Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 81-82 (12.10.1886)
- Date
- 1886-10-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Stmm fjinluciV, if)ti kaum berührend, seiner köstlichen fruchte ihn nicht beranbeud. Das ist das Bild des Heine« Israel inmitten der großen Nationen. Niemals war Israel ein großes, eroberndes Volk, und seit der Zerstörung des heiligen Tempels hat cö überhaupt anfgehört, eiu Volk im gewöhnlichen Sinue des LlZortcs zu sei». Bon unzähligen Gefahren bedroht und oft genug niedergebeugt, hat die besondere Fürsorge GottcS eS beschützt und erhalten und der Vernichtung nicht preisgegeben. „Wie der Ethrogbaum unter den Bäumen deS Waldes, so ist mein Freund unter den Jünglingen." Seht, diesen herrlichen Eichbaum! Hoch hinauf ragt sein Gipfel, und sein Stamm ist so breit, daß viele Männer, die sich einander die Hände reichen und einen Kreis um ihn bilden, ihn kaum umfassen. Weithin sendet er seine Wurzeln, und er scheint ein Jahrtausend überdauern zu wollen. Aber auch sein Tag kömmt; vielleicht fällt ihn die Axt deS Holzfällers oder es stürzt ihn der heranbrausendc Sturm. Von Israel aber sagt der Prophet: „Und wie die Tage des Baumes sind die Tage meines Volkes." Wie die Tage jenes bestimmten Baumes, den Gott in unsere Mitte gepflanzt, wie die Tage der ewigen Gotteslehre, die da „Baum des Lebens" genannt wird, sind die Tage Israels. Die Wahrheit, die der allgütige Gott in unserer Mitte gepflanzt hat, soll einst dem ganzen Menschengeschlechte zu Gut kommen, und dcßhalb bedarf der Baum, der solche Früchte trägt, der besonder» Pflege und Fürsorge. Die Bäume des Waldes wachsen wild empor, sie werden uicht gehegt und nicht gepflegt, nicht umgepflanzt und nicht beschnitten, uicht gedüngt und nicht begossen, auch uicht vor Ungeziefer geschützt. Dagegen bedarf der edle Fruchtbaüm der sorgfältigsten Pflege. Nicht erreicht er die Höhe und den Umfang der Bäume des Waldes, und doch ist er mehr Werth als sie alle. Niemals war Israel ein großes, mächtiges, eroberndes Volk, niemals hat es seinen Herrscherfuf; auf den Nacken von ihm in den Staub geworfener Nationen gesetzt, und doch hat cs den Gang der Weltgeschichte beeinflußt wie kein anderes Volk der Erde. Ein Sameukörnchcn aus der Fülle seiner Wahrheitssaat fiel unter die Völker des Qccidcnts; da zertrümmerten sie ihre Götzenbilder, vergaßen ihrer Götter und Heroen, verwarfen ihre alten Sitten und Gebräuche, um die SittenlehreIsraels zur Grundlage ihrer Staaten zu machen. EinSamcnkörnchen ans der Fülle von Israels 'Wahrheitssaar fiel unter die Völker des Orients. Da unterließen sie. die Sonne, den Mond und die «tcrne, das Feuer oder die Thiere auzubetcn, um den einzigen Gott, den Schöpfer des Weltalls, als ihren Herren auznerkennen. Und imnrer mächtiger wird die Was»rheit sich Bahn brechen, bis die Erde voll fein wild von Erkenntnis; wie die Wasser das Meer bedecke». „In feinem Schatten finde ich Lust und Sicherheit." Wohl gewähren die großen Bäume des Waldes mehr Schatten als der kleine Ethrogbaum, und das ist eben das Wunder, daß dieser kleine Baum auch in dieser Beziehung so Großes zu leisten vermag. sticht groß ist der Raum, den er beschattet, und doch gewährt cs Lust, in seinem Schatten zu ruhen; denn köstlich sind die Düfte, die ihm entfließen. Nicht mächtig und gewaltig wölben sich seine Zweige, und doch gewährt er Sicherheit, denn die Hand des Höchsten schützt ihn und die, so in seinem Schatten ruhen. Wie oft war Israel vou den schrecklichsten Gefahren bedroht! Alle wilde» Ströme sind über unsere Häupter hinweggegangeu. wir sind gekommen in Feuer und in Walter, und oftmals hing das Mordschwert, das uns vernichten sollte, gleichsam nur an einem Haare über uns. Aber die vielen Geweilter vermochten nicht die Liebe auszulöschen, die unser Gott für uns hegt, und die wilden Ströme vermochten nicht, sie hinwegzuschwemmen; kein Feuer vermochte den Quell unseres Lebens auszutrocknen, und alle scharfgeschliffencn Schwerter der Welt konnten unseren Lebensnerv nicht ertödten. „Und seine Frucht ist süß meinem Gaumen.^ König David sagt: >2 ■j'rQ “rr.'rvs ,Tö?n 'Tri* *p7jn rB2>> „Zn thun Deinen Willen, mein Golk, ist wem Wohlgefallen, und Deine Lehre ist in meinen Eingewciden." (Psalm 40, V. 0). Unsere Weist» bemerken hierzu im Midrasch: Ans sechs Verse», welche die Anfangsbuchstaben der Worte .7a bilden, ist die ganze Thora gebaut. Diese sechs Verse lauten: ■pfr» cy y,nn d’dD >22 -,'^rr 'i rse ror^l ILvr nw prr rire -oQ 2'2'N -2 nr O22v zcv »Q .122' n*2T rm cnzyn in **3? "rn2x 722 ^rn vip7 2222 „Vollkommen sollst du sein mit dem Ewige», deinem Gotte. Und du sollst lieben den Ewige», deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen. Ehre deinen Barer und de'ue Mutter. Wer gäbe, daß dieses ihr Herz ihnen bliebe all die Tage, «teige hinaus ans diesen Berg Abarim und stirb dort. Es möge heruiederftrömen wie Regen meine Lehre, fließen wie Thau mein Wort."