er sich auch Auskünfte über die Zahl der Offiziere bei einem Rcgimente, und deren Rangordnung. Run schien es dem Major höchst ange.zcigt, den Wissensdurst seines Schülers zu stillen, dann aber war Lorenz in seinen Fragen unermüdlich, erkundigte sich, wie cs möglich sei, so viele Leute in Ordnung zu erhalten, und führte, um sein diesbezügliches Erstaunen vernünftig zu motiviren, die Thalsache an, daß der Schullehrer in W. „schwere Arbeit" gehabt hatte, fünfzig Schuljungen in Ordnung zu erhalten und wußte hierbei recht wirkungsvoll einige vorzügliche ausgeführte Schclmenstücke der nichtsnutzige«« Buben z«? erzähle«« (die Erzählnngen bildeten eine Art Autobiographie), so daß der Major, der in seiner Jugend, wie er seinem Reffen mit mehr Freimnth als pädagogischer.Klugheit mitthcilte, selbst ein „Haupt-Lumpazi" gewesen, nicht aus dem Lachen hcrauskam und ihm die Thränen stromweise über die kirschrothen Backen in den dicken grauen Schnurrbart flössen. Major Horncck wollte als humoristischer Erzähler, nicht hinter dem „Mordmalenzkerl" wie er Lorenz im tete-ä-t«*‘te mit der Baronin höchst liebevoll bezeichnete, Zurückbleiben und erzählte seinerseits wieder .komisches aus dem Militärleben, so das; Lehrer und Schüler sich bei diesen eigeuthümlichen Rechenftnnden königlich amnnrten und sich bei diesen so vertieften, daß sie von der „gnädigen Tante" regelmäßig von ihrer anstrengenden Beschäftigung zu Tische gerufen werden mußten. Wer das Leben denkend und prüfend beobachtet, wird erkennen, daß in vielen Fällen, nicht die Eigenschaften, die ein Mensch besitzt, sondern anderweitige außerhalb seines Wesens liegende Faktoren entscheidend auf sein Schicksal cinwirken. Auch Lorenz Golzinger halte die Gunst seiner Bssegeeltern nicht allein seiner einschmeichelnden Unterwürfigkeit, sondern auch einem glücklichen Zusammentreffen

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