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Der Israelit · 1886-10-12 · Heft 81-82 (12.10.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 81-82 (12.10.1886)
Date
1886-10-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1 *105 Wir können den Inhalt dieser Verse folgenderms'.cn zusamniensasscn: 1) Vollkommene Hingebung hü (wtt, ») unbegrenzte l'iebc zu l^atr,;i) die daraus rcsnlLirendc Pflichterfüllung gegen die Mitmenschen, zunächst gegen die Eltern, 4) und 5) Aeharrlichkeit in der Hingebung an Gott, in der Liebe zu Gott, in der Pflichterfüllung gegen die K'irmenschc» bis an den Tod, tt) Einwirkung auf die Mitmenschen durch Beispiel und Lehre. Das sind die Früchte, die süß sind unserem Damnen, die uns nähren, erquicken und erhalten, und wenn wir am Hüttcnfcfte die schöne Ethrogsrucht in die Hand nehmen, so sollen wir uns mit all diesen erhabenen Gedanken durchdringen. „Wie der Ethrogbaum unter den Bäumen des Waldes, so ist mein Freund unter den Jünglingen; in seinem Schatten ftudc ich Lust und Schutz, und seine Frucht ist sütz meinem Gaumen." Zeitungsnachrichten und Correfporrderrzen. Deutschland. Berlin, 4. Oktober. Die „Freisinnige Zeitttng" schreibt: Kurz' vor Quartalsanfaug sucht die „Kölnische Zeitung" ihre jüdischen Abonnenten die letzten Beschimpfungen-' nber- »das Geschrei der Moses und .Lohn" vergeben zu machen. Kurz vor Quartalsanfaug verkennt nämlich die „Kölnische Zeitung" nicht, „daß der jüdische Geist neben manchen Schwächen viele und glänzende Vorzüge besitze, und daß „der Nationalismus" sich »nicht in einen wirre» und wüsten Antisemitismus vcrkrauseln dürfe." Ja, kurz vor Quartalsanfang! Wir unsererseits glauben aus den obigen Worten ^erausleseu Zu können, daß die bewutzte „semitische Drohung," wenn auch nicht auf die jüdischen Abonncoten und Inserenten der Kölnerin, so doch sicher auf die Redaktion einen tieferen Eindruck hinterlaffen hat. Im Uebrigcn wird man es begreiflich finden, daß das Kölner Wasser, welches das „Weltblatt" dem jüdischen Geiste kredenzt, mag es nun mohl oder übel riechen, beit jüdischen Geist nimmer yi benetzen vermag. Berlin, 4. Oktober. Als ein rühnilkchcs onigmi; für die Leistungen des Rabbincr-ScminarZ aud; ßuf homilcrrschem Gebiete mag die 4-harsache gelten, daß auch in diesem Jahre über murmrliche Predigtkräfte der Anstalt verfügt war, und daß trotz der großen Schülerzahl kaum alle umgehenden Gesuche von Gemeinden und Privaten berücksichtigt werden konnten. So sprachen an den Festtagen Zöglinge des Seminars in den Gemeinden Sammler, Kosten, Zabrze, Guhran, Treptow, Rnunuelsburg i. P. u. a.- wie in Berlin in der Gemeinde „Schochare Hattob," Verein junger Kauflente, Grand Hotel, Schntzeuhaus u. s. w. Die hiesige Hanptgcmeinde harte für die Kaiserstraßensynagoge und die Philharmonie zwei Kandidaten vorn Breslauer Seminar berufen. Herr Rabbiner Dr. Frankel, der ossiciclle geistliche Redner der Gemeinde, betrat nach seinem schweren Leiden zum ersten Male wieder am Neujahrsfeste die Kanzel. Berlin, 8. Oct. Eine antisemitische Bezirksversammlung veranstaltete der deutsche Antisemitenbund am Donnerstag Abend im ersten Berliner Wahlkreis. Herr Böcke! ans Marburg gab wieder eine Vorstellung in bekannter Weise. Auf eine Anfrage, wie die Antisemiten im ersten Wahlkreis sich bei der Ersatz-Rekchstagswahl verhalten sollten, antwortete der Vorsitzende, Dr. Blavier, nach der „Kreuzzeitung," daß man dem Kanditatcn die Stimme geben sollte, der sich zu der Richtung der Antisemiten bekenne. Dr. Böcke! lehnte cs ab, über diese Wahlfrage zu sprechen, denn über eine Sache, die man nicht kenne, müsse man nicht reden, sonst könne es cincni gehen, wie dem Abgeordneten Eremer in Kassel, der sich dort nur seiner Rede über Kasseler 'Verhältnisse gründlich blamirt habe. Nun wolle der Hosprediger Stöcker nach .Kassel, um sich vielleicht ebenso zu blamire» wie Herr Eremer. (Stürmische Widersprüche.) Hosprediger Stöcker, so meinte Tr. Böcke! weiter, wolle in Kassel gegen den Antisemitismus reden. (Widerspruch: Ruse: nein, niemals!) Im Uebrigcn gab Tr. Böcke! allgemeine Verhaltungsmaßregeln für die Antisemiten: „Fragen Sie jeden Kanditaten, ob er für den Antisemitismus sei! antwortet er „ja," so wählen Sic ihn; antwortet er nein, oder gibt er. was wahrscheinlicher, ausweichende Antworten, so enthalten Sie sich der Stimme. Von den Konservativen härten manche vor der Wahl sich Anliscmitel<genannt, nachher im Parlament aber nichts davon merken lagen. (Oho!) Halbbeit nütze nichts und mit Diskretion sei in dieser Beziehung nichts mehr anzufangen. (Bercinzeltcr Beifall.) Ein Ehrinlich-Sozialer trat hierauf für Stöcker ein. Dr. Blavier meinte aber, Stöcker habe der antisemitischen Partei geschadet dadurch, das; er ihre Bewegung in ein christliches Fahrwan er gelenkt habe. Deßhalb sei er (Blüvrer) auch nicht nrchr christlich sozial, sondern Antisemit. Dr. Böckel schließt sich den Ansführnngen des Vorredners an. Stöckers Verdienste möge jeder anerkennen (Beifall,) aber

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