Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 100 (23.12.1886)
- Date
- 1886-12-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1742 nicht anders als durch stetes Hämmern hervorgebracht werden durfte; also wird auch ein formvollendetes, künstlerisches, seinem Zweck entsprechendes Lichtwesen aus uns nur durch fortgesetztes Hämmern gebildet. 15s ist ja möglich, daß wir auf leichtere Weise durch Formen zu einem edlen Menschen gebildet werden können. Der Werth ist aber nicht so hoch, wie der jenes Menschen, der durch sich selbst, durch fleißiges, fortgesetztes Arbeiten an sich selbst das geworden, was man als einen edlen Menschen bezeichnet. Durch sich selbst wird man aber nur dann veredelt, wenn man hämmert, fort und fort an sich bildet und sonnt, wenn man die edlen Eigenschaften des Metalls, seinen Glanz, seine Dehnbarkeit durch dieses Hämmern zur Geltung bringt, wenn man daraus dann selbst das kunstvollste Gefäß machen kann. Der Leuchter sollte endlich ein Ganzes sein; nicht nur alle Theile daran aus Gold, sondern alle Theile auch ein untrennbares Ganze. Auch wir Menschen sollen gleichsam, aus einem Gusse sein. Alles an uns echt; jeder Gedanke, jede That fest zusammenhängend, zusammen ein Ganzes, Harmonisches bildend. Ob wir in der Familie oder außerhalb derselben leben, ob wir geschäftlich thätig, oder anßergeschäftlich, ob es unS selbst betrifft oder Andere, ob wir körperlich arbeiten oder geistig, ob wir gewöhnliche oder außergewöhnliche Arbeiten verrichten, ob wir für uns oder mit-Anderen leben: immer haben wir so zu leben und zu wirken, daß der Gedanke, diese ganze Thäligkeit und Wirksamkeit müsse mit unserer Menschenaufgabe zusammenstimmcn, uns beseele. Wir dürfen nicht jetzt blos Geschäftsmann, zu einer andern Zeit blos Familienvater, zu einer dritten nicht blos Gesellschafter sein: das Alles sind einzelne Seiten unserer Menschenaufgabe. Wie die rrn;E aus verschiedene», wenn auch festen Gliedern bestand, von denen das eine zur Aufnahme des Lichts, das andere zum bloßen Schmuck diente; ebenso soll an uns Wichtiges und Unwichtiges, Wesentliches und Unwesentliches Bcftandtheil des Ganzen sein. Es braucht nicht jeder Gedanke, nicht jede Handlung eine uothweudige, pflichtgemäße zu sein; aber auch all Dasjenige, was nur zur Ausschmückung des Menschen, zum äußeren, gesellschaftlichen Menschen gehört, all jene Pflichten, die ihm sein Leben mit der Welt auferlegt, muß aus dcm Äern heraus sich entwickeln, muß fest verbunden sein mir dem Stamm, muß seine Begründung in unserem Wesen haben. Aus diesen drei schwer zu erfüllenden Bedingungen muß das Lichtgesäß erstehen. ' Wie schwer es unserem Volke geworden, sich als Lichtgefäß zu erhalten, das beweist uns nnfere Geschichte. Wie oft haben feindliche Einflüsse es zu zerstören versucht, wie uns das ganz besonders das heutige l5.bnn»ifalrftst r» (5niiuermta bringt Mit allen Machtmitteln, die einem despotischen Herrscher zur Verfügung stehen, wollte Antiochus Epiphanes die Juden verhindern, ferner ihrer Lichtausgabe zu dienen; sie sollten bei Todesstrafe es unterlassen jüdisch zu leben und 511 fühlen, sie sollten mit aller Gewalt gezwungen werden, vor Götzenbildern opfernd und andetend niederzuknieen; verbotene Speisen wurden ihnen mit roher Gewalt in den Mund gesteckt. Doch unser Volk hat gezeigt, daß es keine Macht der Erde gibt, die den überzeugungstreuen Mann zwingen kann, anders zu denken und zu handeln; es hat gezeigt, daß keine Macht der Erde den, der dem Lichte dient, der die Wahrheit bekennt und anprebt, seiner Aufgabe entfremden kann, daß gerade jeder feindliche Angriff das Gegentheil von dem, was er bezwecken will, bewirkt, gerade mitwirkt, das etwas schwach brennende Licht aufs Neue hellauf zu entflammen; ja, unsere Geschichte führt uns klar vor Augen, daß derartige feindliche Angriffe, wenn sie auch schlimm für uns waren, gerade sich als die besten Helfer erwiesen, dem Lichte neuen Nahruugsstoff znzuführen. So war es immer und so wird es auch ferner fein, wen» das Licht von uns selbst nicht genährt wird, ja geradezu von uns ihm der Leuchtstoff entzogen wird. Denn das Licht darf nicht mehr erlösche», seitdem Gott das Licht geschaffen und einen Unterschied gemacht hat zwischen Licht und Finsterniß. Daß wir fteilich dann nicht mehr auf der Höhe unserer Lichraufgabe stehen, wenn wir gezwungen werden müsse»,' das Licht zu erhalten, wenn wir nicht freiwillig uns zum Lichtgefäß machen/ wenn wir nicht selbst den Leuchtstoff lnncinbringen und zuführen: das ist erklärlich und verringert unfern Werth; wir erfüllen dann nicht die Bedingungen, der rr.'it:, dieses künstlerisch vollendeten Lichtgesaßcs, das, wie die heilige Schrift lehrt: r;r3rn sich selbst machen und. formen soll. Möge uns das Bild des Leuchters, wie er gemacht werden soll, vorschweben und uns anspornen, das Höchste und Vollendetste anzuftccben, wahre Träger des Lichts zu werden, rein wie lauteres Gold, hcrvorgcgangcn durch stetes Arbeiten, durch strengste Anforderungen an uns selbst, ein Ganzes bildend, ein kunstvolles, fornwollendcres Gefäß des Lichts.