Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 87 (8.11.1886)
- Date
- 1886-11-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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IfjUH ZU erobern, da bereiteten ihn die ^eneiivuuiitfelK mib Gebete unserer Ehachamim. Am 2!». Mai lt.'.-r sie! toönflrtmuunu'l in die Hände dieser' Fürsten, der mm, um diese Stadt, die er zu seiner neuen Residenz erkoren und ans der sied alle christlichen Einwohner . geflüchtet, wieder zu bevölkern, einen Aufruf au alle Juden seines Gleiches ergehe« lies;, nach Konstantinopcl zn kommen und sich dort anzusiedeln. Zahlreiche angesehene und wohlhabende jüdische Familien verlieben damals unsere Stadt und nbersiedelten nach der neuen Residenz. Aber schon ein halbes Iahhundert später erhielt innere (Gemeinde einen mehrfachen Ersatz für diesen Vertun. 1402 ertieüen bekanntlich Ferdinand, der Katholische, und seine Gattin Isabella,. die Beherrscher Spaniens, ein wühnwizigks Edict, in welchem sie alle Inden ihres Reiches anfforderten dasselbe binnen drei Monaten zu verlassen und sich ein neues Vaterland zu suchen. Tausende von diesen spanischen Emigrantenfamilien kamen damals nach der Türkei, wo sie aufs gastfreundlichste empfangen wurden, siedelten sich dann in Konsrantinopel, Smyrna, Salonichk, Adrianopel rc. an. Ans einigen Synagogen unserer Stadt begannen mm langsam die' griechische Sprache und der p '^2 (griechische Ritas) zu schwinden und an deren Stelle kamen die spanische Sprache und der spanische Ritus tsd iras. Viele Synagogen hier tragen daher noch heute die Namen spanischer Provinzen, da ihre Gründer oder Besucher aus der betreffenden spanischen Provinz stammen. So gibt cs eine castilische, eine arragonische, eine sarragossaische Synagoge rc. Adrianopel blieb von mm an durch volle vier Jahrhunderte von der Kriegssackel verschont, und die Inden lebte« so hier ruhig und zufrieden. Tie Ruhe von autze« konnte jedoch nicht verhindern , das; in unserer Gemeinde tcibff, wo cs mm zwei von einander streng geschiedene Parteien, eine griechisch-türkische und eine spanische gab, ein heftiger .stampf ausbrach, der den Sultan zwang, als Schiedsrichter aufzutreten. Eine jede dieser zwei Gemeinden erhielt dann ihren eigenen Rabbiner, eine Einrichtung, die noch zur Zeit hier besteht, obgleich der Unterschied zwischen den türkisch-griechischen und den syanischen Inden schon längst aufgehört hat Tie Würde dieser zwei illobbiucu wird jedoch heute nicht mehr verliehen, sondern erbt sich fort in jener Familie, die sie schon im Ist. Jahrhundert besessen har. Jeder dieser beiden Rabbiner hat eine bestimmte Anzahl von dm in Rmnclicn und Ostrnmclien bestehenden Gemeinden unter sich, über die er seine Jurisdiction ausubr und in denen er auch rhcils persönlich rs*n 'rrrp: und Ehescheidungen vornimmr, oder auch sich durch einen Legaten vertreten lässt. Als später der fatsche Messias Sabbathai Zewi anftrat, fand er auch hier einen starken Anhang, und in mancher Synagoge hier, wenn deren Besucher zufällig zur Partei dieses neuen Erlösers gehörten, wurden die Gebete für die baldige Ankunft des Messias nicht mehr rccitirt. da derselbe doch schon erschienen wäre. Sabbathai Zewi hat hier auch in einigen Synagogen gepredigt und dem damaligen Rabbiner der sephardischen Gemeinde hier prophezeite er, das; das Rabbinal stets bei seinen Rachkommen bleiben werde. Tiefe Prophezeihnng ist auch richtig in Erfüllnng gegangen und aus Achtung für diesen Propheten begeht die Familie des genannten Rabbiners noch heitte jährlich eine Traueraudacht (nuum) für deyen. Sabbathai Zewi's, Seelenruhe. Rach der Ruckerobernng Ofens, Stnhlwckszenbnrgs, Temesvars, Groffwardcins, Lajas ». s. w. durch die Kaiserlichen fluchteten viele sephardische Familie» von dort hierher und fanden hier einen freundlichen Empfang und auch brüderliche Unterstützung. 1827 erschien General Tiubilsch (Balkanski) mit einer russischen Armee vor unserer Stadt und forderte sie zur Uebergabe auf. Türken wie Juden bereiteten sich vor, eine lange Belagerung anszuhalten, um es so einem türkischen Deere zu ermöglichen, sich in Konstanrinopel zu comcntrircn und dann zum Entsätze unserer Stadt hierher zu eilen. Tie Stadt siel jedoch schon einige Tage nachher in die Hände der Rune», die mm im hiesigen Jndenviertel furchtbar hausten. Damals wurden hier auch zwei Synagogen in Brand gesteckt, die sammt ihren Thorurolleü und ihren Bücherschätzen ein Raub der Flammen wurden. 1878 trennte der Berliner Eongreff Oftrumelien von Rnmelien, und Adrianopel, das bisher die zweite Residenzstadt des türkischen Reiches war, wurde so über Nacht eine simple Grenzstadt. Handel und Wandel begannen langsam abzunehmen und sich -mehr nach Konstanlinopel zurückzuziehen, wo die vielen dort eristireuden Bankhäuser und Banken den Verkehr ohnedies ungemein begünstigen. Mit dem Handel zogen aber zugleich auch viele reiche indische Familien von hier nach Konftantinovel, und unsere Gemeinde ist so wieder im Abnehmen begriffen. Mir der im vorigen Jahre erfolgten Vereinigung Ostrnuieliens mir Bulgarien wurden auch die in ersterer Provinz wohnenden Juden, die bisher unter der Jurisdiktion unserer Rabbiner standen, von uns losgetreum und mit letzterer Provinz vereinigt. Ter Ehacham Bafchi , Grostrabbiner) von Sophia, Rabbi Joffes Ek-Mnsttini "i ist somit beute auch der Oberrabbiner der Juden Ostrnmelieus.