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Der Israelit · 1886-11-01 · Heft 85 (1.11.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 85 (1.11.1886)
Date
1886-11-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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lassen, und daS Schicksal des armen Kriegkuechtes lag in den .Händen einzelner, zuweilen nnaerechter, grausamer Menschen. Der Söldner des 17. Jahrhunderts hatte es in manchen Stucken besser als der Soldat vor hundert Jahren, wiener konnte sich durch großen Muth, persönliche Tapferkeit, außerordentliche Thateu zu hohem Range etnporschwinaen. Ter brüttdeuburg'sche Feldmarschall Baron Hans von Derftingen lmm in Böhmen von armen Eltern geboren — hatte es vom Schneiderlehrling bis zum höchsten Rang in der preußischen Armee gebracht. Aber in dem letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts gab es in der Armee fast gar keinen bürgerlichen Offizier. Aber bei der Artillerie und der Infanterie war dies wenigstens nicht unmöglich, und wenn ein Einzelner, Nichtadcligcr gerade Wunder der Tapferkeit verrichtete, feinem Kommandanten persönliche Dienste erwies, oder dieser ein liberaler Mann war, konnte er doch zum Fähnrich oder Unterlieutenant avancireu, aber ein bürgerlicher Kavallericosfizier, erschien als ein vollkommen undenkbarer Begriff, als eine contradictio in adjecto, etwa wie ein schwarzer Schimmel, eine Helle Finsterniß! Zn alledem wurde dem Soldaten, nicht, wie in der Gegenwart, die ausgezeichnete Fürsorge, die der Staat seinen Bertheidigern schuldet, gewidmet. Die Mannschaft wurde nur als Kanonenfutter betrachtet. Die am Schlachtfclde Verwundeten wurden rettungslos ihrem Schicksale überlaffen, sie wurden, wenn sie nicht die Vorsehung schützte, überritten, überfahren, zu blutigen Brei zerstampft. Die Verwundeten waren damals nicht wie jetzt unter den Schutz der größten Macht, der Menschlichkeit gestellt! Es gab keine Genfer Convention, keine Sanitätssoldaten, keine Krankenträger, welche die wehr- und hilflosen Verwundeten von dem Schlachrselde zu einem sichern Asyl beförderten. Der weitaus größere Theil der Verwundeten, ging auf die eine oder die andere Weise jämmerlich zu Grunde. Der gemeine Soldat jener Zeit war ein bedauernswerther Mensch, der am Schlachtfclde schwer Verwundete, der bedauernswettheste! Es ist daher leicht begreiflich, daß jeder, der seinen Sohn vom Heeresdienste befreien konnte, hierfür gern die schwersten Opfer brachte, und Bürgermeister Golzinger erpreßte namentlich bei dieser Rekrütirung, wo ein stärkeres Eon- %nt als gewöhnlich gestellt werden mußte, ungeheure Summen und befand sich daher in sehr sröhlicher Stimmung. Diese wurde noch dadurch cr- Dht, daß er von seinem einzigen Kinde, seinem Lohne Lorenz, den er schon lange nicht gesehen, angenehme Mittheilungen und auch die Nachricht erhielt, daß er tu einiger Zeit in W. eintreffen wurde. Hin im Zusammenhänge zu bleiben und diesen zu erklären, sind wir gezwungen dreizehn Jahre in unserer Erzählung znrnckzngehen. Bürgermeister Golzinger, der für seinen Sohn, nm jeden Preis eine hohe Stellung in der Gesellschaft erringen wollte, hatte vor dreizehn Jahren, als Pfarrer Willibald sich weigerte, Lorenz weiter zu unterrichte» und ihm den Rath erthcilte, ihn dem Militärstand zu widmen, nach reiflichem Bedenken gefunden, das dies in der That das Zweckmäßigste jsei. Golzinger war nicht weniger klug als schlecht, und er hatte bald einen außerordentlich schlauen Plan ersonnen. Er besaß, wie er dies auch schon damals in seinem Gespräche dem Pfarrer mitgetheilt, einen Schwager, .einen Baron Horneck. Dieser, einer alten , verarmten Adelsfamilie entstammend, wäre als Lieutenant unehrenhafter Schulden und schlechter Streiche willen, schimpflich cassirt worden, wenn er sich nicht im entscheidenden Momente. noch rechtzeitig vor den Lebensstürmen in den sichern Hafen der Ehe geflüchtet hätte. Er hatte die ältere Schwester des Bürgermeisters Golzinger, die Tochter eines reichen Olmützer Kaufmanns, geheirathet, der die Ehre, einen Baron als Schwiegersohn zu besitzen, mit schwerem Gelde zahlte, und hierbei die Qualität des für seine Tochter erkauften Gatten nicht sorgfältig prüfte. Horneck, der nun weiter dienen konnte, hatte es bis zum Rittmeister gebracht, und wurde, als er Kränklichkeit halber die Armee, verlassen mußte, mit Majorscharakter pensionirt. Baron Horneck besaß durch seine Frau ein großes Vermögen, und konnte daher fein Donneil, wo es ihm beliebte, wählen, und da er sich, von seinen bürgerlichen Verwandten möglichst fern halten wollte, hatte er sich entschlossen, seinen Wohnsitz in Wien zu nehmen. Hornecks Ehe war kinderlos geblieben. — Trotzdem der Major jede Annäherung seines Schwagers Golzinger zu vermeiden suchte, war dieser in seiner schlauen Weise doch stets darauf bedacht gewesen, vorsichtshalber, für alle möglichen Fälle, doch die Verbindung nicht ganz zu lösen, und sich zu dem Major möglichst freundschaftlich zu stellen. Als er mm seinen Sohn zum Militärstande bestimmte, glaubte er, daß dieser nur dann Earriere machen könnte, wenn er ihm die Protektion des Barons erwürbe, und wollte das Mittel zum Zweck auch als weitern Zweck bettachtend, durch diesen Schritt seinen Sohn zuerst in Horneck» Haus einschmuggelu und nach und nach dahin wirken, daß er von den Hornecks zuur Erben eingesetzt würde.

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