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Der Israelit · 1886-11-08 · Heft 87 (8.11.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 87 (8.11.1886)
Date
1886-11-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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l.'-ttl Knaben. der den des Angenlichts üöcrauOtcii führte: Lasse mich die Säulen ergreifen, ans denen das HanS ruht, damit ich mich daran änlehne. „Und daS Haus war voll von Männern und Frauen, und dort waren alle Fürsten der Philister, und auf dem Dache defanden sich ungefähr :JOf)i) Männer und Frauen, die den „Span" mir Simson mitansahen. Und Simsou flehte zum Ewigen und sprach: Mein Herr, Du Unaussprechlicher, gedenke doch mein und kräftige mich doch nur dieses eine Mal, Du Allmächtiger, daß ich eine Rache nehme für meine zwei Augen an den Philistern. Daun umfaßte Simsox die beiden Mittelsäulen, auf denen dar HauZ ruhte und stützte sich an ihnen, an der einen mit seiner rechten, an der andern mit seiner linken Hand. Und essprach Simson: Sterben möge meine Seele mit den Philistern! Nun bog er mit Kraft, und es stürzte ein das Haus auf die Fürsten axd auf alles Volk, welches darin war, und eS waren der Getödteten, die er bei seinem Tode tödtete, mehr als die er bei seinem Leben getobte! hatte. Die heilige Schrist berichtet uns hier von filtern schändlichen (5harakter;nge der Philister. Simson, der furchtbare Feind, der gewaltige Held, fällt durch Hinterlist in ihre Hände. Sie berauben ihn des Augenlichtes, fesseln ihn mir schweren, eherne« Ketten und lassen ihn die Mühle drehen. Noch «icht genug der Schande und der Schmach »ruß der geblendete Mann bei ihrem Feste crschei- «e», «m vo» khne» geneckt, verlacht, verhöhnt und verspottet zn werbt». Keine Stimme erhebt sich, weder n»!er den Fürsten noch unter dem Volke, weder unter den Männern, noch unter den Frauen, welche Mitleid äußerte nu't der gefallenen Größe. 2er Monn, der Held, vor dem sie zwanzig Jahre lang gewittert hatten, muß vor ihnen tanzen, wird vs» ihnen »encckt und verlacht, und sie weiden sich an seiner Ohnmacht. Dreitausend Menschen drängen sich auf das Dach des Dagoutcmpels, um diesen köstlichen Spaß mir anzusehen! Van allen schlimmen (rigenfchafteu, die in den Herzen der Menschen wohnen, ist die Neigung zur Berspotttmz und Verhöhnung der Mitmenschen die schlisrmste. Nicht so hanenswcrlh ist der Mörder, der i» wilder Leidenschaft dem Feinde das Herz durchbohrt, wie der Spötter, der mir kaltem Blute de» Dolch de? Spottes viclemal in das Herz des Heauer? senkt. Und doch ist diese Neigung so sehr Verbreiter unter den Menschen! Viele haben gar »ichl das Bewußtsein, wie schwer sie sich versündigen, wen» sie ihre Milmcnschen nurcr der Fülle ihrer Hohureden ftcrdcu lassen. „Heil dem Manne, der nlcht ging in dem Rathschlnß der Frevler und auf dem Wege der Sünder nicht stand und im Sipe der Spötter nicht saß!" Der Frevler geht; die Leidenschaft bewältigt ihn und treibt ihn au; der Sünder steht; ihm ist schon die Sunde zur (Gewohnheit geworden; aber der Spötter sitzt; er setzt sich nieder mit kaltem Blute, um das Herzblut seines Nebenmenschen zu vergießen. Die Verhältnisse haben nnsern Vater Abraham gezwungen, lange Zeit im Lande der Philister sich aufzuhalren; da er aber an diesem Volksstamme die Neigung zum Spotte bemerkte, so fühlte er sich stets als Fremder unter ihnen und dachte immer daran, von dort hinwegzuziehen. x-02 "te 3»*?. „er wo hnte im Haine Mamre" 02scnr irj? fps ■V22 cna» „liacf) Verlauf von 10 Jahren, da Abraham wohnte im Lande Kanaan; aber von seinem Aufenthalte im Philisterlande heißt es: c'inL'2' s'nri's p*a ktos* um, er weilte mir als Fremdling daselbst. Jahrtausende sind seitdem verflogen, aber die Neigungen und Leidenschaften der Menschen bleiben stets dieselben. Auch in unserer Zeit bildet die Verspottung der Mitmenschen nur za häufig den Hauptstoff der Unterhaltung. Da fitzen die Leute zusammen in den Kaffee- und Bierhünsern, oder die Damen in ihren Kaffeegesellschaften. Eine ernste und würdige Unterhaltung findet selten Anklang; da langweile» sich die meisten Herren und Damen. Dagegen unterhält man sich köstlich. Wem: das Thema auf einen der Mitbrüder oder Mtfchwestew kömmt, deren schwache Seiten, deren Fehler und Figcnthümlichkeiten dem allgemeinen Gelächter preisgegeben werden. Die größte Heiterkeit malt lieft da auf den Gesichtern der Anwesenden, und sic haben kaum eine Ahnung davon, wie schwer sie sich versündigen. Der ernststrebende Manu, die das Gute wollende Frau werden sich fern hatten von derartige» (rrlustignugeu, die auf Kosten der Mirmcuichen ein verabschenungswürdiges Vergnügen gewähren, Heil, doppeltes Heil demjenigen, der den Sitz der Spötter nicht anfsncht. der die Gesellschaft der Spötter verläßt. Heil ihm in dieser, Heil ihm in der zukünftigen Welt! Kfflziöse und ofü;kcsse WakrÜcN in Rumänien. Bon l*r. <y. N. borma«. (Schluß.) In eine ganz neue Phase tritt die Rede, ip dem der Herr Senator „nunmehr" Nachweisen will.

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