Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 87 (8.11.1886)
- Date
- 1886-11-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Wrescherr, 1. November. Unter Bocsiv des Gemeinderabbiners Herrn Tr. Eohn fand am vergangenen Sonntage im Bct-Hamikrasch die ttaunenmäüige General-Versammlung des hiesigen Vereins „Alliance Jsraclitc Universelle" statt. Teni vorn Rendanten vorgelegte» Rechenschaftsberichte des abgelanfencn Jahres entnehmen lvir, das; die Total- Einnahme lllO M. betrug. Ter Verein zählt gegenwärtig 40 Mitglieder. Bei der zum Schluffe vorgcnommenen Neuwahl wurden zn Lorsrandsmitglicdern gewählt: Znm Borsibenden Herr Dr. Eohn, zum Schatzmeister Herr A. Jaffe und znm Schriftführer Herr S. Ehrenfricd. — In der vergangenen Nacht ffnd Diebe in die hiesige Synagoge cingcbrochen. Dieselben haben ein an der Östscite des Tenipcls besindlichesFenstcrzertrümmcrt und sind dann durch die verhältuikmäszig nur kleine Ocffnung gestiegen. Die Räuber haben den im Bordcrtheile des Tempels befindlichen Opftrkaftcn erbrochen und die kleine Beute an sich genommen^ Tie Diebe müssen genaue Lokalkcnntnisse bcseyen haben, da sie ohne dieselben in der Nacht den Opferkasten nicht aufgcsunden hätten. Der Oeffnung im Fenster nach können es auch nur halbwüchsige Burschen gewesen sein, da durch das Loch im Zensier ein erwachsener Mann sich, wohl kaum dnrchzlvängen kann. Hermann Wolf. Wreschen. Oesterr^!lngar7 Rconarchie. Budapest. 4. Nov. 1886. Das Amtsblatt meldet: „Se. k. u. k. Majestät hat den Richter an der Dudapefter tön. Tafel, Tr. Sigmund D «'• csci, zum snpermnncrären Richter an der königlichen Kurie zu ernennen geruht." Richter am obersten Gerichtshof ist die höchste Stufe, die mau als Richter erreichen kann, und die hat nun unser Glaubcnsgcnoye erhalten. Ter Emialrichtcr steht im gleichen Range mir dem Hofrathc. In der jüngst abgehaltenen Sivung des Ansschusscs der Peftcr isr. Rcligionsgemcinde meldete Präses Reichstagsabgcordncter Mor. Wahr m a u n den Eingang folgender Spenden: Zn Gunsten des Spiralfonds: Alexander Wahrmann und ein anonymer Wohlihärer je 1000 fl., B. Blum und M. Nathan je 160 fl. Zur Armcnuntcrstükung: Die Fanülie des weil. Ignaz Danmgarien 500 fl. Aler Wahrmann und Julius Wolfner je 20«) fl., David Bifchiy 100 fl., Alous Straner 50 fl., Alfred Wcllifch 25 fl. Zu Gunsten verschiedener Wohlthärigkcttsanstalten der oben erwähnte anonyme Wohlrhäter?,00 st., Alfred Wcllifch für das Knabemvaifenhaus 25 fl. Budapest. Am 29. v. M. erkrankte die , Gattin des Rabbiners der israelitischen Gemeinde! in Trencsiu plövlich und ohne vorhergegangenes llnwoblsein. Tie Iran verfiel alsbald in Bewußtlvsigtcit, ans welcher sie innerhalb mehrerer Stunden nicht erwachte. Schliestlich wurde sie von den Acrztcn für todt erklärt. Der Tag der Bestattung wurde für Sonntag Vormittag bestimmt, da nach den Gebräuchen der jüdischen Religio» eine Beerdigung am Sonnabend unstatthaft ist. In der Nacht von Freitag aus Sonnabend hörte die in einem Nebenzimmer befindliche Todtenwüchterin ans dem Zimmer, in welchem die Todte ausgebahrt lag, ein schwaches Stöhnen dringen; sie blickte durch die Thür und bemerkte, wie die todtgcglaubte Frau sich auf ihrer Bahre aufgcrichtet und das Leichentuch von sich gestreift hatte. Die Wächterin rannte schreiend aus dem Zimmer und weckte die Bewohner des Hauses ans dem Schlafe. Diese eilten sofort in das Todtenzinimer und fanden die vermeintlich Verstorbene bei vollem Bewußtsein. Tie unglückliche Iran war von einem starrkrampfähnlkche» Zustande befallen worden, ans welchem sie während der Nacht erwachte. Ter Umstand, daß die Beerdigung aus Sonntag verschoben wurde, hat in diesem Falle ein entsetzliches Ereignis; verhindert. Die ans so wunderbare Weise gerettete Frau soll sich, obwohl aufs Tiefste erschüttert, verhältuißmäßig wohl befinden, und man hofft, sie am Leben erhalten zu können. Türke i. Adrianopel. (Fortsetzung.) Unter der Herrschaft des Halbmondes, der von nun an auf den Wällen unserer Stadt prangte, gedieh Israel und lebte ruhig und zufrieden. Mit den Gemeindemitgliedern mehrten sich auch unsere Synagogen und Borhe-Midraschim (Lebrhäuser) und auch die Anzahl unserer Chachamim (Rabbiner,) Lomde Torah (Thorabcfliffenen) und Bala-Kabbalali (Kabbalahforscher) nahm sichtlich zu, und Adrianopcl wurde so ein kleines Jerusalem. Ans allen Gegenden der Balkanbalbinsel. ja sogar aus Ofen, Stuhlwekßenburg, Iaffy, Galav, Großwardein, welche Srädte später nach und nach unter die Herrschaft der Sultane gelangten, kamen Schauloch (ideologische Anfragen) und auch Bachurim (Talmudjünger) aus Ungarn, Polen und Rußland zogen hieber, um hier zu den Füstcn unserer Rabbiner: zu sixen und sich an dem Born ihres Wissens z» laben. Als Sultan Mndamcd II. beigenannt El- Farich (rr-2~, der Eroberer. weil er Koustar.nnopcl eroberte,) aus Adrianopel anszog, um »romranünovel, wo der lebte christlich-byzantinische Kaiser Konstantin IX. herrschte.