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Der Israelit · 1886-11-08 · Heft 87 (8.11.1886) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 87 (8.11.1886)
Date
1886-11-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1510 Neigung feine* Onkels und seiner Tante zu erringen und zu erhalten, Alles zu Lhnn, was sie wünschten, sich ihnen ganz zu untcrordnen, und ihrn deutlich anseinandcrgeseyt, das; er für den Zwang, den er sich anserlegen müsse, in der Zukunft überreich entschädigt werden würde. Lorenz Golzinger war ein nichtsnutziger, aber ein durchtriebener Junge, der die Sachlage richtig anfzufasseu, und wenn es Noth that, sich zu verstellen vermochte. Er wußte sich rasch in die neuen Verhältnisse hineinzuleben und die Schwächen seiner Pflcgeelrcrn zu erkennen und gehörig auszunützen. Er heuchelte ihnen Liebe und Zärtlichkeit, die er nicht für sie empfand, und eine Ehrerbietung , die er für sie nicht zu fühlen vermochte. Er küßte dem Baron und der Baronin bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die Hand; er sprach die Baronin „gnädigste Frau Tante" an, und wenn er sie im anstoßenden Zimmer wußte, sprach er laut in den zärtlichsten und gewähltesten Ausdrücken von ihnen. Schon in den ersten Tagen seiner Anwesenheit ließ er sich recht geschickt von der Baronin dabei überraschen, als cr deren Paftettbild inbrimsiig küßte, was diese ihrem Gatten gegenüber zu der Aeußerung veranlage: ein so herziges, liebes Kind, wie ihr Schwesmsohn, sei ihr ihr Leben lang nicht vorgckommen!" Lorenz suchte sich seinen Pstegeelrern in eigenthümlicher Art nützlich zu machen. Wie die meisten schlechten Menschen nach sich urtheilend und daher Andere mißtrauend, hatte er sich im Hause seines Onkels, in der schon im Laterhause geübten, zuweilen sehr nutzbringenden Kunst des Spiomrens sehr vervollkommnet und konnte schöne Resultate aufweisen. Ein langjähriger Diener des Majors und ein älteres Stubenmädchen der Baronin, die ihm auch ihrem Aeußern nach mißfiel, schienen ihm seinen Einfluß im Hanse schmälern zu können, und schon nach wenigen Tagen seiner Anwcftrcheir hatte er mit scheinheiliger Miene und der Bitte ihn nicht zu verratlren, dem Major mitgerheilt, daß der Diener Franz fleißig den thenern, türkischen Tabak seines Herrn mitranche, das Stubenmädchen, dem die Schlüssel der Speisekammer anvertraut waren, die von ihr gehegte gute Meinung nicht verdiene; und die beiden Domestiken wurden entlassen. Was Lorenzens Beschäftigung im Hauseseines Oheims betraf, war diese eine eigenthümliche. Major Baron Horneck war nicht weniger unwissend als sein Reffe. Es war damals, vor nahezu hundert Jahren, eben ganz anders als in der Gegenwart. Während jetzt jeder Offizier in der Armee eines civilifirten Staates ein gebildeter Mann ist, und in Folge der Armeeorganisälion auch sein muß. waren die meisten Offiziere jener Zeit Menschen von äußerst geringem Wissen. — Es erschien allerdings unangänglich, einen dreizehnjährigen Burschen ganz ohne jeden weiteren Unterricht zu lassen, aber Lorenz wurde von demselben nicht sehr belästigt. Man ließ ihre, nur ihn nicht ganz müpig gehen zu lassen, im Französischen unterrichten, hielt ihm, um seine Schrift zu verbessern, einen Kalligraphen, nahm ihm endlich auch einen Rechenlehrer, weil der Major, der sich früher als Escadronskommandant mit dem Rechnungswesen beschäftigen mußte und daher im Rechnen einen gewissen Grad von Fertigkeit erlangt hatte, bei einer Gelegenheit gefunden hatte, daß Lorenz in dieser Tisciplin „auffallend" zmnck sei. Allein der schlaue Lorenz, der, wie wir wisten, kein Freund geistiger Anstrengungen und des Lernens war, wußte bald seine Lage in für ihn erfreulichster Weise zu. verbeffern. (Fortsetzung folgt.) »Der Israelin erscheint wöchentlich zweimal» Montage« und Donnerstags, jedesmal in nrindeikens 2 Bogen. Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 ReiLS-Mark. fürs Ausland 16 Reichs-Mark. Mau aionnitt ganzjährig, halbjährig oder vierreljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 23 Pfennige di-: dreigrjpaNene Pemzeile oder deren Raum. — Oestrrreichrsche Banknote» laut EourS. — Drrecre Francozufendung nnrcr Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 5 st. österr., füOs Ausland 16 Reichs Mark arr die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitende Artikel: Abraham. — Cmüöic und offizielle B-ahrbei:. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Lnrngarr. Berlin. LSrefcherr. — Oesterr Nng. Monarchie: 2ma! Budavcft. — Türkei: Ädrianopel- — Feuilleton: Michael. — „ Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und CorresponSenzerr: Dcurfchkand: Berlin. Bielefeld. — Holland: Amsterdam. — Oesterr.- Ungar. Monarchie: Wien. — Feuilleton: Briefe ans dem heiligen Lande. Verantwortliche Redackiou: vr. Lehmann in Mainz. — Expedins» große Bleiche Rr. 43. TruS und Verlag von Oscar Lehmann in Main^. <Hierz« eine Geilü§e.Z

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