Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 100 (23.12.1886)
- Date
- 1886-12-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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arabische Quellen berühren, und über die auch Samuel Ha-Nagid in einem Spottgedichte auf eine unwürdige Lehranstalt sich belustigt, wenn er die „sich schüttelnden" Lehrer und Schüler mit den Strängen in dk Steppe vergleicht. Ichnda Halevi erklärt im Knsari die Sitte mit Hinweis auf die . durch die Bewegungen erzeugte .Körperwärme, welche auch die seelische Wärme beeinflusse. Doch nicht zufrieden mit dieser Erklärung fügt er hinzu: Ich glaube, der Ursprung ist in dem Schriftwesen der Juden zu suchen. Bei de:n Mangel an Büchern müßten sich immer viele Personen um ein Exemplar fchaaren. Nach orientalischer Sitte sitzend, das große Buch vor ihnen ansgebreitet, neigte sich einer nach dem andern mit dem Oberkörper nieder, um in das Buch zn blicken und sich dann wieder aufznrichten. Der Buchdruck hätte die Sitte beseitigen müttcu, sie hat sich als Gewohnheit aber dauernd eingebürgert. Der uns zugemeffene Raum verbietet uns; über den inhaltrcichcn Vortrag eingehender zu referiren, dürfte doch derselbe auf allgemeinen Wunsch der Oeffcutlichkeit übergeben werden. Anknüpfend an eine talmudifche Erzählung, wonach Mar Ukba auf die Frage, ob musikalischer Gesang verboten sei, auf ein liniirteS Blatt als Antwort den Schriftvers geschrieben: „Israel freue Dich nicht bis zum Frohlocken, wie die Völker" (Hofta 9, l.) — schloß Herr Dr. Berliner unter lebhaftem Beifall mit folgenden Worten: Auch Israel darf sich freuen, darf thcilnchmen an den Kulturbestrebungen und Fortschritten auf den verschiedenen Ge- . bieten, aber seine Freude daran darf nicht den Höhepunkt in seinem Geistesleben bilden, nicht bis zum Frohlocken, wie das der Völker, sich steigern. Israel schöpfe seine volle Freude aus dem reinen Quell des Lebens, den die Thora all' ihren Bekenner»' und Pflegern bietet und mehre seine wahre Freude in dem Brunnen, den Fürsten,. Fürsten im 'Reich des Gedankens, gegraben haben. Wie nun, hochgeehrte Versammlung, Ihr Verein seinem Namen etti Tpo alle Ehre macht, die Quelle des Lebens in der Thora zu erhalten und zu wahren, so wachse auch Ihre Freude, daß Sie immer mehr die Hochziele Ihres Vereins gefördert sehen mögen, daß sich Ihre Quellen '" nach'außen verbreiten, rechtS und links, rechts durch die Kenner, links durch die Gönner, im Sinne jenes Spruches: T22? -iry r.Vxsrz -rrrn "ps. -I. Schweden. Malmö, den 19. Dezember. Es ist eine überaus wichtige Angelegenheit, welche ich hiermit zur öffentlichen Kunde bringe, indem ick zugleich die Nedacrionen sämmtlrcher jüdischer Zeitungen dringend ersuche, das Folgende in ihren geschätzten Blättern wieder.zngeben. — In Stockholm befindet sich ein P roscl i) t c nh a it S, unter der Leitung des Pastors August Lind ström, in welchem :!6, sage scchsunddreißig jüdische junge Leute in der christlichen Religion unterrichtet werden. Einer der Hauptagcnten der genannten Anstalt ist der getaufte Jude Scheite Pfeifer, welcher sich jetzt Paulus Wolfs nennt. Derselbe stammt aus Pilcscok oder Zambrowa, Bezirk Lomza, in Rußland. Etwa l5 Jahre lang zog er als Hansirer in Schweden umher, dann ließ er sich taufe», woraus sich seine Frau von ihm scheiden ließ. Dieser nunmehrige Missionär reist jetzt in Polen und Rußland umher, um durch falsche Vorspiegelungen jüdische junge Leute für das Profelytenhaus in Stockholm auznwerben. Derselbe hütet sich zu sagen, daß er getauft ist, lebt wie ein strengfrommer Jude, wäscht sich vor dem Ellen die Hände und legt sogar die Ringe vorher ab, betet in Talith und Dephillin, läßt die Zrzioth vorn heranshängen und vflegt in den Herbergen emzukehren. in welchen die armen Leuten logiren. In Zambrowa machte er die Bekanntschaft eines jungen Mannes Namens Burstin, dem er vorspicgelte, er könne in Stockholm als Lithograph und Schriftsetzer per Woche 50 Kronen (56 M.) verdienen und gab ihm die Adresse: »Proselytenhaus af Pastor Lindström, Stockholm11. Burftin, ein junger Mann von 22 Jahren, vcrhcirathet und Barer von 2 Kindern, hatte natürlich keine Ahnung davon, was das Wort ProselytenhanS bedeutet lind nahm das Anerbieten an. In Stockholnr, wohin Paulus Wolff die Ankunft Snrstius durch ein Telegramm gemeldet hatte, wurde der junge Mann von drei Neugetauften am Bahnhofe in Empfang genommen und in seinem heimischen Jargon angesprochen. Qhne Verdacht zu schöpfen fuhr B. mit diesen jungen Leuten nach dem Proselytenhans, wo ihn Herr Pastor Lindström empfing und ihm in gebrochenem Hebräisch den Priefterftgen ertheilre. DaS gebrochene Hebräisch machte den jungen Mann stutzig: er wies daher das ihm Vorgesetzte reiche Abenden en zurück und verlangte nur Brod und Kaffee. Am anderen Morgen begann der Herr Pastor seine BekchrnngSversuche. Burftin entgegnete darauf, in Thränen ausbrechend, daß cr niemals den heiligen Glauben der Barer vertanen werde, daß er in treuer Liebe fernem Barer und feiner Mutter, feiner Frau und feinen Kindern anhange und sich nicht für immer von Urnen *renn€it wollte, worauf der Herr Pastor salbungsvoll entgegnete, daß er fiÄ glücklich schätze» solle, um des Lüfters der christlichen Religion willen Barer und