Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 84 (28.10.1886)
- Date
- 1886-10-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Mmdechal Hütte fein iVDcu ucvDüfit: einen Anspruch auf Min machte Mordechai selbst dann nicht geltend, als Aha-rwer ihin die Rettung vom Tode verdankte; kein Verdienst batte der Tyrann um die Statnincsyenosscn Niordechai's, die er mit kaltem Blute, seinem (Wlufillufl zu tttcDc, binschlachten lassen wollte. Was also bewog den Juden Mordechai, dem Heiden Ahaswer das Leben zu rettend Ihn veranlaßtc dazu das Beispiel Abrahams, der die sündigen Sodoiuiteu dem Verderben entreißen wollte. Diese allgemeine Menschenliebe, die hilft und rettet, wie und wo sie kann, ohne Rücksicht auf den Glauben, die Nationalität, ja auf die Würdigkeit der zu Rettenden, ist ein schönes Erbtheil unsres Stammes geblieben und auf sie bezieht sich die Verheißung (1. B. M. CS. 18. B. IS.) \nt*n "12 b 12 121221 „durch Abrahams Nachkommen werden gesegnet werden alle Völker der Erde." Vorüber war die schreckliche Zeit der Fluth, und Noach und die Seinen durften das enge Behältnis verlassen, das ihnen ein ganzes Jahr als Wohnung gedient hatte. Wie sah es nun aus auf Erden! Verschwunden war das ganze Menschengeschlecht und mit ihm all^s Lebendige, das auf dem Trockenen gelebt hatte; nur die Genossen aus der Arche waren da, die weite Erde auf's Neue zu bevölkern. Mit welch trüben Gedanken mag Noach die Kirche verlassen hüben! - Alle Errungcnschaste'.: von 1656 Jahren menschlicher Arbeit waren mit einem Schlage vernichtet worden; öde und leer war die Erde. Und wenn sie wieder bevölkert wurde, was wurde ihr Loos sein? Namentlich drei Befürchtungen waren es, lehren die Weisen, welche Noach's Sinn verdüsterten. Was gewesen ist, kann wieder kommen; konnte nicht schon bald oder auch spät wiederum eine Sündflnrh das Menschengeschlecht vernichten? Das war Noach's erste Befürchtung. Die zweite war, daß bei der geringen Anzahl der Menschen die rasch sich vermehrenden wilden Thiere der Menschheit den Untergang bereiten möchten, und nahe lag die dritte Befürchtung, daß die Menschen in unbändiger Leidenschaft sich einander vernichten würden. In feiner Herzensangst wandte sich Noach zu seinem Gotte, baute einen Altar — denselben Altar, den einst Adam errichtet und den die sündigen Menschen des eben hinweggerafften Geschlechtes zerstört hatten — und brachte dem einzigen Gotte ein Opferdar. Und Gott nahm das Opfer wohlgefällig entgegen und zerstrente Noach's Besorgnisse. Gott schwur, niemals wieder durch eine allgemeine Fluth die gesammte Menschheit zu verderben. Und die Furcht vor dem Menschen verhieß Gott zu' legen auf alle wilden Thiere und Vögel, auf daß! sie dem Menschcngefchlechte nicht gefahrbringend werden; und den Meuschenmord versprach der Allherr zu strafen und zu rächen, so daß die Menschheit sich nicht gegenseitig vertilge. „Und (deßhalb) seid fruchtbar nnd mehret euch (ohne Angst und Sorge), reget euch ans der Erde und vermehret euch ans ihr." (l. V. M. E. », Ä. 7.) Zeitungsnachrichten und SorresponderrZen. Deutschland. Würzbnrg. Geehrter Herr Redactenr! Ich ersuche Sie höflichst, folgende Berichtigung in Ihre geschätzte Zeitung aufzunehmcn. In Nr. 83 d. I. wird Ihnen von Würzbnrg geschrieben, „daß auf Anregung des isr. Neliglonslehrers hzs isr. Neujahrsfestes wegen der Beginn des neuen Schuljahres im alten und neuen Gymnasium vom 1. auf den 4. October verlegt wurde. Wenn am Realgymnasium solches nicht geschehen, so lag die Schuld daran, daß der isr. Religionslehrer versäumt hatte, das Rektorat darauf aufmerksam zu machen." Ich erkläre nun hiermit, daß das, was der Correspondent vom Realgymnasium berichtet, aus voller Unwahrheit beruht, denn daselbst begann der Unterricht, wie bereits am 27. September in der Sitzung, der der Unterzeichnete beiwohnte, beschlossen wurde, ebenfalls erst am 4. October, mithin brauchte der Religionslehrer um Dispens für die isr. Schüler nicht nachznsuchen. Daß übrigens der Herr Rektor am königl. Realgymnasium auch „edle Toleranz" besitzt, beweist, daß derselbe auf meine Anregung die Israeliten die Nachprüfungen vor dem Neujahrsfeste machen ließ. Dies zur Steuer der Wahrheit. Für die Zukunft möchten wir den Herrn Eorrespoudeuteu bitten, sich vorher besser zu orientiren> ehe er zweifelhafte Nachrichten mittheilt. Dr. Braunschweiger, Religionslehrer am konigl. Realgymnasium. Berlin, 24. Oktober. Der Verband Berlin des Vereins „Es r a" hielt am letztvergangenen Montag Abend in dem großen Saale des Eaffelschen Hotels eine von über 200 Herren und Dame» besuchte Versammlung ab, zu der Herr Dr. H erzb e rg, der Direktor des jüdisch - deutschen Waisenhauses in Jerusalem, welcher sich gegenwärtig im Interesse seiner Anstalt in Berlin aufhält, einen Vortrag zugesagt hatte. Ter Verbandsvorsitzende, Herr Sandheim, sprach einige Einleitungsworre, in! denen er die Tendenzen des Vereins betonte, welcher