Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-10-25 · Heft 83 (25.10.1886) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 83 (25.10.1886)
Date
1886-10-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449677--25201-2515025
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

.Vielte Grüner's griff, um au ihm die Leibespfä»rdnng vorzunehme». i^rüncr uub feine Arau sollen mm Wcflcflcu thätlichen Widerstand geleistet Haben; sicher aber ist, dast der zufällig anrveseyde Trödler 3. D. Grabscheit Grüner zum Widerstand aufeuerte und bei der Renitenz gegen den Ltener-Eomlnissär die Kette Grnner'S rist. In Folge der von dem Eommissär erstatteten Anzeige waren heute daS Ehepaar Grüner und 2. D. (Grabscheit des Verbrechens der öffentlichen Gcwaltthätigkeit angcklagt. Die Acfchnldigten stellten die Nichtigkeit der Anzeige in Abrede. Auf Antrag der Äertheidiger Dr. Elbogen und Dr. Karl Fuchs wurde ein Zeuge Namens Patsch vernommen, welcher angab, dast der Commijlär Faltl wiederholt zu ihm gesagt habe: „MitZnden macht man nicht viele Umstände; unter vier Augen kann man sie sogar ohrfeigen. Vor Gericht glaubt man ja doch mehr dem Beamten." Der Eommillär Faltl zeigte sich sehr erbittert darüber, daß Patsch, dem er große Wohlthatc» erwiesen habe,^eine solche Aussage über ihn ablege, ohne sich ludesten über die Wahrheit oder Unwahrheit derselben bestimmt zu äußern. Auf die Frage des Dr. Elbogen, weßhalb er von dem Bezirke Leopoldstadt, wo er früher amtirte, versetzt worden sei, antwortete er, dies sei zum Schutze seiner persönlichen Sicherheit geschehen. Ucbrigens waren die Angaben, welche heute dcr Eommiffär über den Vorfall machte, nicht mehr so entschieden gravircud, weßhalb Staatsanwylts-Substitnt Grohmann von der Anklage gegen Grüner znrücktrat, der Gerichtshof, unter Vorsitz des Laudesgerichtsrathes Ried, jedoch auch dessen Gattin freisprach und Grabscheit nur wegen Einmengung in eine Amtshandlung zu drei Tagen Arrest vcrurthcilte. Aus Galizien im September. Seit dem 6. Scpt. weilte Se. Majestät, unser allergnädigster Kaiser, in unserem Lande. Das Hauptquartier des Kaisers befand sich in Lubie». Der Kaiser wurde in allen Orten, die er bei seiner Ncisc berührte, mit bcfondercnl Enthusiasmus empfangen, obgleich programmäßig nirgends mit Ausnahme von Grodek ein offizieller Empfang stattfand. Die Bevölkerung Galiziens gab wieder Beweise ihrer umwandclbarcn Treue und Anhänglichkeit an Se. Majestät; die Juden haben sich in dieser Beziehung besonders hervorgclhan und mit Recht, weil sie in Sr. Majestät ihren mächtigen Beschützer finden, der mit gleicher Liebe und Gerechtigkeit alle seine Unrcrchancu, ohne Unterschied der Religion, umgibt, so daß die Giftpflanze von Rassen- und Religionshaß in unserem geliebten Laterlaude, trotz künstlicher Pflege von mancher Seite, durchaus nicht gedeihen kann. Ueberall wurde Sr. Majestät von den Vorständen und Rabbinern ehrfurchtsvoll gehuldigt. Nur in Bochnia, nächst K rakau, fehlte während der Durchreise des . Kaisers, unter den zahlreichen Deputationen, die gekommen waren, um dem Monarchen zn huldigen, eine Vertretung der israelitischen (Gemeinde des Rachbarstädchens WiSniez. Die Krakauer „Rowa Reforma" vom io. d. M. bringt nun eine Zuschrift der israelitischen Knltusgemeinde von Wisnicz, in welcher das nnqualisizirdare Vorgehen des Bürgermeisters von Bochnia zur Kenntnist gebracht wird. Die Zuschrift lautet wörtlich: „Der Vorstand der israelitischen Kultnsgemeinde zn Wisnicz, um seine Abwesenheit bei der Begrüßung Sr. Majestät während der Durchreise nach Bochnia am 15. d. M. zu rechtfertigen, flieht hiermit bekannt, das; das Verfahren des Bürgermeisters von Bochnia die ausschließliche Ursache hiervon war; denn der Bürgermeister von Bochnia gab, nachdem er die heranziehcndcn Juden mit den gemeinsten Ausdrücken empfangen hatte, der Polizei den Befehl, die Inden auseinander zu jagen, und drohte hierbei, daß er alle Israeliten und den Rabbiner sammt der Thora aufknüpfcn lauen werde. Der israelitische.Kultusvorstand in Wisnicz." Daß ein Bürgermeister auch Todcsnrthcile fällt, ist eine rechtliche Institution, die znm großen Leidwesen der Antisemiten bisher noch nicht allgemein Geltung erlangt hat. Diö Affaire ist wohl nicht ernst zu nehmen und eher in psychiatrischer als in politischer Hinsicht interessant; gegen derlei Vorkommnisse wird sich wohl leicht Abhilfe schassen lallen. (Oest. Wchschr.) Lemberg. Das hiesige HilfscoinitL für die Abgebrannten?»! Stry hatte irn Ganzen 13079 fl. collectirt, wovon die Juden in Stry 4386 fl., die anderen Eonfessionen 7859 fl., der Synagogenbaufond 623 fl. erhielten. Frankreich. Paris. Die „Archiven Isr." führen Klage über den Gottesdienst in den isr. Tempeln während des Neujahrsfestes. Musik (Orgel) und Elwrgesaug nehmen den größten Theil der Zeit in Anspruch; das Publikum kommt fast nicht zum Beten und glaubt sich schließlich wie im Theater, wo ihm ein recht schöner Ohrenschmaus geboten wird. C n g I a it d. London. Da den isr. rnss. Auswanderern in «eurer Zeit von der Hamburger Polizei bei der Einschiff'.nig im Hamburger Hafen Schwierigkeiten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.