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Der Israelit · 1886-11-01 · Heft 85 (1.11.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 85 (1.11.1886)
Date
1886-11-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Mit diesem Ausspnlche unsrer Weisen ist in den jlingstverstosseiien Iahre.l viel Mischrauch getrirbeu^wordcn. Unsre moderne» Brüder sind vielfach den Gesetzen unsrerheiligen Religion nntren geworden.. Eie verleben die flüttaeboteuc Sabbatrnhe, Häven die Beobachtung der Speisegeseve ans ihren Häusern verbannt, .und-ebenso eracht es mit vielen Vorschriften über das eheliche Leben nnd mit andern wichtigen Gottesgeboten. In den großen Städten namentlich, in denen die vom Gottesgesetze Abgefallenen die Mehrzahl bilden, gelangt dieser Abfall im öffentlichen Gottesdienste zum Ansdruck. Die Reformsynagogen gleichen mehr Schauspielhäusern und Concertsalen als jüdischen Gotteshäusern. Tie Borstände, in Lehre und Leben dem Jndcnthnm entfrenldet. setzen Rabbiner nnd Prediger ein, die ihrem nicht-religiösen Standpunkte entsprechen. Die Kinder werden nicht mehr in der Religion der Däter erzogen, nicht mehr an die Quellen der heiligen Gotteslehrc hinangcfnhrt. Die rituellen Bäder werden geschlossen, zugeworfen oder doch im höchsten Grade vernachlässigt. Die Schechitah wird von Männern gehandhabt, die in religiöser Beziehung nicht das geringste Vertrauen verdienen. Tie Metzger und Fleischhändler entweihen öffenilid) den Sabbat und die Feiertage, und Niemand kümmert sich darum. Da hat sich nun in vielen Städten Deutschlands während der jnngstverstosscnen Jahrzehnte die gcsctzestrcue Minderzahl aufgerafft, um sich von der Hauptgemcinde zn trennen und sich und ihren Kindern die Religion der Vater zu erhalten. Run aber gab es ein großes Geschrei, und von den von den Abgefallenen besoldeten Rabbinen nnd Predigern wurde die oben mitgethcilre Talmndstctte in's Feld geführt. — Ihr wollt fromme Männer sein, rief man den Austretenden zn; wißt ihr denn nicht, daß der Talmud den Frieden über Alles schätzt, daß selbst, wenn Israel Götzen dient, man keinen Zwiespalt erregen darf? Diese Deutung der betreffenden Talmudstelle ist aber eine vollständige irrige. Der Talmud sagt nur, daß der Friede und die Eintracht selbst den Götzendienern zu Gute kommt und sie vor Strafe schützt; daß, wenn aber unter den Götzendienern Zwietracht ausbricht, sie dann der Strafe verfallen. Nicht im Entferntesten, ist eS Rabbi Elieser Hakappor in den Sinn gekommen, zu sagen, daß man um des Friedens willen mit den Götzendienern Götze» dienen soll. Siehe doch, wie 'Abraham von unsren Weisen gerühmt wird, daß er sich lossagte, daß er sich trennte von dem Rarhschluffe der Frevler. Tie ganze Welt war eines Sinnes und ein es Geistes, uub Abraham nahm keinen Anstand um der Lehre von der Einheit Gottes willen fu Zwiespalt \\\ gerat Heu mit seinen Zeitgenossen. Er zerschlug die tränen seines Vaters, er wagte es, dem gewaltigen Könige Rintrvd cutgegeuzutreten und war bereit für die Einheit Gottes zu sterben. „Heil dem Manne, der nicht rvandelte in denr Rathschlikffe der Frevler." Als alle seine Zeitgenossen auSzogen, nm die für den Ttmrmban paffende Ebene zu suchen, da sagte sich Abraham von ihnen los und ging nicht mit ihnen; daher heißt cs von ihm: Heil dem Manne der nicht ging in dem Rathschluffe der Frevler (Vergleiche Meharschah zn Abodah sara f. 18 b.). Auch heute ist es die Pflicht jedes wahrhaften Israeliten, dem Beispiele unsres Vaters 'Abraham gemäß, nicht mit den Frevlern zu gehen, sondern für die Erhaltung unsrer heiligen Religion die größten Opfer zu bringen, sich von dem Rathschluffe der Frevler loszusagen und unser theueres Vatercrbe unsren .Kindern und allen kommenden Geschlechtern zu übertragen, sr*xn nrst, doppeltes Heil einem solchen Manne in dieser wie in der künftigen Welt! (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondeuzcn. Deutschland. Rogafen. Am Sonnabend, den 16. d. Mts. fand km Zerenzeschen Saale die Prüfung der Zöglinge der hiesigen israelitischen Religionsschule, zn welcher eine größere Anzahl Gäste erschienen waren, statt. Die Prüfung bewies, daß die Schüler und Schülerinnen tüchtig gelernt und für das Gelernte Verüändniß hatten, denn die von den Herren Lehrern gestellten Fragen wurden rasch und sicher beantwortet. Tie Leistungen der Schüler können vorzüglich genannt werden. Es ist dies um so mehr anzuerkeuuen, weil die Schule erst wenige Monate unter der Leitung des Herrn Rabbiner Rosenthal -wieder errichtet ist, und die Leitung sowie die vorzügliche Lehrfähigkeit des Herrn Rabbiners in der kurzen Zeit die Schule zu dem erhoben hat, was sie fetzt ist. Da nun die Predigten des Herrn Rabbiner Roseurhal auch an den hohen Feiertagen — wie stets — allgemein gefielen und erbauten, derselbe eine eifrige talmndischc Lehrthätigkeit imBethamidrasch entfaltet, so hat die hiesige jüdische Gememde mir dessen Berufung zum Rabbiner eine vorzügliche Wahl getroffen. Aus Breslau wird uns von einer interessanten Gerichtsverhandlung gemeldet, iutereffant durch

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