Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 87 (8.11.1886)
- Date
- 1886-11-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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! 5.1,5. das, die Juden in Rumänien nur Begünstigungen iverstchl sich seitens der Regierung) und Rechte i!) hatttri, aber allen Pflichten sich eiiMöiicit. „Die Inden machen keinen Militärdienst", behauptet er und belegt dies mit einem Schriftstück, welches (vgl. weiter) der Herr Premierminister Vratiann, nach dem Gang der Rede, augenscheinlich zu dem Zwecke der Interpellation Herrn Gh. ausgcsolgt hat. Dasselbe lautet dahin, das; das Effektiv de» 20. DorobanzenregimenLS (in Türohoj) 1020 Soldaten enthalte (wann?), darunter nur fünf Israeliten. „Dieses Schriftstück", ruft Redner aus, „dieses Schriftstück, welches einige Jahre alt ist (....!), ist vom Premierminister unterzeichne! (' warnnr nicht vom >7! r i e g sminister?), daher autentisch." Nun, das ist möglich, aber wenn cs einige Jahre alt ist, daun kann es (Herr Gh. nimmt wieder eine Ausnahme als Norm) nur ans dem Jahre 1.882/3 fein. Damals begannen die sogen, „ökonomischen" Gesetze, durch welche man anfing den Handel ans den Händen der „Fremden" zu nehmen, um ihn den „Eiligebornen" zu geben. Sodann wurden unzählige Gesetze anderer Art fabrizirt, thcils blos um den Juden zuletzt da§ bischen Leben zu versauern, theilS um zu vcrhindern,_dnß_ffe,Mcchtc erlangen. Zu letztererKathegorie gehört daS Nekrntkrungsgesetz. Seiner Zeit habe ich Ihnen geschrieben*), welche Verwirrung das Gesetz in Rumänien augerichtet hat, daß einige Präfekten Inden rekrntirten, entließen und wieder ciustcuicu, andere aber momentan etliche Juden nicht rckrutiren wollten u. s. w. Diese etliche freilich wurden kurz darauf und im folgenden Jahre ei»berufen, da ihnen kein Freischein gegeben wurde. Offenbar, die Vorkommnisse von 18S2_ zerrt der schlaue GH. herbei und fragt: „Wiffcn Sie, m. H., warum die Präfekten keine Juden rckrutiren? (Er spricht in der gegenwärtigen Zeit!) Sie sagen, damit die Juden keine politische Rechte erlangen sollen." GH. beschuldigt dann die Präfekten bei der Rckrntirnng der Käuflichkeit und auch daran sollen die Juden schuld sein, wie daran, daß- 1882 einige von ihnen nicht nehmen wollte dcrRechte tvegen. Seitdem werden die Juden strenge rckrntirt, mit den Rechten aber ist regierungsseitig schon festgesetzt, daß der Jude nach dem Militärdienst Jude bleibt. Herr Gh. kommt ans einen weiteren Punkt zu Bgl. meine .Briefe über Rumänien, betreffend den neueüen Stand der dortigen Israeliten", ge;. Tr. I Ena H< 2- 193/4, in Rr. 12 des .Israeli:" v. 1684. sprechen, der in Bezug ans Inden gewiß unwahr ist.. Es ist angeblich „die Stütze, welche den Juden „gelungen ist", selbst sich der (rein christlichen!) Justiz zu sichern", derselben rumänische« Justiz, wo ein Gerichtspräsident Pilat mit Namen und bis kürzlich in Vottnschan, öffentlich sagen konnte: „wenn ein Jude und ein Ehrist vor mir erscheinen, so weiß ich gleich wer Recht hat — natürlich der Ehrist; wenn aber zwei Inden vor mir erscheinen, so weiß ich nicht, wie ich es machen soll, nm sie beide zu „begraben." Gh. präscntirt. auch hier seine „Statistik." Ich habe hier, sagte er, „offiziell beglaubigte Zusammenstellungen, welche zeigen, daß in den Amtsgerichten von Vuhusch, Piatra, Saverija, Michaileny, Miletin, Vottnschan, Dorohoj, und 1. Sektion des Appell- Hofes in Jassy im vorigen Jahre (18S5) 1789 Prozesse zwischen Juden und Ehristcn entschieden wurden. Von diesen haben 1137 Juden gewonnen und nur 6ö2 Ehriften. „Wie ist cs möglich", fragt der gute Mann ganz bornirt. „daß auch nur in einem Orte wenigstens Inden und Ehristcn im Gewinnen nicht gleich sein sollen?" (.I) „Man hat mir „gesagt," daß die Juden an Christen Gelder vcrlcihcn, welche Letztere nicht bezahlen wollen." „Dies ist nicht wahr" (dies ist leider nur zu wahr, Herr Ghergcl weiß cs aus seinem eigenen Leben unddaher sein Antisemitismus!), „denn scheu Sie sich", excmptisizirt er, „die Tabelle des Gcrichtsbezirkcs Vottnschan an: hier waren 63 Stra fprozessc zwischen Inden und Ehriften, von welchen 44 Juden und nur lo Ehristcn gewonnen haben." Also der Herr Sratistikus stellt die Dinge aus den Kops und konstrnirt verdrehte Folgerungen aus wichtigen Thatsachen. Weit die Mehrzahl, welche gewonnen haben, Inden sind, darum muffen sie Unrecht gehabt haben, nicht geschlagenes Recht! In dieser Redeweise gebt es immer weiter, wir werden jedoch Herrn Gherghel nicht mehr folgen, da wir an seiner offiziösen Wahrhaftigkeit genug haben. Der Ministerpräsident Bratianu erhebt sich, um zu antworten. Man muß ihm anerkennen, daß er es von Grund ans versteht, viel zu rede« und gar nichts zu sagen, und daß er sich um den heißen Brei drehen kann, ohne sich zu verbrühen. Er wird allen Zwecken der Interpellation gerecht und stößt Niemand an. Er bewegt sich in verschiedene« Zweideutigkeiten aus Rechnung der Israeliten, nm dann Herrn Gb. zu beweisen, daß seine Lehauprnnge« von der Begünstigung und Bevorzugung der Israeliten seitens der Regierung ungerechtfertigt sind. Er zahlt mehrere judenscindliche Gesetze aus und weist