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Der Israelit · 1886-11-01 · Heft 85 (1.11.1886) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 85 (1.11.1886)
Date
1886-11-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Tost der Baron seinen Schwager Wofoliiflcv stets mit ost'enbnrer <^evinnfci)Üu»n»n und Vllmemmm .bchnndelt batte, machte Um in seinen Bcstrcbnngen nicht irre, Golzinger war sehr klug, Horncck sehr dnttttn und so konnte dieser bei jene!» etwas leicht dnrchseijen. Klierst schrieb l^olzinger seinem Schtvager einen Brief, in welchem er dessen Klugheit in übertriebenster Weise lobte und versicherte, nie in seinem Leben etwas von Bedeutung unternehmen zu wollen, ohne seinen Rath als weisen Manu, seine Einwilligung als Ehcf und Protektor der Familie zu erlangen, in dem vorliegendem Falle um so mehr, als ctz sich diesmal um Lorenz handle, der des Majors PathentinV sei. Erst nach einer überaus weitschweifigen Einleitung, welche Golzingcr verschwenderisch mit den ansgezeichnetsten Schmeicheleien für Baron Horneck nnd dessen Gattin verbrämte, überging er zn der Angelegenheit, um die es sich handelte und rheilte Folgendes mit: Er hätte die Absicht gehabt, seinen Lorenz dem Studium der Ncchtsgelehrsamkeit, welche seit einer langen Reihe von Jahren in seiner Familie gepflegt wurde, zuzuwenden, nnd, log der Bürgermeister in unverschämtester Weise, der aufgeweckte Knabe zeige bei seiner allgemeinen Begabung, auch speziell - für dieses Fach, außerordentliche Befähigung, allein Lorenz habe, schon seit seiner frühesten Jugend eine völlig unbezwingbare Neigung zum Militärstande, und führte hierfür einige Beweise an, die in den Angen eines Klügeren, als es der Major war, kaum als solche gegolten hätten. Als kaum zweijähriger Knabe hätte Lorenz schon den Stock des Vaters als' Reitpferd benützt und wäre im ganzen Hause hernmgaloppirt, später hätte er mit den andern Kindern nicht Anderes als Soldaten gespielt, nnd hätte dabei immer den „Cnfcl Major" darstellcn wollen, endlich (das zählte zn den wenigen Wahrheiten des lügenstrotzenden Briefes) hätte er als Schuljunge mit schönster Regelmäßigkeit stets die Schule geschwänzt, wenn das Militär in W. — wo immer eine Escadron Kavallerie lag — nach dem Exercierplatz ausrückte und war von diesem um keinen Preis nach Hanse oder in die Schule zn bringe». Tiefe angeborene „leidenschaftliche Neigung für den Militärstaud", hatte noch dadurch wesentlich zugenommen, dast ihm sein heldenuiüthiger Oheim Oberstwachuneister Aaron Horueck als leuchtendes, wenn auch völlig unerreichbares Vorbild vorschwebe. Lorenz, so log der Bürgermeister lveiter, sei von der innigsten Ucberzengnug dnrchtränkt, dast wen» sein „lieber, thenrer Oheim", nicht durch Kränklichkeit in der schönsten Blülhe seiner Mauneskraft, dem österreichischen Heere entrissen worden wäre, er nicht nur wenigstens Generalissimus desselben, sondern anch einer jener unsterblichen Helden geworden, wie sie Homer in seinen ewig unvergänglichen Dichtunge» besingt, wobei. wir nicht verhehlen dürfen, das; der unwissende Junge, als sein Vater dies schrieb, nicht die allerblasseste Idee davon hatte, daß es je einen Homer gegeben, kurz, schloß Golzinger seine endlos lange Epistel, zur reizenden Abwechslung, einmal seine Gleichnisse aus den Tiefen des Vibelfchatzes schöpfend „mein Sohn Lorenz dürstet wie das Reh nach frischem Wasser, darnach, sich dem schönsten Stande, dem Wchrstande mit Liebe, Eifer und Hingebung widmen zu dürfen, und ich bitte Sie, hochverehrter Herr Schwager, hiermit ergebenst mitzutheilen, ob Sie es gestatten, daß ich den innigsten Herzenswunsch meines Einzigen erfülle und ihn für den Milirärstand vorbereiren lasse. Mit jener Offenheit, mit welcher ich Ihnen, hochverehrter Schwager, jede Herzensfalte enthülle, will ich es nicht verschweigen, daß ich trotz der ungewöhnlichen Begabung Ihres Pathen, meines Sohnes, mich dom nur dann der Hoffnung hingebe, daß derselbe Ihrem glänzendem Beispiele mit Erfolg nacheiferu könne, wenn Sie, geehrter Herr Schwager nnd Gönner, gnädigst Ihre Fittige über den armen Jungen ausbrciten." — Als Nachschrift richtete er auch einige von Unterwürfigkeit triefende Zeilen an seine Schwägerin, auch ihre Protektion anstehend. (Fortsetzung folgt.) .Der Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganrjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen BesteUungen an. — Inserate 25 Pfennige die drrigespaUene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichijchr Banknoten laut EourS. — Direcre Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark an die Erpedirierr franco einzuscnden. . Inhalt sHauytblatt): Leitender Artikel: Adrabam. —Zeitungsnachrichten und Eorreivondenzen: Deutschland.: Rogasen. Breslau. — Oesterr.- Ungar. Monarchie: Pcsth. Budapest. Buzias. — Italien: Rom. Turin.— Griechenland: Eorfu. — Amerika: Buenos-Avrrs. — Femieuilleton: Michael. — Inhalt der Beilage: reitender 'Artikel: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Hamburg. — Orsterr.-Ungar. Monarchie: Triest. — Frankreich: Paris. ~ Vrramworrliche Redactiou: Dr. Lehmann in Mainz. — Expedition große Bleiche Nr. 45. Truck und Verlag von Oscar Lehmann in Mainz. (Hierzu eine Beilage.)

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