Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 87 (8.11.1886)
- Date
- 1886-11-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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I.'Mll Wichaek. Erzähkmrg von S. Ko hu, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) In den Nachmittagsstunden jenes denkwürdigen Tages, an welchem Graf Zeno seinem Oheim das Erste- und Letztem«! seine Referenz bezeigen wollte, gelangte Gol.zingers Brief in Hornecks Hände. Wie wir schon erwähnt haben, hatten sich der Baron und die Baronin in Folge der gemeinschaftlichen Beleidigung einander genähert. Das unterwürfige Benehmen Golzingcrs hob sich gegen die „bübische Erzflegelei," wie sich die Baronin kraftvoll aber nicht unrichtig ansdrückte, des Grafen Zeno, äußerst reizvoll ab. Tie Hornecks hatten, seit sie die Ehe mitcmandergeschlossen, von des Barons Berwandtcn nichts als Kränkungen und Verdruß erfahren, jetzt aber war der letzte verhängnisvolle Tropfen, der den- Eimer zum Uebcrlanfcn bringt, hinzugctrctcn, und sie beschlossen, ihren adeligen Verwandten zu Trotz, sich den bürgerlichen zu nähern, und namentlich und ganz besonders Lorenz in Gnaden aufzunchmen; ja die Baronin schlug vor, den jungen, nach der Schilderung ihres Schwagers, so liebenswürdigen Neffen in ihr Hans aufznuehmen und ihn dort für seinen künftigen Berns vorzuberciren. Bürgermeister Golzinger sah durch das umgehend cinlaufeudc Antwortschreiben seines Schwagers seine kühnste» Erwartungen überflügelt. Tas; er schon beim ersten Anlauf so viel erreichen würde, hatte er nicht gehofft. Major Hornek schrieb ihm, daß es ihn herzlich freue, das; er seinen Sohn dem MiliLärstande zuwcnde. Es sei dies der einzige, bei dem es „ein nichtiger Kerl" in dieser Zerr zu etwas bringen könne, und wenn ihm die sackerment - sche „Gicht," die er sich in „dem verfluchten" Tnrkenkricge geholt, nicht das Weirerdieucn unmöglich gemacht hätte, wäre er selbst gewiß noch „ein großes Thier" geworden, und führte zum Beweise dafür an, daß seine früheren Kollegen jetzt schon Generäle seien. — Er wolle sich recht gerne seines Pachen, des Lorenz, annchmen und dafür Lorge tragen, daß er es-beim Militär vorwärts dringe. Er glaube, das; es sich empfehlen würde, den dreizehnjährigen Burschen nach mit* nach an militärisches Wesen zu gewöhnen, und da könnte sein eigenes Hans die beste Schule hierzu abgeben. Er, — der Major nämlich, — habe jetzt gar nichts zu thun, und daher Zeit sich mit „der Dressur" des jungen Burschen zu befassen, dem vor Allem „sein bürgerliches Wesen" abgeschliffen werden müsse. Die Baronin, tue ja Lorenzens leibliche Tante sei, würde für „Futter und Montur" sorgen. Wenn es also dem Herrn Schwager und der Frau Schwägerin (so verwandtschaftlich herablassend hatte sich Baron Horneck bisher noch nie ausgedrückt) recht sei, sollten sie seinen „lieben Neben und Pathen" sauber zusammenpacken und zu ihm nach Wien senden, wo er freundlich empfangen werden würde. Golzinger hatte vorerst noch den Widerstand seiner Frau zu besiegen, die sich nur schwer von dem einzigen Kinde trennen wollte; aber sie vermochte endlich doch die großen Bortheile, welche hieraus für Lorenz entstünden, zu infirbigrii, und Golzinger schrieb einen von rührenden- Dankesaus- . brüchen überströmendcn Brief an den Baron, in welchem er und sein Sohn des Herrn Schwagers und der gnädigen Frau Schwägerin ^gnädiges'Anbot," mit „erschüttertem Herzen und unterthänigem Tanke" annahmen, und seine Frau und er, „das Theuerstc auf Erden, das ihnen der liebe Gott geschenkt, den würdigsten Händen ruhig anvertraue» wollen." Aus der schwungvollen, in die gewöhnliche Redeweise übergehend, schloß er, mit der Miitheilimg, er würde in 14 Tagen, bis wohin Lorenz' Equipiruug (damit er dem hohen Range seines Oheims und Gönners entsprechend Auftreten könnte) fertig sein würde, mit diesem nach Wien reisen und persönlich seine Aufwartung machen. Als Golzinger mit Lorenz in Wien bei Schwager und Schwägerin einrräf, bewies sich der pfiffige Bursche, der schon früher von seinen Eltern präpa« rirt und instruirr worden war, so demüthig und zärtlich, das; ihm der Baron vergnügt aus die Schulter klopfte und die Baronin ihm Haar und Wange streichelte. Gol.zingers Andeutung, daß er mir Vergnügen bereit sei, alle für sein Kind gemachten Auslagen zu ersetzen, wurde von der Baronin mir einer majestätischen Handbewegung .zurückgewiesen, und der Major erklärte, zu Golzingers höchster Befriedigung jeden solchen Versuch als „eine Haupreselei und eine direkte Beleidigung!" Ans diese Weise war Lorenz Golzinger in das Haus seines Oheims gelangt. Vater und Mutter hauen ihm eingeschärft. Alles auszubieten, sich die