Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 81-82 (12.10.1886)
- Date
- 1886-10-12
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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HiTJ edlen (Mciioffcii nieder mib betrieben ihr sauberes Geschäft gerade so wie eliedeni, nur das; jetzt der schloarze Philipp angeblich nlo ,siitod)t im Hanse Gotthelss diente. Bald jedoch siel es den Behörden auf, daß wiederholt Leute, die diel Geld bei sich hatten, vermißt winden. Ter Verdacht lenkte sich auf die erst kürzlich Ettigewanderten. (rin Gensdarm, der sich für einen Viehhändler ansgab und eine schwere sogenannte Geldkatze um den Leib gebunden hatte, übernachtete im Hanse Gotthelss. Als mitten in der Nacht der schwarze Philipp ihn überfallen wollte, schoß der Gcnsdarm auf ihn und verwundete ihn. Andere Gcnsdarmen, die sich beim Anbruche der Nacht im Hause versteckt hatten, eilten, als sie den Schuß... vernahmen, herbei und verhafteten das edle Ehepaar. Die nicht lebensgefährliche Wunde Philipps wurde verbunden und alle drei wurden in das Erkminal-Gesängniß in .Gent abgeliefert. Tie beiden Männer wurden zum Tode durch den Strang, die Frau , zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe'v'erurtheilt. Mit einer schweren eisernen Kette an einen mächtigen Block gefesselt, saß Gotthelf in seiner Zelle. In Erwartung des nahen Todes erfaßte den verstockten Sünder endlich die Rene. . „O," sprach er vor sich hin, „wenn Du mich retten wolltest, allmächtiger Gott, den ich so freventlich verleugnet habe, ich wollte mein ganzes künftiges Leben der aufrichtigsten Buße widmen. Aber, wie darf ich cs wagen, auf Deine Hilfe zu hoffen? Einst habe ich im Eheder gelernt, daß Du ein erbarmnngsvoller Gott bist, der die Nene des größten Sünders nicht verschmäht. Ich will zurückkehrcn zu Dir mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele, will wieder Zodik heißen und als Baal Teschuwoh meine Tage und Nächte verbringen. Nette mich, mein Gott, rette mich: Doch wie kann der ans Rettung hoffen, der Deinen heiligen Namen verleugnet, den mit Raub und Mord seine Seele belastet hat!" Derzweiflungsvoll sprang er auf und wollte die gefesselten Hände ringen. Die eiserne Kette mochte wohl einen Sprung gehabt haben; sie brach in Folge der heftigen Bewegung entzwei, so daß die Hände des Gefangenen frei wurden. Der Verbrecher jubelte laut auf. In seiner Weste war eine Feile eingcnäbet, die er nun lp-rbeilmlen konnte. Eifrig «rächte er sich ans Werk, die Kette, die fein rechtes Bein an den Block fesselte, zu durchfeilcn. Nachdem ihm dieses gelungen, hielt cs ihm nicht schwer, mit Hilfe feiner Feile einige Eiscnftäbe aus dem vergitterten Fenster zu entfernen und sich durch die entstandene Lücke hinaus ans dem Hof des Gefängnisses zu selnvingen. Den Hof umgab eine niedrige Mauer, über die er mit Leichtigkeit kletterte. Eilig lies er bis ans Thor der Stadt. Es war rm Hochsommer und hatte viele Wochen nicht geregnet. Zodik verbarg sich in dem ansgetrockneten Wallgraben, bis am andern Morgen mit Tagesanbruch das Stadtthor geöffnet wurde. Viele Landlente, die Gemüse, Obst 2c. auf den Markt von Gent bringen wollten, zogen durch das Thor, und durch diesen Umstand begünstigt, gelang cs Zodik, unbemerkt die Sradt zu verlassen. Als der Gefängnißwärter um 8 Uhr Morgens dem Gefangenen Brod und Wasser bringen wollte, fand er die Zelle leer. Er machte sofort die Meldung. Es wurde Alarm geblasen; die Stadtthore wurden geschloffen, und Alles wurde aitfgcboten, um den Entflohenen einzufangen. Dieser aber wunderte bereits der Grenze zu, die cr auch glücklich erreichte. Rach den damaligen Rechrszustanden war Gotthelf, der sich jetzt wieder Zodik. nannte, vollkommen sicher. Zodik zog an den Rhein, wo er von mitleidigen Glaubensgenossen andere Kleider erhielt. Erlegte sich schwere Buße ans, aß kein Fleisch, trank keinen Wein und kein berauschendes Getränk, schlief auf der bloßen Erde, fastete jeden Montag nud jeden Donnerstag; so wanderte er als ein Bettler von Ort zu Ort. Rabbi Laser saß in seinem Studierzimmer vor einem aufgefchlagenen Folianten des Talmuds. Da öffnete sich die Thüre, und ein Langer, hagerer Mann, mit von Pockennarben entstelltem Gesicht, trat ein. „Rabbi Laser," sagte der Fremde, „ich bin ein Baal Teschuwoh; schon habe ich mir selbst Buße aufgelegt. Ich wollte nach Deutz zu Rabbi Lötz Mehler reisen, allein, ich hörte unterwegs, daß cr vor vier Wochen gestorben sei. Ihr seid ein gelehrter Mann und könnt mir sagen, ob die Buße, die ich mir selbst aufgelegt habe, die rechte ist. Ihr seht einen Meschnmed vor Euch, eine» Räuber und Mörder." Und mm zählte cr auf, was er feit Wochen getlian, um seine Verbrechen zn sühnen, daß er auch ta Meschede ein Tauchbad aenommcn. um zum Judcmhum zurückznkehren. „„Das ist Alles ganz recht," sagte Rabbi Laser; „allein, Ihr müßt auch das Unrecht, das Ihr an Euren Mitmenschen begangen, wieder gut zu machen suchen."" „Ich kann die gewüteten Menschen nicht wieder lebendig machen, kann das geraubte Gur, das die Behörde connscirr hat, nicht wieder znrückerftatren. Ein Verbrechen habe ich degangeu, dessen