Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 88 (11.11.1886)
- Date
- 1886-11-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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trunken. Ter Anssordernug des Wachinaimes, ihm ,Vi folgen, flcI)ovd)ic er un^euhiicMul), und der Wachuraim führte den Burschen aus das irr der Nähe gelegene Eommissariat. Allch dieses Halle in der vorgestrigen Nacht viel mit ausgegrisfenen Bagabunden zu thuu, und der Bursche, welcher dem arrclircuden Kommissär Schild vorgeführt wurde, war gerade der Einnndsünszigste. Ter Kommissär musterte den Burschen, eine kleine, gedruugeue Gestalt mit verschmitztem Gesicht, mit kurzem, duukelvrauuen Loden-Wintcrrocke und niedrigem weichen Filzhute vckleidet. „Das ist der Mörder Schlostbcrg's," fuhr es dem Eommissär Schild durch den Sinn, und iu der Thar, die Personalbeschreibung, die van dem Mörder vorlag, passte genau auf den Vagabunden, den ein glücklicher Zufall der Polizei in die Hände geführt hatte.- Das Ergebnis; einer Leibcsuntersuchüng, welcher der Vagabund sofort unterzogen wurde, bestärkte den Eommissär in seiner Vermuthung. Man fand nämlich bei dem Burschen ein scharsgcschliffcnes Schnappmesser, an dessen klinge man deutlich dunkle Flecken wahrnahm , welche augenscheinlich von Blut herrührten. Auch in dem kleinen Scitentäschchen an der rechten Außenseite des LadcnrockeS fand man dunkelgeröthete Stellen. An dem Daumen der rechten Hand des Burschen, welche in eilten Leinenverband gehüllt war, zeigte sich eine Schnittwunde.- Bezirksleiter Polizcirath Heide lief; den BezirkSarzt Dr. Hopfgartner holen, und dieser erklärte, bas; die Wunde, welche sich am unteren Theile des Daumens befand und quer verlief, vor etwa vier Tagen beige brache worden sein musste. Alls Grund dieser Verdachtsmomente wurde der Bursche in der Nacht scharf bewacht und gestern Vormittag in einem komfortable von dem Deteerive Bauer und einem Wachmanne aus die Polizei-Direktion gebracht. Fast um dieselbe Stunde, zu welcher gestern Vormittags die Leiche Schloüberg^s auf der israelitischen Äbtheilung dcS Eenlral-Friedhofes in das Grab gelegt wurde, hielt vor dem Gebäude der Polizei - Direetiou auf dem Schotteuring der komfortable, welcher den Mörder Schlostberg's brachte. Auf dem Bocke des 'Wagens neben dem .stmfcher fast ein uniformirter Sicherbeitswachiuann. der, als der Wagen hielt, fown abfvrang,. den Schlag öffnete und mit scharren Augen den aus dem Eoupü steigenden verhafteten Burschen überwachte. Dem jungen Manne folgte der dein Polizei-Eommiffariate in der Lcopoldstadr zugetbeilre Derecrive Bauer. Als die vor dem Polizei- Direerions-Gcbäuoe' augefammelre Menge des verdächtigen jungen Mannes ansichtig geworden, gab es kein Zweifel mehr, dast derselbe der Mörder sei. „Der Mörder Schlostberg's!" erscholl es im .streife, wie ans einem Munde. Die Personenbeschreibnng, welche die wenigen Zeugen des Mordes von denk Mörder entworfen hatten, pastreu bis auf ein einziges Merkmal vollkommen auf den Arrestanten. Der kurze, dunkelbraune Nock ans Loden, das niedrige weiche Hütchen, das fast ganz bartlose Gesicht fielen sofort auf. Abweichend von der der Polizei-Direktion bekauntgegebenen Personenbeschreibnng war die Gcsichrsbildung. Während nämlich eitrige Zeugen den Attcnthäter a!S einen jungen Mann mit rundem vollen! Gesicht schilderten, zeigte es sich mm, dast er ein längliches, mageres Gesicht mit rohem, verschüttetem Ausdruck hat. Er hatte ganz das Aussehen eines sittlich verkommenen Individuums , eines der in Polizeikreifen unter dem Namen „Pilger" bekannten arbeitsscheuen Gesellen, wie solche zu Dutzenden sich in der Residenz umherrreiben und daS Publikum durch freches Benehmen behelligen. Der Mörder Schlostberg's, ein wegen Diebstahls, öffentlicher Gewaltthätgkeit, zudringlichen Bettelns und Bagabondage bereits abgestrafrer Bursche, heisst Gerhard ns streiiter. Er ist in Wien geboren, 24 Jahre alt, von Prosession Goldarbeirer, ledig. Zuletzt will er Hausknecht gewesen sein. Seine Gestalt ist mittelgrost und robust und verräth ans den ersten Blick störperkraft. stanm dast er das Eonpü des Eomfortables verladen hatte, nahmen ihn Deteetive Bauer und der ^ickerhcirswachmann in die Mitte und escortirren ihn in das Bureau des Negiernngsrathcs Breitenfeld, in welchem die Polizei-Eommiffäre Bauer und Polt anwesend waren, streitter wurde sofort einem Verhör unterzogen, wollte aber Anfangs leugnen, westhalb zu seiner Eonfronlirnng mit den Augenzeugen des Mordes geschritten werden musste. Das wichtigste Verdachtsmoment, dast der Verhaftete der Mörder Schlostberg's sei, war die Aussage der Handarbeiterin stalharina Hosstädter. Dieselbe halte bei der Verübung des Mordes den Verbrecher sowohl als sein Opfer genau gesehen. Schlostberg kam vom Franz-Fosephs-.stai durch die Norheirthurmsstraste herauf und ging eiligen Schrittes in der Richtung gegen die WoÜzeile. Von der Apotheke „zum schwarzen Bären", au der Ecke der Nolhenthurrnstraste und des Lngecks, folgte ihm jener verdächtige Bursche in einer Entfernung von etwa fünf Schritten ans den: Fuste. Plövlich hörre.starhariua Hosstädter den zweimaligen Nus: „Polizei' Polizei l". und gleich daraus sah'sie den alten Mann zusanunenbrechen. Der Bursche, der hinter ihm dergegaugen war, lief fast gleichzeitig in mächtigen