Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 100 (23.12.1886)
- Date
- 1886-12-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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1745 Mutter, Frau und Kinder zu verlassen. Drei Wochen lang wurde der junge Mann wie ein Gefangener bewacht und durfte nie ohue Begleitung ansgehcn: er aber saun Tag und Nacht auf Mittel und Wege, der Gefangenschaft zu xntkommcn. Endlich kam er auf die Idee, iu seines Vaters Namen ciucn Brief an sich selbst zu schreiben, den er unbemerkt in de» Briefkasten zu werfen (Gelegenheit fand. Am andern Tag wurde der Brief durch die Post bestellt. B. zeigte ihn dann dem Pastor Lindström, der ihn durch einen seiner Zöglinge sich voricscn ließ. In dem Briefe stand in jüdisch-deutscher Schrift, daß der alle Burstin nach Stockholm kommen werde, um seinen Sohn abzuholen. Ter Herr Pastor hatte nichts Eiligeres zu rhun, als den jungen Mann mit einer Empfehlung an einen Freund nach Malmö zu senden, daiuir er sich so lange dort aufhalte, bis sein Vater von Stockholm wieder abgcrcift fei, Einer der Zöglinge der Anstalt begleitete den jungen Burstin nach dem Bahnhofe und nahm für ihn das Eiseubahubillet. Im Coupee traf B. mit einem jüdischen Kaufmann Namens Rothenberg aus Stockholm, der ebenfalls aus Polen stammt, znsalnmeu und eröffnete ihm sein ganzes Herz. In Malmö angckommcn, brachte Herr R. den jungen Mann zu mir. Derselbe erzählte mir alles, was sich ihm ereignet hatte, wie ich es oben mitgetheilt habe. Ich ricth Herrn Rothenberg, den jungen Burschen mit einer Empfchlnng au Herrn Rabbiner Tr. Si m on sen nach Kopenhagen zu senden, damit er dort unterstützt werde und in die Heimarh zurückkehren könne. Bemerken will ich noch, daß der junge Burstin in feiner Hcimath 5 Rubel per Woche verdiente, während in Stockholm der Wochcnlohn eines Litographcu und Schriftsetzers 10 Kronen benagt, was auch nicht mehr als circa 6 Rubel ist, wobei jedoch der Umstand in Betracht kommt, daß das Leben in Stockholm viel kostspieliger als in einem kleinen russischen Orte ist. Biogen diese Zeilen dazu beitragen, unsere Glaubensgenossen vor den Seelenfängern zu warnen, und daher wünsche ich, daß namentlich die in Rußland in hebräischer Sprache und im Jargon erscheinenden Zeitungen diesen meinen Bericht zum Abdruck bringen. S. Saltzwasser, chemaligrr ReligionSlchrer der ifr. Gemeinde zu Malmö. Rußland. Toorsk, im Dezember, lleber die Ermordung einer ganzen jüdischen Familie ans Tomsk Namens Kahn lesen wir in dem „MoSt. List." die folgenden haarsträubenden Einzelheiten: Kahn'S Familie zählte siebei« Personen, außerdem befand sich bei derselben eine Kindcrmagd. Kahr« betrieb ein Ladengeschäft und befaßte sich auch mis dem Einkauf gestohlener Gegenstände. Am Morgen des Tages, an welchem die Mordthat verübt wurde, öffnete Kahn wie gervöhnlich den Laden und nahm sodann mit seiner Familie den Thec ein. Unterdessen scheinen die Mörder, über bereis Persönlichkeiten bis jetzt alle Anhaltspunkte fehlen, in den Laden gekommen zu sein. Kahn, welcher sich wahrscheinlich nach den Wünschen der Ankömmlinge erkundigen wollte, wurde durch einen einzigen Hieb mit einer Eiscnstange zu Boden gestreckt. Sodann drangen die Mörder in die Wohnung Kahn's, woselbst vier Kinder desselben am Tische saßen, von denen eines nach dem andern mit demselben Mordinstrument, der Brechstange, erschlagen wurden. Die Mutter der Kinder, welche sich in hochschwangerem Zustande befand, wurde in der Küche, wo sic gerade beschäftigt war, ermordet, auch sie! hier die Kindermagd, die sich hatte flüchten wollen, unter den Streichen der Mörder. Nachdem die Mörder ihre blutige Arbeit beendet, gingen sie in das Schlafzimmer der K.'schen Wohnung, suchten die Gelder K.'S zusammen und entfernten sich nnbeincrkt von dem Schauplatz des Verbrechens. Gegen acht Uhr Morgens fand sich in dem K.'schcn Laden ein Mädchen ein, um irgend etwas zu kaufen und fand K. in seinem Blute schlvimmend am Boden liegen. Das Mädchen eilte zurück, und die Polizei erhielt Meldung von der Entdeckung. Bei ihrem Eintreffen in der K.'schen Wohnung fand die Polizei ein fünfjähriges Mädchen noch am Leben, doch ist keine Aussicht auf Wiederherstellung desselben vorbanden. Ter älteste Sohn entging den« traurigen Ende feiner Angehörigen dadurch, daß er im Augenblicke des Mordes sich nicht zu Hause befand. Die Mörder dürften ihre That aus Rache verübt haben, da K. keineswegs im Besitze großer Reichlbümer sein konnte, auch vcrmnthet man, daß die Mörder zu den Bekannten K.'s zählen, da anS den näheren Umständen bei Verübung des Mordes erhellt, daß sic ganz guten Bescheid mit den Gewohnheiten K.'s solvie in der Wohnung desselben wußte». Nichtige Lösungen lnndten ein: ternär xaumram^ und Wilhelm Älerandrr, Lztropko. Moriy greomaun, Rünelsbeim a M. l5lias Lurxe, Homel. tzauwr Pinkowik, Ranngen._• Briefkasten der Redaction. Herrn 2R.?J. in?«.: Tie Lebcrseyung von Mendelssohn ist in reinem Teunch versaßt und in jüd.-deunchru Lettern gedruckt.