Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 88 (11.11.1886)
- Date
- 1886-11-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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12)21 flcn unmiöjlrtNc sie für io unglückliche MiiiIht I HM M., imb Halle H».', M. Spesen. TieSlistting lonntc bei ihren beschränkten Mittel nur völlig unzureichende Unterstützungen gewahren; sie appcttirt daher an die Theilnahme edler Menschenfreunde. Tie Berwaltnng besteht an» den Herren Jakob PH. Oppenheimer, 'Adolf L. A. Hahn, Direktor Tr. 'Bärwald, Tr. Blumenthal und A. Tnrlachcr. Ocsterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 5. November. Eine schreckliche Umhat versetzt die ganze <Ltadt und namentlich die Israeliten in große Aufregung. Ter in weiten Kreisen bekatmte Wiener Buchhändler und Buchdrucker, Herr Jakob S ch I o s; b e r g, wurde gestern um in Uhr Abends auf öffentlicher Straße, auf dem „Stephansplatz", auf dem zn dieser Snmöc ein sehr lebhafter Berkehr ftattfindet, von einem Individuum erstochen. Herr Schloßbera gab auf der Stelle seinen Geist ans; der Mörder emflolj. Ter Grund der Unthat ist nicht bekannt. Ter Ermordete stand im Alter von 60 Jahren und erfreute sich der Achtung Aller, die ihn kannten. Bon kleiuen Anfängen brachte er es so weit, dag er der angesehenste jüdische Buchdrucker und Buchhändler in Wien wurde. — Wien, 7. November. Gestern BormittagS um halb 10 Uhr fand im anatomisch-pathologischen Institute des allgemeinen Krankenhauses die gerichtliche Obduction der Leiche Schloßberg's durch Prosen or Eduard v. Hofmann unter Assistenz des ProfegorS Kundrat statt. Tie Obduktion, welcher LaudcsgerichtSrath Dr. Lauser beiwohnte, ergab folgendes Resultat: Schl, war ein trotz feines Alters noch immer kräftig gebauter Mann mit außergewöhnlich stark entwickeltem Nacken. Ter Tod Schloßberg's trat in Folge des ihm beigebrachten Messerstiches ein. Ter Stich must mit großer Gewalt geführt worden sein, denn die Messerklinge dnrchdrang den Kragen des Winterrockes, den" des Iagncts, des Gilets und des Hemdes und bohrte sich dann tief in das Fleisch ein, die große Schlagader (t total durchschncidend. Tie Wunde, welche 80 Millimeter tief ist, war eine solche, das; an Nettnng absolut nicht zu denken war, da in Folge der Turchfchucidung besi’arotLs dcrBlnrverlust ein enormer war. Was das Mordinstrument anbelangt, ist aus der Beschanenheit der Wunde nicht genau scstznstcllen. ob danelbe ein zweischneidiges Stile: oder ein "gewöhnliches scharfgeschliffenes Taschenmesser war. So viel ist jedoch gewist, das; es ein sehr scharfes Instrument gewesen fein must, was an den schart abgcgrcnztcu Wundräudern zu ersehen ist. 'HMni, 8. November. Ter '.Norder des. Bnchbrmferei - Beugers S ch I o st b e rg ist gestern Morgen enideckl und verhafiel worden; derselbe hat auch bereits ein Geständnis; der Thai abgelegt. Die Bermnthnng, dast derselbe einer jener Bagabnnden sei, welche Abends in den Straßen das Publicum durch zudringliches Betteln zn belästigen pflegen, hat sich vollkommen bestätigl. Ter Verhaftete heißt Gerhardns Kreitter, ist viernndzwanzig Jahre alt und ein geborener Wiener und wurde wegen BettelnS, Bagabondagc, Tiebstahls nnd öffentlicher Gewaltthättgleit bereits wiederholt abgestraft. Wahrscheinlich ist er anch identisch mit jenem Bettler, durch welchen ani Tonnerstag und an den vorhergcgaugenen Abenden in der Wo'lzcile und auf dem StephanSplatze zahlreiche Personen in zudringlicher Weise belästigt nnd sogar mit dem „Erstechen" bedroht worden sind. Ter Fall beweist also von Neuem, wie gefährlich für die Sicherheit des Wiener Publikums jene Elaffc von Bagabnnden ist, die schon seit einer Reihe von Jahren mit Anbruch des Winters in den Straßen Wiens ihr nächtliches Unwesen treiben und zu deren Abwehr das bisherige Aufgebot von Sicherheits-Organen nicht ansrcichte. Nachdem die Bedrohung des Publikums durch diese gefährlichen Elemente üiS zum offenen Mord und Todtfchlag auf offener Straße gediehen ist, wird hoffentlich dieser Falldie Wirkung haben, daß ohne Zögern an eine ausreichende Bermehrnng der Sicherheitswache zum Schutze des Pnblikunis gegen ähnliche Angriffe und Bedrohimgeu nnd zur vollständigen Unterdrückung des Bagabnnden-Unwcsens geschritten tverden wird. lieber die Ergreifung des Mörders Schloßberg's nnd über die bisherigen Nefnltate der gegen ihn geführten Untersuchung liegen folgende Berichte vor: Ter Polizei-Präsident hakte für die vorgestrige Nacht eine allgemeine Streifung angeordnet, welche ein zicinlich ergiebiges Resultat ergab, denn es wurden mehr als 150 verdächtige Individuen aufgegriffen nnd auf die verschiedenen Eommiffariate gebracht. Anch der - Wachmann Jakob , P o 11 a?, welcher in der Nacht von Samstag ans Sonntag den Ranon von der Ferdin-andsbrücke durch die Taborstraße und Negerlegane zn begeben hatte, schenkte den verdächtigen Personen, die er antraft größeres Augenmerk als sonst. Um 4 ttbr Morgens — es herrschte noch Tunke!heit — ging der erwähnte 'Wachmann durch die Negerlegaffe. Ta erblickte er in der Vertiefung eines Hanstbores einen Burschen. Er trat näherder Bursche schlieft Ter 'Wachmann rüttelte den Schlackenden, dieser erwachte nnd reckte nch schlaft