Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-11-01 · Heft 85 (1.11.1886) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 85 (1.11.1886)
Date
1886-11-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449679--25243-2515069
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

dic dabei m Tage getretene clnciilljiliiidifjc Ansicht fcc-v ilUufiOcnbcn über die Frage, ad der Ausdruck „Fndenjnnge" eine Beleidigung ist. Jnr Frühjahr d. X fanden in der WcißgerbcrMe zu frevln» mehrfach Prügeleien zwischen Schnlknabcn statt. In eine dieser Schlägereien wurde im April d. X auch der 1/J Jahre alte Alfred Schlesinger hinein» gezogen, lvobei sich dieser von einer Anzahl christlicher Schulkameraden angegriffen sah, dic mit jener Tapferkeit auf ihn Anhieben, tvclche aus dem erhebenden Vcwußlfein einer grosten numerischen llebermacht zu erwachsen pflegt. Die kampflustigen Knaben versüßten ihrem Mitschüler die auf ihn nicderfallcnden Schlage, indem sie ihm ein über das andere Mal die freundschaftliche Bezeichnung „Judcnjnnge" ins Gesicht schleuderten. Alfred Schlesinger fühlte sich hierdurch aufs Aeußerfte gereizt; er suchte sich seiner Angreifer zu erwehren und sich an ihnen zu rächen, indem er mit einem sogenannten Nadirmesser sich verthcidigte. Hierbei wollte das Unglück, daß er den 11jährigen Fritz Schecr am Unterarm eine Wunde bcibrachte, welche eine fünfmonatliche ärztliche Behandlung nothwendig machte. Alfred Schlesinger stand in Folge dessen am gestriegen Dienstag unter der Anklage der Körperverletzung mittelst eines gefährlichen Jnftnunentes vor der ersten Strafkammer des königlichen Landgerichts in Breslau. Zu seiner Berthetdigung machte er geltend, daß er aufs höchste gereizt gewesen sei, weil er „Judenjunge" geschimpft worden sei, und daß er sich außerdem in der Nothwchr befunden habe. „Daß man Dich Judenjunge genannt hat, kannst Du doch nicht schimpfen nennen," bemerkte der Vorsitzende, Laudgerichtsdircktor Freitag, „denn Du bist doch Jude und ein Junge bist Tu auch." Sprachs und der Staatsanwalt v. Ncibaben beantragte eine Gcfäugnißstrafe von sechs Monaten. Das Strafkammerkollcginm sah indeß die Sache mit etwas anderen Augen an und hielt eine Strafe von 50 Mark für Alfred Schlesinger für angemessen. Lcsterr. - Ungar. Monarchie. Pesth. Der Ausschuß des Pcsther israelitischen Fraucnvereins hat in seiner letztstattgehabten Sitzung zu Lasten feiner Untciftntzmigskape den Betrag für 1000 Portionen Mittagepeu in seiner Volksküche zu dem. Bchufe angewiesen, damit dic entsprechenden Anzahl Marken zu gleichen Theilcn der Bezirksvorstehung des 6. und 7. Bezirks zur unentgeltlichen Verrheilung an Nothleidcnd< ohne Unterschied der Konfession sofort übergeben werde. Dadurch ist der erste Schritt gerhan, damit die seitens des LandeS-Hmiitätsiiispektors De. Oläh l»itiirle.Bewegung in Angelegenheit der größere!« Berthcilnng von Gralisniarken an gänzlich Unbemittelte rascher ln Fluß gerathe. Wir «lachen ails diesen! Anlasse auch alle Meiischeufreniide nufmcif* sam, daß Speisemarkeu für die Volksküche des ge« uauuteu Verclus (7. Bezirk, äußere Trommclgasse Nr. in) täglich zwischen U—1 Uhr daselbst an der Kasse erhältlich sind. Budapest, im Oktober. Der Hansimb Gutsbesitzer Herr Ignatz Banmgarten, einer unserer reichsten und wohlthätigncn Bürger, ist in seinem 76. Lebensjahre nach kurzem Krantlager sanft verschieden. Baumgartcn lvar ein Morenu, ein in die jüdischen Wissenschaften tief eingedrnngener Mann. Seine Leichenfeier fand unter großer Thcilnahme statt. Die Repräsentanten der hiesigen isr. Gemeinde mit dem Präsidenten Moriz Wahrm a u n an der Spitze, ferner das Nabbinat, die Vorsteher zahlreicher Hninaniü'its-Lcrciue, sowie die Zöglinge des isr. Knaben Waisenhauses und des Landes-Taubstummen-Jnftituts waren bei der Leichenfeier anwesend. Prediger Dr. Kayserling hielt die Trauerrede, in welcher er die Tugenden des Verblichenen würdigte. Eine große Anzahl Leidtragender bildete den Leichenkondukt bis in de» Friedhof. Am Grabe hielt ein Zögling des Knabcn- Waiseuhanses eine warm empfundene Rede, welche hauptsächlich dem Wohlrhäter der früh Verwaisten galt; ein taubstummer Knabe sprach laut und deutlich das Kadischgebct. Von seinem Wohlthätigkeitssinn zeugt sein letzter Wille. Er hat 45.000 fl. als Legate hinterlassen. wovon 500 fl. am Bcgräbnißtage des Verblichenen zur Verlheiluug an Arme dem Vürgcrmcifleramtc und 500 fl. der israelitischen Gemeinde übergeben worden sind. Brrzias, im Oktober. Am 20. d. fand dahier die Einweihung der neucrbantcn Synagoge statt. Die Anwesenden wurden von dem Vorstand der israelitischen Kultnsgenleinde Leopold Neumann begrüßt und die Synagoge durch den Vertreter der Fundationalherrschaft, k. Rath Szabadhegyi, eröffnet. Der zeremonielle Theil der Feier wurde von dem Lngofcr Ober-Rabbiner Weiß und dem Ober-Kantor Kartschmaroff besorgt. Der Feier wohnte ein sehr zahlreiches vornehmes Publikum bei. Unter den Anwesenden sind zu nennen der k. Nach Alexander v. Szabadhegyi, Ober-Stuhlrichter Josef v. Hollüsy, Vezirksrichter Geza Beuedck, Herrschaft!. Ober-Fiskal Szüry, die Advokaten Franz Nagy, Julius Obitz, ferner der Gcmeindenotär Jos. Fernbach u. z. A. Es waren

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.