Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 85 (1.11.1886)
- Date
- 1886-11-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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riiljt luni bei* Bmisinig des Herr» Dorre in den Direelionsralh der Hmtdelsrnmiiicr mit Freude vernommen, da sie tuühl lveiß, bau derselbe ei» tnch liflev und ehrenliasler Wciil)ii)tvmami ist und daher zweifelsohne auch die Pflichten seines ncueu Amtes gewissenhaft und pünktlich erfüllen tvird. Allch unsere Landesregierung ist eine höchst tolerante, nnd hat erst kürzlich der Präsident unserer Republik den jüdischen Industriellen in Brünn, .Herrn Schnabel, •um dortigen Konsul ernannt, der auch sofort von der österreichisch-ungarischen Regierung'in seinem neuen Amte bestätigt wurde. Feuilleton. W i d) aes. Erzählung von S. Kahn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Siebenzehntes Kapitel. Man stand in dem dritten Viertel des Jahres 179.8. Sieben Jahre lang hatte die französische Republik mit verschiedenen europäischen Staaten mit wechselndem Waffenglück Krieg geführt. Oesterreich war die einzige Macht, welche konsequent und konstant ihr Gegner geblieben, und österreichische Truppen hatten in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich nnd Italien gegen die Republik gekämpft. Jetzt aber, nachdem man eingesehen, daß man Frankreich's Kräfte unterschätzt hatte, waren England, Rußland, Oesterreich, die Pforte, Neapel und Portugal, auf Betreiben J>cv beiden erstgenannten Mächte zu einem Büudnipe, der zweiten Koalition, zusamniengetrelen, und es sollte durch Kraftentwicklung nnd energisches Zusammenwirken, die Republik vernichtet, der Status quo ante in Frankreich nnd ganz Europa wiederhergestellt werden. In Oesterreich war eine starke Trnvpenaushcbung beschlossen worden. Jede Gemeinde hatte ein starkes (Kontingent zu stellen und Bürgermeister Golzinger war von diesem Geschäfte um so mehr in Anspruch genommen, als er beabsichtigte ans der Rekrutirung einen großen Gewinn zu ziehen. Es lag nämlich ganz in seiner Hand, welche junge Leute er nach Brünn zur Anerrtirung senden wollte, nnd der nie- .derträchtige, listige Stadtschrcibcr Schwöner, der bei dem Einfädeln und Ausfuhren schlechter Streiche, des Bürgermeisters rechte Hand war, batte, wie er versicherte, „rein aus angeborener Güte und persönlicher Freundschaft," den reichsten Männern der Bürgernnd Judenschaft — die letztere war erst unter Kaiser Josef zum Heeresdienste herangezogen luovbou - vertraulich mltgetheilt. der Bürgermeister habe feinen Salm auf die AffentUsle gesetzt, imo jedem Einzelnen den uneigennützigen Rath mheilk. sich insgeheim mit der durch „vernünftige Gründe" unterstützten Bitte an den Bürgermeister zu wenden, seinen Sohn zu verschonen, und Stadtschreiber Schwöner hatte die Art der „vernünftigen Gründe" mit solcher lichtvollen Deutlichkeit geschildert, daß über die Ratnr derselben nicht der leiseste Zweifel obwalten konnte. Dabei schilderte Schwöner, und es muß leider gestanden werden ohne große Entstellung der Wahrheit, die Schrecknisse des Militärdienstes in den schwärzesten Farben. Wer zu jener Zeit in der Armee von der Pike auf diente und nicht dem Adelstaude angehörte, hatte ein schweres Martyrium dnrchzumachen. Der Dienst war ein harter, anstrengender. Die complicirteu Excercitien waren schwer zu erlernen. Dabei herrschte eine eiserne Strenge, die jeder Beschreibung spottet. Zwar waren schon unter Maria Theresia die grausamen Todesstrafen abgeschayr worden, aber in der österreichischen und auch m den andern Armeen gab es bis vor einigen Decemrien Strafen, die an Entsetzlichkeit jenen der grauen Vorzeit nnd des finstern Mittelalters nicht nachstanden. Spießruthenlaufen, wo ein Mensch oft einigemal durch eine von einigen Hunderten mit Ruthen bewaffneten Männern gebildete Gage, gehen, und jeder Manu mit der Ruthe mit voller Kraft auf den entblößten Rücken des Verurtheilten schlagen mußte, war endlos härter als die Todesstrafe durch Erhängen oder Erschießen, und wen» ein Delinquent vom Tode zum-Spießruthenlaufen begnadigt worden war, versuchte er es in der Regel sich dieser Huld durch einen Selbstmord zu entziehen. Bei der Kavallerie wurden bei dem Gastenlausen statt der Ruthen sogar Steigrkemen verwendet'). Diese furchtbare Strafe aber kannte doch uur dnrch den Spruch eines Kriegsgerichtes verhängt werden, dagegen hatte jeder Hauptmann das Recht, einem Soldaten fünfundzwanzig Stockschläge ertheilen zu 1) Tie Lrraie be3 Gaffenlansens wurde in der österreichischen Armee von dem sey-kregrerenden hochherzigen ritterliche« Kaiser Franz Joses und zwar in Folge der Büre der edlem milden Kaiserin t^liiabech aufgehoben. Tie hohe Frau war kur; nach ihrer Vermählung vor einer Kaserne vorübergesahren. ans welcher ennekliche K'.ageröne heransdrangen. Sie ließ üch erkundigen, was vorgefaUcn und erfuhr, daß ein Verbrecher sie furchldare Srraie des Svrexrurdenlausenä erleide. Tie Kaisen« wandte sich sofo.r nach ihrer Ankunfr im Schlösse mir der Vrrre an den Kaiser, diese Strafe auszuheben und der hohe Herr erfüllte dieselbe.