Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 81-82 (12.10.1886)
- Date
- 1886-10-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449676--25161-2514962- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
auch seine Schwache nicht verkennen! Die Versammlung wurde hierauf niit einem Hoch ans den „uiiverfnischien und krassen Antisemirisnins" geschlossen. 'Armer Stocher! Selbst das vertrauen der „unversälsthten" Antiseniiten hat er verloren. Berlin, 10. Oktober. Unser Kaiser hat dem Oberrabbiner von Marokko den Talrnnd in prachtvoller Ausstattung -.zum beschenke gemacht. Die 12 Bände des Werkes, das ich gesehen, tragen das Quartformat der Warschauer Ausgabe; die goldene Kaiserkrone ist auf den Deckel eingeprcstt. Verschiedene hiesige Blätter machten ans dem Oberrabbincr den Kaiser von Marokko, doch der allgemeine Jrrthnm wurde durch eine Berichtigung gehoben, die Ihr Correspondent als „Eingeweihter" dem „Berl. Tagcbl." zusaudte und die auch in diesem Organe Aufnahme fand. Bl. Berlin, 10. Oktober. Die „hohen Festtage" sind vorüber, und mit ihnen ist auch wieder der gewaltige Festgottesdienstapparat entschwunden. Die Tanzsalons sind wieder verödet, die i.uprvvisirteu Kanzeln wieder abgerissen, und man hat sich mit seinem Gatte wieder auf ein Jahr „versöhnt." Dasselbe Schauspiel wiederholt sich mit obligatorischer Regelmäßigkeit jedes Jahr; trotz der vielen großen und kleinen festen Gotteshäuser hatten auch Heuer wieder etwa 40 Privatunternehmer ihre Tempel aufgeschlagen, allerdings mußte... dieser Tempel gar oft in den zehn Bußtagen wieder abgebrochen werden, um anderen Veranstaltungen den Platz zu räumen; so hielt im Elubhanse Donnerstag Abend Dr. Bockel aus Marburg eine seiner wahnsinnigsten Hetzreden, und 20 Stunden später ertönte an ebenderselben Stelle das Wort der „Erbauung." Was thut's? Es ist tief bedauerlich, aber vor der Hand steht irgend eine Besserung dieser Ealamität auch nicht entfernt in Aussicht. Leider ging das Fest nicht ohne einige bedauerliche Zwischenfälle ab. So stürzte gestern Abend während des Neilagebetes (im Restaurant Sehfeldt) der greise Vorbeter, ein Herr Benjamin, tobt zusammen und seine Leiche wurde, da die Schatten sich dehnten und der Glanz der Sonne das Laub der Bäume vergoldete, in das Obduktionshaus geschafft. Ein anderes Mißgeschick traf die L i p p m a ll n - T a u ß - Äy n a g o g e, deren Rabbiner bekanntlich Dr. Lipschütz ist. Der Wächter war in der Nacht zum Versöhnnngstagc cingeschlnmmert, und eine der Kerzen stürzte um und entzündete die Decke des Almenwrs wie die Sitzreihen. Ter Wächter scheute sich aus religiösen Gründen den Brand in seinem Entstehen zu löschen; er eilte davon, alamkrte die Hansbelvohner und schließlich die Feuerwehr. Eine Handspritze sandte in den vonr Feuer,cheln hellerlcnchteten Raum ihre Wasser« Massen hinein, nach kurzer Zeit war der Brau-, welcher das Almemor mit dein Svnagogengeräth und einige Sitze vermehret hatte, gelöscht und, kaum war die Feuerwehr beimgekehrt, als in dem noch von intensivem Qualme gefüllten Gotteshanse das Morgengebet begann. Sonst nahm die Berliner Andacht ihren ungestörten Verlauf, und am Abend konnte man die vielen Tausende unserer Glaubensgenossen durch die Straßen versöhnt an den häuslichen Herd heimströmen sehen. Bl. Berlin, 10. Oktober. Ein Synagogenbrand entstand gestern in früher Morgenstunde auf dem Grundstück Alexanderstraße Nr. 52. Hier befindet sich in der zweiten Etage des dreistöckigen Hinterhauses die Lippmaun Tanß - Synagoge, die einen saalartkgen Raum von fünf Fenstern Front cimiimnit Darüber befindet sich eine Federhaudlung, während im ersten Stock ein umfangreiches Felllager untergebracht ist. Auch das zweite Stockwerk diente, wie ein Aufzug noch zeigt, früher zu Lagerzwecken. In der Synagoge hatten am vorhergegangenen Abend bis um 9 Uhr Religiousübuuge» stattgefunden, nach Schluß derselben lvar ein Wächter in dem Raum zurückgeblieben. Als sich nun um halb fünf Uhr früh der im selben Hause wohnende Schankwirth in sein Gcschäftsloka! begab, war noch nicht das Geringste zu bemerken gewesen. Kaum eine Viertelstunde später war der ganze Synagogeuraum bereits mit dichtem Rauch erfüllt und vom Feuerschein hell erleuchtet. Die Feuerwehr ging sofort energisch vor, riß den brennendon Altar und die vom Feuer erfaßten Sitzreihen nieder und warf die mit einer Handspritze abgelöschreu Thcilc auf den Hof hinab. Auf diese Weise gelang es, dem Feuer verhältnißmäßig schnell Halt zu gebieten und bald jede Gefahr zn beseitigen. Vernichtet ist der Almeuwr mit dem Synagogengeräth und einige Sitze. Frankfurt a. M., 28. Scpt. Die von dem verstorbenen Rechtsanwalt Dr. Leopold Odrell zum Andenken an seine Eltern Jfaac Abraham Oppenheim nnd Rahel Oppenheim, ged. Eohcn. errichtete Sripendien-Stiftung wird endlich — nach langwierigen Verhandlungen ni'tt der Regierung — im Oktober d. I. ihre Wirksamkeit beginnen. Zweck der Stiftung ist die Austhrilnug von Stipendien zur Ausbildung unbemittelter junger Leute, welche dem Gemeindeverbande der Stadt Frankfurt a. M. eventuell solchen Gemeindeverbänden in einem Umfrcife Frankfurts von zweien bis zu acht Wegsum-