Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 100 (23.12.1886)
- Date
- 1886-12-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVII^Iahrgallg. Erste fcilntjr ju Nr. 100 i> es Israelit. Leitender Artikel. Zum Richtfeste. Von Dr. H. Sänger. Utifer herrliches Ehauukahfest, das in uns so erhebende Erinnerungen von Biannesmuth und Geisteskraft erweckt, uns mit stammender Zunge die Wahrheit cntgegcnruft von dem Sieg und Triumph des Guten über das Böse, des Lichts über die Finsterniß, cs ist ganz besonders geeignet, uns zum Guten anzusporneu, uns Muth, Kraft und Ausdauer im Kampfe mit den feindlichen Gewalten, seien sie in uns und außer uns liegend, zu verleihen. Aber alle diese edlen Eigenschaften sollen nicht bloß angespornt, sondern muffen in uns auserzogen, herangebildct werden. Das Licht im heiligen Tempel symbolisirte zwar die reine Aufgabe des Menschen, aber das Licht bedurfte erst des Lichtträgers, der rm:c. Scheinbar ist diese nur etwas Aeußerlichcs. Doch ist wohl anzunehmen, daß auch die Form eines so wichtigen Geräthes nicht bedeutungslos, daß sie vielmehr schon den Zweck und die Bestimmung klar und deutlich ausdrücke, daß sie, da Gott sie und nicht anders dargestellt wissen will und darum nicht bloß eingehend beschrieben, sondern sie unserem Lehrer Moscheh gezeigt hat, die beste und vollkommenste war. Die Vorschrift über die Herstellung der lautet: mi:sn nirirn nrpc nns zn? rmc nnrjr :vrr nmncr n'jria nipi hzt „Tu sollst machen einen Leuchter aus reinem Golde, getrieben werde der Leuchter gemacht, sein Fuß und Schaft, feine Kelche, Knaufe und Blumen sollen aus ihm sein." Drei Bedingungen werden in diesem Satze gestellt: Von reinem Golde, getriebene Arbeit und ein Ganzes, aus einem Stück Gold verfertigt, mußte die rr"” fein. Das edelste Metall mußte dazu genommen werden, die schwierigste künstlerische Arbeit und die schwierigste Bearbeitung sollen dabei angewendet werden. Die größtmögliche Forderung an das künstlerische Können des Menschen wird hier gestellt. Das Anzünden und Erhalten des Lichts ist freilich auch das Höchste und Vollkooimenste, was der Mansch erreiche» soll und fern» Nur auö der lautersten und reinsten Quelle soll dem Menschen das Licht zufließen; nur in dem lautern, reinen Gesäß wird das Licht in seiner Klarheit und Reinheit leuchten. Wer sich nicht als Gottes Geschöpf, als Gottes Bote und Diener erkennt, der wird nie seine Aufgabe in ihrer Tiefe und Reinheit, in ihrer Höhe und in ihrem ganzen Umfang erfassen. Nein und lanter'iuie gediegenes Gold muß sein Denken und Handeln sein, nicht vermischt mit Schlacken oder anderen unedlen Metallen; nicht von Nebenabsichten darf er sich beeinflussen oder gar leiten lassen; nicht einmal der Gedanke darf ihn beherrschen in seinem Streben, seine Pflicht zu erfüllen, um dafür Lohn zu empfangen, sondern 'nur die reinste Liebe zn seiner Ausgabe, die reinste Liebe und Ehrfurcht zu feinem Schöpfer und Vater, um Ihm zu Willen zu sein, uni'Seine "Absicht zu erfüllen. Getriebene Hammerarbeit soll den Leuchter Herstellen. Eine Arbeit von gleicher Vollkommenheit und künstlerischer Vollendung ist noch nicht von gleichem Wcrthc. Es kömmt sehr viel daraus au; aus welche Weise, mit welchen Mitteln, unter welchen Vcrhälrniffcu und Bedingungen sie entstanden ist. Wenn dazu die ganze Geschicklichkeit und Kraft eines Mannes erforderlich war; wenn er mit den einfachsten Mitteln etwas Künstlerisches, Formvollendetes zn Stande gebracht: so ist der Werth je nach der Würdigung der Sachverständigen ein oft unberechenbarer, unendlich hoher. Und so werden noch heute die mit freier Hand hervorgebrachten künstlerischen Arbeiten hoch geschützt. Mit einem einfachen Hammer aus einem formlosen Klumpen Gold, einen sicbenarmigen Leuchter, mit Blumen und sonstigem Schmuck künstlerisch ausgestattet, herauözuarbeiren, das ist eben ein Kunstwerk. Aus uns, den, wenn auch kunstvoll geformten und srganisirren. doch in geistiger Beziehung formlosen, wenn auch aus Edelmetall bestehenden Menschen, ein edles, kunstvolles Gefäß, ein Lichtgefäß heranszuformen; das ist eine schwere Arbeit, aber auch das kostbarste künstlerische Scham» und wcrrd, daß wir Alle uns an diese Arbeit machen. Und wie dieser schöne, schmuckrciche Leuchter