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Der Israelit · 1886-11-01 · Heft 85 (1.11.1886) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 85 (1.11.1886)
Date
1886-11-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1470 liltch uüii Viiiiü'S zahlreiche Gäste anwesend und nnirde diesen kästen zu 61)reu ein Banket gegeben, welchem ein animlrtes Lränzchen folgte. Italien. Rom. An einem der verflüssenen Sabbate hat hier eine religiöse Zeremonie unter Umständen stittgesunden, derengleichen sich schon seit vielen Jahren in der ewigen Stadt (urbo aeterna) nicht mehr ereignet hat. Es wurde eine nenc Ti^n idd (Thorarolle) eingeweiht. Ter unlängst verstorbene Sabbato Di-Segui hatte schon issr> dem hiesigen Rabbiner und Sofer (EZesetzroltenschrciber), Ehacham Jizchak Terracina, den Auftrag ertheilt, für ihn eine Thora zu schreiben und zwar recht schnell, damit er, deren Besteller, der schon seit Jahren an einem acuten Lcberleiden kränkelte und so langsam dahinsicchte, noch deren -prn (Einweihung) erleben könne. „Meine beiden Ehen," Pflegte er in Freundeskreisen zu sagen, „waren kinderlos und so ist nicht einmal ein 5tind da, das nach meinem Tode Kadisch sagen wird. Ich will daher wenigstens eine Thora hier znrücklasscu, damit, wenn man über dieselbe die Berachah (Segensspruch) machen wird, zugleich auch meiner Seele dabei gedacht werde." Indessen, sagt doch schon der königliche Sänger: '■*'rcrjn w'8 2V2 rvcirnc m:n Dipn N*n, welchen Bers der Deutsche mit dem Sprüchworte: „Der Mensch denkt und Gott lenkt" so schön wiedergibt. So war es auch hier der Fall. Verschiedene Umstände verzögerten die Fertigstellung dieser Thora nnd als dieselbe endlich ihrer Vollendung cntgcgeneilte, da schied Herr Ti-Segni aus diesem Leben. Er starb gar nicht hier, sondern in dem am Fuße des Vesuvs gelegenen Städtchen Resina, wohin er sich schon vor etlichen Wochen zurückgezogen hatte, in der trügerischen Hoffnung, dort Linderung für sein Leiden zu finden. Auf seinen! Sterbebette sagte er zu seinen Freunden mit Anspielung auf seine noch immer nicht vollendete Thorarolle: „Ich komme mir vor, wie Moscheh Rabbcnu, der das heilige Land nur von der Ferne sehen, aber nicht betreten durste." Als er dann seinen letzten Augenblick hcrannahen sah, da rief er seine Gattin Nosaura und seine beiden Brüder Amadio und Pecifico zu sich nnd band es ihnen auss Herz, daß sic das Scscr Thora gehörig vollenden und auch mit den entsprechenden Feierlichkeiten cinweihen laffen werden, und zwar am dreißigsten Tage nach seinem Dabinscheiden, eben, wenn die Scheloschim (dreißig Tage der Trauer) zu Ende gehen. Hierauf wendete er sein Haupt der Wand zu und verschied. n"2"}"s"n, Donnerstag den 2. d. gingen mm vie dreißig Tranertage zn Ende und wurde daher das unterdessen fertiggestettie Scfer Thora im Tranerhanse bekleidet, geschmückt und bekränzt und dann unter einer Ehnppah (Baldachin) zur allgemeinen Besichtignng ansgestellt. Samstag darauf wurde die Thora Morgens ans dem Tranerhanse abgeholt nnd im feierlichen Inge, an dem sich auch viele Katholiken betheiligten, nach der Seula Nuova (Rensvnagoge) getragen und derselben, gemäß dem letzten Willen des Verstorbenen, übergeben. In demselben Angen blicke jedoch, als man die neue Thora über die Schwelle oer Synagoge trug, da ereignete sich ein llnfall, der voll den traurigsten Folgen für das Gotteshaus und die darin schon angesammelte Menge hätte sein können. Ein ns:n -ü (Scelcnlicht), das vor der heiligen Bundeslade brannte, war nämlich nmgestürzt und im Nu stand ein naher Fenstcrvorhang in Flammen, die auch sogleich das Parocheth (Hülle der Luudeslade) mit ihren rothm Zunge» bedrohten. Es gelang jedoch, den Vorhang herabzurcißen und die Flammen zu ersticken. Tie Feier konnte daher ungehindert vor sich gehen. Tie laufende Paraschah wurde dann aus der neue» Thora verlesen, doch als man deu Chamischr (Fünften) anfrief, da fand man in derselben einen E3E (Fehler) nnd so mußte man die Thora wieder in die Bundcslade zurückstcllcn und eine andere an ihrer Stelle hcransnchmen. Gestern, Samstag, fand mm in dieser Synagoge ein besonderer Dankgottesdienst statt, um den Allmächtigen zu preisen, daß er dieses Gotteshaus vor einem Fcuerbraude geschützt hat. Aber auch diese Feier ging nicht ohne Bitterkeit an uns vorüber. Auf der Bahre lag nämlich eben ein junger Mann von zwanzig Jahren, Amadio Spizzichino, Sohn des vor ^einigen Jahren hier in den traurigsten Verhältnissen verstorbenen Rabbiners Graziano Spizzichino, der Tags vorher, als er einen Brunnen, der eben gegraben wird, besichtigen wollte, ausgiitr, in die Liese stürzte nnd hier seinen Tod fand. Der Vater des Verunglückten war vor längerer Zeit in Folge seiner schrecklichen Rothlage wahnsinnig geworden, und^ mußte er einein Jrrenhause übergeben werden, wo f er auch starb. Die Leiche des jungen Mannes wurde heule zu Grabe getragen, nnd gaben ihr Hunderte von Glanbensgenonen das Geleite bis ans den Friedhof. Am osicnen Grabe richtete der Rabbiner Mose Rola einige herzerhebende Worte au die Umstehenden und ermahnte sie, die Mmter und die Schwester des armen Verunglückten nicht zu verlassen und sie in Ehren zu unterstützen. — Im Monat Elul wurden

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