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Der Israelit · 1886-10-25 · Heft 83 (25.10.1886) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 83 (25.10.1886)
Date
1886-10-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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ln den Weg flclcflt werden, ist seitens des hiesigen Board os (MmirMauo Sorge getragen tvorden, das; diese, ohne Hamburg z» berühren, ihr vorgcstecktes Ziel erreichen fünitcit. A m e r l k a. In Wvodville (Misskssipi) ist bisher am Sarnstag Markttag gewesen nnd die israel.Kanflcnte hielten ihre bilden geöffnet. Dem nen eingetretenen Rabbiner der Gemeinde, Herrn Henry Cohen ans London ist es durch seine warme Beredtsamkeit gclnngen, seine Gemeindcangehörigcn zu dem Entschlüsse zn bringen, fernerhin an diesem Tage ihre Geschäfte zn schliesten; nicht lange darauf hat auch der Sladtrath den Markttag ans Freitag verlegt. A s i e it. Bagdad km September. Wie Hilleh (Babel), in dessen'Nähe sich bekanntlich das Grab des Propheten Jccheskel befindet, oder das südlich von hier gelegene Städtchen Amara, das in seinen Mauern das Grab des Esra Hassoser birgt, oder das nördlich von hier gelegene Charkuk in dessen Festungswällen nvricrr (Daniel, der köstliche Mann) mit seinen drei College« Hananjah, Mischacl und Asarjcch, den ewigen Schlaf schläft, ebenso rühmt sich auch unsere alte Chalifcnstadt, das Grab eines grasten jüdischen Mannes in ihrer Nähe zn besitzen. Cs ist dies nämlich das Grab von .’jrun;nrn jnsr (Josua, dem Hohenpriester), das sich ungefähr eine halbe Stunde nördlich von hier und zwar unweit vom Tigrisstromc befindet und?.n dem noch heute nicht nur die jüdische Bevölkerung Bagdads, Männer und Franc», Jünglinge und Jungfrauen, sondern auch die der benachbarten Städte, ja selbst aus den persischen Grenzprovlnzen, wallt, um auf demselben ihre Andacht zu verrichten, dort zugleich auch Kadisch zu sagen für dessen *) Seelenruhe. Das; die Wallfahrer denn auch nicht vergessen, für die Seele des Tobten auf dessen Grab ein ncm: (Seclenlicht) anzuzüuden, ist selbstverständlich, da cs bei unserem Volke schon in den ältesten Zeiten Brauch und Sitte war, iui Lichte die Seele zu symbolisireu nnd so anznzeigen, dass der Lcbensgeist, der in uns wohnt, das göttliche Licht ist, das uns erleuchtet und uns auch leitet. Für die Wallfahrt zu diesem Grabe ist eigentlich keine bestimmte Zeit festgesetzt, da man dieselbe täglich und stündlich unternehmen kann. Auch einzelne Personen können dieselbe vornehmen, da cs ja nur ein einfacher Spaziergang zu der etliche hundert Schritt von den Mauern unserer Stadt entfernten Grabeskapclle ist. Indes; hat sich hier schon der Minhag (Brauch) eingcnistet, das; man diese Wallfahrt gewöhnlich nur am Crew Rosch-Chodesch (Bombende des Neumondes), dann auch vor einem allgemeinen Fasttage unternimmt. Auch rmsere Mädchen lieben es, das Grab dieses Oberpriesters oder, wie sie es nennen „Knbr Kahm El-Kebir" auszusnchen, um auf demselben zu beten um daselbst auch ihren Kummer ausznschütten. ttcber dem Grabe erhebt sich eine ans rohen Ziegeln ansgeführte kleine nnd rundeKapelle, die jedoch neueren Ursprungs ist. Ich habe mich zwar bemüht zn erforschen, auf welcher Grundlage die Legende hier ihren kühnen Bau anfgeführt, und wieso die Sage unter uns entstanden, daß sich hier das Grab des Hohenpriesters befindet. Zn jener Zeit existirie nämlich Bagdad noch lange nicht und der Platz auf dem später die Chalifenstadt entstanden, war damals ein einfacher Weideplatz. Erst viel später enstand auf diesem Platze oder etwas nördlicher davon die Stadt Ktesiphon (das des Talmuds), die mit dem jenseits des Tigris gelegenen Selenkia (das 'oibc des Talmuds) eine Doppelstadt bildete, welche b*c Griechen Madam (vom Ehaldäischen: pxiD zwer Städte) nannten. Beide Städte wurden bekanntlich von Seleukus, dem Nachfolger Alexander« des Großen ans dem babylonönschcn Königsthrone, erbaut. Beide Städte wurden später zerstört und mit den Ziegeln ihrer Ruinen wurde dann Bagdad erbaut und zwar erst einige Jahrzehnte vor denr Entstehen des Islams. Der heutige Name nrn.'i? soll, wie arabische Chronisten melden, ans den; Namen des Götzen Bay, der hier feinen Tempel hatte und denr altarabische» „Dat (Stadt)" entstanden sein nnd somit die „Stadt des Bay" bedeutet baden. Jedenfalls wird die Sage, daß sich das Grab des Hohenpricfters Jesua in oder vor den Mauern unserer Stadt befindet, irgend eine historische Unterlage haben. Wenn mm Männer dieses Grab besuchen, so rctfcitrrcu ftc auf demselben die Hastorah vom Sabbat-Cbamckah(Zacharjah II, 14.) rc ncm -»r» bis zn dem Verse: ntf K'2D nci: worauf sie dann das Kadischgcbct verrichten. Immerhin aber bleibt es merkwürdig, daß weder der babylonische noch der jerusakemitanische Talmud etwas davon erwähnt, daß sich hier, am Tigris das Grab eines Hohepriesters befindet. Leider find die Chroniken und sonstigen historischen Schriftstücke unserer Gemeinde im Laufe der Zeit verloren gegangen und so vermögen auch sie nicht uns darüber zu belehren, wie so sich das Grab dieses Hohepriester« bis auf unsere Tage herab erhalten hat. ') des Hobcnpriefters.

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