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Der Israelit · 1886-12-23 · Heft 100 (23.12.1886) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 100 (23.12.1886)
Date
1886-12-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1736 möglichst wenig dem Kaiser zukäme. damit sic desto mehr erbeuten könnten. (5-rft als sich König Wenzel in dem damaligen Kampfe zwischen Fürsten- und Städtethum überhaupt auf Seite des letzteren stellte, mußte er im Jahre 1385 die Städte für eine Judcnbcraubung, allerdings nicht in dem von ihm gewünschten Umfange, zu gewinnen. (5r ließ sich von den Städten dann -10,000 Gulden zahlen, mehr als siebenhunderttausend Mark, wofür die Städte officicll ein Viertel der Judenschulden für erloschen erklären durften, während sie thatsächlich durch Gewaltmaßregeln die gesammten Schulden tilgten, ja noch viel Geld erpreßten, so z. B. Nürnberg allein 40,000 Gulden. Eine zweite Beraubung fand fünf Jahre später statt. Der Vortrag gipfelte in dem Nachweis, daß der Plan vom König, nicht, wie z. B. Hegel meinte, von de:: Städten ausging. Nebenher schilderte der Vortragende die damaligen Verhältnisse der Inden und zeigte, daß bis zu den Kreuzzügen die Inden irr Deutschland, wie auch ähnlich in England bis zu Heinrich II. eine fast privilegirte Stellung eingenommen haben. Erst die Kreuzzüge und dann das große Lateranconcil im Jahre 1215 unter Jnnocenz III. drückte sie herab, bis dann 1348, zur Zeit des „schwm-zcn Todes" eine ungeheure Verfolgung eintrat. so umfangreich und blutig, wie nie vorher und nie nachher. Daß die Inden nach den grausamsten Verfolgen so schnell wieder emporkamen und daß sie trotz der ihnen widerfahrenen Peraubnngen doch immer wieder sehr bald fähig waren, große Zahlungen zu leisten, lag in dem Umstande, daß damals die ganze civilisirte Welt sich in einem Uebergangsstadium von der Naturalzur Geldwirthschafr befand, indem die Kreuzzüge den Handel emporgebracht hatten. Daher kam es, daß das stüssige Kapital von Tag zu Tag an Werth stieg, und die Inden, denen es an Geschicklichkeit und Beweglichkeit zur Benutzung des flüssigen Kapitals nicht mangelte, leicht und schnell zu großen Reichthümern gelangten. Daß sie dadurch den Fortschritt der modernen Verhältnisse beförderten, ist darnach sehr ersichtlich. Dennoch war die sociale Stellung derselben eine sehr gedrückte und eine so verachtete, daß ein Ritter sich gestatten durste, Inden zn berauben, unter dem vom Richter gebilligten Vorwände, er erweise danrit seiner Religion einen Gefallen. Durch eine Anzahl drastischer Spezialschilderungen würzte der Redener ferner seinen Borttag. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie». Der Großherzog vou Sachsen-Weimar hat an die Wittwe des jüngst verstorbenen Dichters Dr. Leopold Kompert ein kn warmen Worten gehaltenes Eondolenzfchreiben gerichtet. Ans der Bnkovina, im Kislew. Dem „Israelit", der aus den fernsten Wcltgegenden der Diaspora, wo immer sich, wenn -auch nur ein kleiner Theil nuferer Brüder befindet, über deren Leid und Freud uns Nachricht bringt, dürfen wir mit Recht den Ehrennamen crp:rn zipn beilegen, da er die weitesten Entfernungen, durch hochinteressante Mittheilungen und Schilderungen, nahe an einander, zu bringen meisterhaft versteht, so daß jeder europäische Jude heutzutage durch das Medicum des „Israelit" von den Schicksalen Mkd Verhältnisse» unserer Brüder im fernsten Osten beger unterrichtet ist, als man es früher kaum vom nächsten Nachbarlande gewesen. Nun so sehr auch dies von Jedermann, der von ’jNur' mntf beseelt, in freudiger Dankbarkeit anerkannt werden muß, so ist es doch anderseits auffallend, daß aus manchen europäischen Ländern, die noch dazu einen großen , ansehnlichen Theil unserer Brüder V'vi in ihrer Mitte bergen, nur äußerst selten, Ausführlicheres über deren Sitten, Gebräuche und Zustande in diesem gefch. Organe der Gesammtjudenheit publicirt wird. Zn diesen interessanten Ländern, die obgleich sie. in Europa liegen, dennoch für den deutschen Leser eine Terra ineogiiita bezüglich der Verhältnisse der jüdischen Einwohner derselben bilden, gehören unstreitig Galizien und Dukovina. Wohl taucht hie und da in den Journalen manches auf, welches geeignet fein soll, die betreffenden Zustände einigermaßen zn beleuchten; da aber die Meisten dieser Berichte nicht objektiv gehalten, sondern vom jeweiligen, einseitigen Parteistandpunkte diktirt zu sein pflegen, sa werfen wohl dieselben ein grelles Streiflicht auf das galizischjüdische Leben, das aber mehr Schattenals Lichtseiten auszuweisen scheint, und daher nicht als naturgetreues, leber-swahrcs, von keiner Voreingenommenheit gezeichnetes Lebensbild der galizischen Judenheit angesehen werden kann. so dankbar daher die Ausgabe wäre, diese so fühlbare Lücke durch eine möglichst ausführliche Schilderung der hierländischen jüdischen Zustände auszusüllen, so gebricht es mir vorläufig an Zeit und Muße, um mich dieser dankeswertheu Arbeit unterziehen zu können, ick beschranke mich daher für heute aus eine in großen Zügen hiugeworseue Schilderung der hicrländischen jüdischen Zustände, will aber später mit Erlanbmß der l. Redaktion aussührlicher und detaillirter diese Verhältmye in diesen gefch. Blättern besprechen-*) *) Wir -iarn sehr darum. KU».

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