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Der Israelit · 1886-11-01 · Heft 85 (1.11.1886) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 85 (1.11.1886)
Date
1886-11-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVIl. Jahrgang. M Bll, ©in Zentral - Hrgarr für das ortßodoKe ZudenLyum. Hcrausgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 1. November 6647 (SKBS). Leitender Artikel. Aöraham. i. Mainz, 28. Oktober. Nab Samuel bar Nachmeni sagte im Namen des Rabbi Jonathan: „Heil dem Manne, der nicht wandelte im Nathschluffe der Frevler." Dieser Vers bezieht sich, auf unsren Vater Abraham, der nicht Theil nahm an dem Nathschluffe der Männer des Zeitalters, das den Thurm zu Babel bauen wollte. (Abodah sarah toi. 18 d. u. f.) Die Nachkommen Noach's hatten sich vermehrt auf Erden, und sie alle redeten eine Sprache und waren eines Sinnes. Durch Einigkeit stark, wollten sie den weisen Plänen Gottes entgegentreten, einen Thurm bauen, dessen Spitze bis in den Himmel ragte, um einen Mittelpunkt zu besitzen, der ihre Zerstreuung über die ganze Erde verhüte. Gott aber verhinderte ihr Vorhaben, indem Er es fügte, daß jede Familie anfing, eine andere Sprache zu reden. Als die Menschen sich nicht mehr verstanden, da trennten sie sich von einander; eine Familie zog hier-, eine andere Familie zog dorthin, und so wurde die ganze Erde, dem weisen Nathschlupe Gottes entsprechend, von Menschen bevölkert. Das Unternehme!! war ein sündhaftes, ein gegen Gott gerichtetes, und deßhalb nahm unser Vater Abraham nicht Theil daran. Abraham war, wie sich ans der heiligen Schrift ergibt, zur Zeit des Thurmbaucs 48 Jahre alt; denn dieses Ereigmß fand Natt im Todesjahre, der Pelcg (Siehe Nasch! zum 1. B. M. E. 10. V. 25). Als Abraham geboren wurde, zählte Peleg 191 Jahre, und er erreichte ein Alter von 239 Jahren. Abraham stand demnach m der Vollkraft des Manncsalters, als seine Zeitgenossen unter der Anführung des mächtigen Königs Nimrod den unheilvollen Entschluß faßten, sich gegen Gott zu empören. Der Plan, den sie ausführen wollten, erschien so unschuldig, so vortrefflich; allein Abraham erkannte, daß sich die Spitze desselben gegen Gottes weise Weltenlenkung richtete, und hielt sich deßhalb fern von dem Nathschlnffe der Frevler, er allein, trotzdenl sein Vater, seine Brüder und seine zahlreich damals' noch vorhandenen Voreltern dem Plane zugcstimmt hatten. Unsre Wersen lehren uns, daß das Zeitalter des Thurmbaues (ruten in) dem Zeitalter der Sündfluth (kion in) an Schlechtigkeit nur wenig nachstand. Beide Geschlechter hatten sich g?gen Gott empört und fröhnteu dem Götzendienste. Trotzdcin wurden die Einen vernichtet, während die Andern nicht mit dein Tode bestraft wurden. Das Zeitalter des Thnrmbaues hatte einen großen Vorzug vor den durch die Fluth Hmweggcrassten. In Bezug auf die dem Tode geweihten Zeitgenossen Noach's heißt es: „Und die Erde war voll von Gewaltthat." Die Menschen haßten einander, Raub und Mord waren an der Tagesordnung, und deßhalb ward ihr Geschick besiegelt, und sie wurden hinweggcrafft von der Erde. Im Zeitalter des Thurmbaues aber herrschten Liebe, Friede und Einigkeit, „und alle Bewohner der Erde redeten eine Sprache und waren eines Sinnes." Deßhalb beschloß Gott, sic am Leben zu erhalten und nur ihr sündhaftes Vorhaben zu stören. So lehrt auch Rabbi Elieser Hakappor (Maßecheth De.rech Erez Sutta E. 9): „Liebe den Frieden und hasse die Zwietracht. So groß ist der Friede, daß, wenn sogar die Menschen Götzen dienen, und unter ihnen herrscht Friede, so läßt Gott sie ungestraft, wie es heißt: (Hosea E. 4. V. 17). Ist Ephraim verbunden im Götzendienste, so lasse ihn; dagegen heißt es (daselbst E. 10. V. 2): Sind sie getheiltcn Herzens, so werden sie gestraft werden."

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